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Hohenloher Zivilcouragepreis: Das sind die Geschichten der Retter

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Sie alle haben beherzt und umsichtig geholfen: Dafür ehren der Verein "Sicher im Hohenlohekreis", die Hohenloher Zeitung und die Sparkasse Hohenlohekreis Menschen, die zu Rettern wurden.

Fünf Einzelpersonen und die Gruppe "Nachtwanderer Öhringen" freuen sich über die Auszeichnungen. Das Bläserquartett des Landespolizeiorchesters umrahmt die Verleihung mit edlen Klängen. 
Fotos: Ralf Seidel
Fünf Einzelpersonen und die Gruppe "Nachtwanderer Öhringen" freuen sich über die Auszeichnungen. Das Bläserquartett des Landespolizeiorchesters umrahmt die Verleihung mit edlen Klängen. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Zu Tränen gerührt sind viele der Zuhörer bei der Verleihung des dritten Zivilcouragepreises am Dienstag im Künzelsauer Polizeirevier. Auslöser ist die Geschichte des inzwischen neunjährigen Felix Lias Christ. Der Junge hat durch sein Alarmschlagen einen Mitschüler vor dem Ertrinken gerettet. Er bekommt seinen Preis passenderweise vom Leiter der DLRG im Hohenlohekreis, Klaus Grimmeisen, überreicht.

"Zivilcourage ist, beherzt einzugreifen, wenn dir eine Situation merkwürdig erscheint", stellt HZ-Redaktionsleiter Ralf Reichert der Geschichte als Überschrift voran. Zivilcourage sei auch, einzugreifen, ohne sich selbst zu gefährden. Das haben alle Taten der sechs Preisträger - fünf Einzelpersonen und eine Gruppe - gemein. Erstmals bekommt eine Vereinigung den Zivilcouragepreis, der ausgegeben wird vom Präventionsverein "Sicher im Hohenlohekreis", der Hohenloher Zeitung und der Sparkasse Hohenlohekreis.

Ein Hauch von "Aktenzeichen XY" beim Hohenloher Zivilcouragepreis

Diesen Aspekt betont auch Markus Geistler, Leiter der Schutzpolizeidirektion im Präsidium Heilbronn, der Marcel Koppe den Preis überreicht. Er habe "bilderbuchmäßig gehandelt": Bevor er einer Verkäuferin beim Stellen eines Diebs geholfen "und ihr damit ein gutes Gefühl gegeben hat", habe er seine Familie in Sicherheit gebracht.


Anja Nadine Fietings Zugehen auf ein Mädchen, das kurz vor einem Suizid stand, habe nicht nur ein Menschenleben gerettet, "sondern auch unzählige Menschen vor unendlichem Leid bewahrt", so Michael Schellmann, Dezernent für Finanzen und Service im Hohenlohekreis, der Landrat Matthias Neth vertritt. "Zivilcourage ist, auf jeden Fall zu helfen, auch wenn du dir das im ersten Moment nicht zutraust", stellt Ralf Reichert diesem Fall voran - und auch dem von Vera Steiner, die beim Joggen einem Gestürzten half . "Das ist unheimlich couragiert, als Frau im Dunkeln so einzugreifen", sagt Christine Schlagenhaufer, Leiterin des Bereichs Filialen bei der Sparkasse, in ihrer Ansprache für die abwesende zu Ehrende.

Beherzt eingegriffen - das habe Verkäuferin Annette Harsch, als sie wohl ein großes Feuer verhindert hat. Kreisbrandmeister Torsten Rönisch lobte die Vorbereitung der wegen Erkrankung verhinderten Frau: "Viele wissen nicht, wie ein Feuerlöscher funktioniert. Sie hat damit so gelöscht, dass die Feuerwehr quasi nichts mehr machen musste." Vorbereitung zeichne auch die "Nachtwanderer Öhringen" aus, so Reichert, die eingriffen, bevor etwas passiere.

Die Preisträger seien "Vorbilder in einer von Krisen geschüttelten Welt", fasst Schellmann im Grußwort zusammen. Geistler kommentiert in seinem: "Viele rufen die Polizei, wenn der Nachbar um 22 Uhr noch mäht, fahren aber bei einem Unfall weiter." Die Preisträger jedoch seien für das Gute eingestanden, sagt er am Ende seiner Rede, bevor die Geschichten der Preisträger erzählt werden. "Das ist ja fast wie bei ,Aktenzeichen XY" ..."

