Hohenlohes Außenplanet im Blickfeld

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Ausstellung in Künzelsau gibt Einblick in die Geschichte von Hohenlohe-Schillingsfürst

Von Barbara Griesinger
„EInen alten Steinkasten“ nannte der spätere Reichkanzler, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, sein Stammschloss. Doch so alt war es damals noch gar nicht: Der Barockbau wurde erst 1750 vollendet. (Fotos: B. Griesinger)
„EInen alten Steinkasten“ nannte der spätere Reichkanzler, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, sein Stammschloss. Doch so alt war es damals noch gar nicht: Der Barockbau wurde erst 1750 vollendet. (Fotos: B. Griesinger)

Von Barbara Griesinger

Schuld, dass heute in Hohenlohe kaum jemand das Barockschloss Schillingsfürst kennt, ist wieder einmal niemand anders als Napoleon. Denn er ist dafür verantwortlich, dass Schillingsfürst dem neuen Königreich Bayern zugeschlagen wurde und nicht wie das Gros der Hohenloher Lande den Einflussbereich des württembergischen Königs vergrößerte. Und so gerieten Schloss, Linie und Herrschaft etwas in Vergessenheit. Nicht nur in der Ausstellung können Hohenloher das Schloss und seine Geschichte kenen lernen. Im Rahmen des Hohenloher Kultursommer kann man das Schloss auch als Aufführungsort dreier Konzerte erstmals entdecken.

Dabei ist Schillingsfürst „ebenso lange hohenlohisch wie Neuenstein und Öhringen“, betonte Dr. Peter Schiffer, Leiter des Hohenlohe Zentralarchivs in Neuenstein bei der Ausstellungseröffnung. Wechselvoll ist die Geschichte des Schlosses, das bereits im 13. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie war. Als Außenposten der Hohenloher Lande wurde es gleich mehrfach zerstört wurde, unter anderem 1525 im Bauernkrieg, Nur gute 100 Jahre später zündeten kaiserliche Truppen das Schloss der schwedisch gesonnenen Hohenloher an.

Doch als sich die Waldenburger Linie des Hauses 1615 teilte wurde das fast uneinnehmbare Schloss auf dem Bergsporn gar Residenz. Damals reichte der Schillingsfürster Einfluss bis tief in die Hohenloher Stammlande bis ins Ohrntal und Adolzfurt. Damals wurde der Außenplanet „etwas zum Unruhefaktor im Gesamthaus“, wie Fürst Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg bemerkte, nicht zuletzt wegen konfessioneller Reibereien zwischen den lutherischen Verwandten und den treu katholischen Schillingfürstern.

Das Schloss selbst - ruinös seit dem 30-jährigen Krieg - wurde damals neugestaltet. Philipp Ernst zu Hohenlohe-Schillingsfürst gewann dafür den bekannten französischen Architekten Louis Remy de la Fosse. Er erbaute das heutige Schloss, das, wie der Fürst schmunzelnd berichtete, „der junge Chlodwig Hohenlohe, der spätere Reichkanzler, liebevoll-ironisch einen alten Steinkasten“ nannte.

Chlodwig Hohenlohe ist der bekannteste Bewohner von Schillingsfürst, der auch die weltpolitische Bühne betrat. Die Ausstellung zeigt Bilder und auch einige persönliche Gegenstände eines zierlichen, zurückhaltend wirkenden Herr, den Zeitgenossen als geborenen Grandseigneur charakterisierten. Als junger Fürst trat er in den diplomatischen Dienst der Paulskirche ein, wurde schließlich bayrischer Ministerpräsident, Vizepräsident des Reichstags während Bismarcks Kanzlerschaft, Statthalter in Elsaß-Lothrigen und schließlich selbst Reichskanzler. Dieses letzte Amt trat er mehr aus Pflichtgefühl denn aus Begeisterung an. Dem jungen sprunghaften Kaiser Wilhelm II war der 75-Jährige nicht mehr gewachsen. Wenig nach seinem Rücktritt 1901 starb er 82-jährig fern von Schillingsfürst, in Ragaz.

Das ist nicht Bruno, sondern ein russischern Bär, erlegt im 19. Jahrundert.
Das ist nicht Bruno, sondern ein russischern Bär, erlegt im 19. Jahrundert.
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