Hohenloher Zivilcouragepreis: Die einzelnen Preisträger im Porträt

Mitschüler vor Ertrinken gerettet

22. September 2021: Die Schulklasse hat gerade Schwimmunterricht in einem Künzelsauer Hallenbad. Plötzlich geht einer der Schüler unter und liegt regungslos am Beckengrund. Weder Lehrer noch Mitschüler bekommen es im ersten Moment mit. Zum Glück merkt Felix Lias Christ, dass etwas nicht stimmt. Der Siebenjährige schlägt Alarm. Die Lehrer ziehen den Schüler aus dem Wasser und versuchen, ihn wiederzubeleben. Ein Rettungshubschrauber wird angefordert, der Junge kommt in eine Spezialklinik. Nach Stunden des Bangens die Nachricht: Er überlebt. Dass der Junge heute wieder putzmunter ist, ist seinem Mitschüler Felix Lias Christ zu verdanken.

Joggerin rettet Hilflosen

Es ist Sonntag, 5. Februar, 18.20 Uhr: Vera Steiner geht joggen und passiert um 20.30 Uhr den Waldweg zwischen Berghäusle und Waldkindergarten. Da sieht sie einen älteren Mann an einem Graben liegen. Vera Steiner denkt sich: "Er muss gestürzt sein!" Sie zögert keine Sekunde und kümmert sich um ihn. Er ist ansprechbar und kann seine Personalien nennen. Sie hat kein Handy dabei. Deshalb rennt sie nach Hause und verständigt die Polizei, welche die Angehörigen informiert. Die Beamten können den Mann erst nicht finden, Vera Steiner wird in die Suche einbezogen. Zusammen finden sie den Mann, der abermals gestürzt ist. Sie retten ihn vor einer möglichen lebensbedrohlichen Unterkühlung. Das Preisgeld in Höhe von 750 Euro wird Vera Steiner durch Christine Schlagenhaufer von der Sparkasse Hohenlohekreis überreicht. Der Mann hätte an Unterkühlung sterben können.

Selbsttötung verhindert

Freitag, 29. Juli 2022: Ein 16-jähriges Mädchen ist psychisch angeschlagen, sieht keinen Ausweg mehr und läuft am Vormittag auf die Autobahnbrücke zwischen Neuenstein und Friedrichsruhe, um sich in die Tiefe zu stürzen. Sie steigt über das Brückengeländer. Verkehrsteilnehmer sehen das und alarmieren die Polizei. Anja Nadine Fieting erfasst die Situation blitzschnell: Sie stoppt ihren Wagen auf der Brücke, steigt aus und nähert sich dem Mädchen. Sie spricht die 16-Jährige an. Wieder und wieder, bis das Mädchen von seinem Suizidversuch ablässt. Als die Polizei kommt, können die Beamten das Mädchen vom Geländer der Brücke wegholen.

Gesuchter Straftäter nun verhaftet

Samstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr: Marcel Koppe kauft mit Familie in einem Krautheimer Lebensmittelgeschäft ein. Er bemerkt einen Mann, der sich auffällig verhält und Waren in seinen Rucksack stopft. Marcel Koppe erkennt: Das ist eine Person, die schon öfters strafrechtlich aufgefallen war. Die HZ hatte über den Mann berichtet. Koppe spricht die Verkäuferin an, die sich sichtlich unwohl fühlt, den Mann aber auffordert, den Rucksack zu öffnen. Der weigert sich. Koppe signalisiert, dass er eingreifen wird. Die Polizei wird alarmiert, kommt aber nicht gleich. Die Lage eskaliert. Koppe ruft erneut die Polizei. Die kommt, nimmt den Mann mit. Es lag ein Haftbefehl vor.

Brandstiftung entdeckt

Montag, 12. Dezember, 16.24 Uhr: Annegret Harsch, die eine Buchhandlung im Künzelsauer Stadtzentrum von Künzelsau betreibt, bemerkt, dass ein Vordach Feuer gefangen hat, welches ihr Gebäude mit dem Nachbarhaus verbindet. Sie alarmiert sofort Feuerwehr und Polizei. Dann greift sie zu einem Feuerlöscher und beginnt selbst, den Brand in Schach zu halten. Die Feuerwehr ist rasch zur Stelle und kann den Brand vollständig unter Kontrolle bringen. Die polizeilichen Ermittlungen ergeben, dass Brandstiftung die Ursache gewesen sein muss. Das Preisgeld von 500 Euro überreicht Kreisbrandmeister Torsten Rönisch an Annegret Harsch.

Sicherheit bei Dunkelheit

Die Hohenloher Zeitung hat in den vergangenen Jahren immer wieder über sie berichtet und zieht den Hut vor ihrem ehrenamtlichen Engagement. Die Rede ist von den "Nachtwanderern", die an Freitag- und Samstagabenden regelmäßig in Öhringen unterwegs sind, um potenzielle Konflikte schon im Kein zu ersticken. Die Gruppenmitglieder erklären: "Wir möchten Vertrauen aufbauen, Hilfe anbieten, Aggression und Vandalismus begrenzen und das soziale Klima verbessern." Eine stressfreie Atmosphäre schaffen, für ein respektvolles Miteinander eintreten, Zuhören und jungen Leuten Rat geben, aber auch Grenzen setzen. All das machen die Menschen, die hier dabei sind.

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