Hohenloher Klimazentrum nimmt bald Fahrt auf
Die neue Einheit ist bei der Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises angesiedelt und zentraler Bestandteil des lokalen Klimapakets. Die Leitung des Klimazentrums ist begehrt, weil die neue Stelle gut vergütet, unbefristet und ungebunden ist.

Der globale Klimagipfel in Glasgow ist in vollem Gange, die Koalitionsverhandlungen der Ampelparteien für die neue Bundesregierung sind auf der Zielgeraden und werden dem Klimaschutz einen überragenden Stellenwert einräumen.
Auch die neue grün-schwarze Landesregierung hat diesem Top-Thema großes Gewicht verliehen. Und was passiert gerade auf lokaler Ebene? Es entsteht ein neues Klimazentrum.
Vorstellungsgespräche am 19. November
Es ist eines von drei Bausteinen des Klimapakets, das der Kreistag in diesem Sommer beschlossen hat. Um es zum Laufen zu bringen, fehlt noch ein Experte, der dieses Zentrum leitet. "Mit der Anzahl und Qualität der Bewerber sind wir absolut zufrieden", sagt Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis, bei der diese Einheit angesiedelt sein wird. Von den zehn Interessenten seien etwa die Hälfte zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden. Diese seien auf den 19. November terminiert.
Das ist der Unterschied zur früher ausgeschriebenen Stelle des Klimamanagers
Dass der Job offenbar begehrt ist, liegt an drei Faktoren: Erstens wird er ordentlich vergütet, zweitens ist er unbefristet, drittens hat man dabei relativ freie Hand. Dies war noch nicht der Fall, als der Kreis Anfang 2020 einen Klimaschutzmanager suchte und nach einem äußerst zähen Bewerbungsverfahren im Sommer die Reißleine zog. Offizieller Grund war der Sparkurs wegen Corona. Damals war die vorgesehene Bezahlung mau und die Stelle auf drei Jahre befristet. Und die Fachkraft wäre vielfach gebunden gewesen an die Bedingungen des Bundesförderprogramms, das seiner Anstellung zugrunde lag.
"Eine Fülle von Dokumentations- und Rechenschaftspflichten wären zu erledigen gewesen", sagt Damm, der froh ist, dass der Kreistag einen anderen Weg gewählt hat, ohne von solchen bürokratischen Fesseln geknebelt zu sein. "Es gibt keine Restriktionen von außen, der Leiter des Zentrums kann eigene Ziele setzen und bestimmen und ist nur dem Kreistag Rechenschaft schuldig."
Zweite Fachkraft folgt, wenn Leitungsstelle besetzt ist
Wenn die Wunschperson gefunden ist, wird eine zweite Stelle ausgeschrieben. Sie gehört ebenfalls zum Klimazentrums. "Wir wollen dem Leiter die Möglichkeit geben, auf die Besetzung Einfluss zu nehmen", erklärt Damm. Auch die Bezahlung stimme: "Er verdient so viel, wie der Klimaschutzmanager bekommen hätte." Deshalb rechnet Damm erneut mit einer guten Bewerberlage: "Wer Qualität will, muss sie auch angemessen vergüten. Der Kreistag hat mit diesen Eingruppierungen eine wichtige und richtige Weichenstellung vollzogen."
Das sind die Aufgaben des Klimazentrums
Das Klimazentrum soll zum Anlaufpunkt und Ratgeber für Bürger und Kommunen, Unternehmen und Landwirte werden. Projekte sollen angestoßen und begleitet, koordiniert und vernetzt werden. Die Basis bildet das Klimaschutzkonzept von 2017. Es enthält 42 Maßnahmen, die nochmals "einem Update unterzogen werden, sobald die beiden Stellen besetzt sind", kündigt Damm an.
Er ist überzeugt: "Vor allem in der Abfallwirtschaft stecken unheimlich viele Potenziale." Vorreiterprojekte wie "Hohenlohe to go" oder die energetische Verwertung von Speisefetten seien nur der Anfang.
In Sachen Klimaschutz messbar werden
Auch wenn die Zeit dränge: "Nicht Schnelligkeit ist jetzt entscheidend, sondern wir wollen strategisch etwas aufbauen, das Jahrzehnte trägt." Zwei Dinge stellt er heraus: "Wir wollen in Sachen Klimaschutz messbar werden im Vergleich zu anderen." Und: "Wir wollen Akteure und Ideen, Bürger und Gemeinden, Behörden und Firmen zusammenbringen und dafür sorgen, dass immer mehr Menschen mutig umdenken" - ohne dass dabei die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit auf der Strecke blieben.
Das sind die Ziele des Klimaschutzkonzepts
Das Klimaschutzkonzept des Hohenlohekreises wurde Ende 2017 vorgestellt. Die dahinter stehende Klima-Diät ist bis 2050 ausgelegt. Die messbaren Ziele lauten wie folgt: Das Treibhausgas Kohlendioxid soll bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 um 75 Prozent reduziert werden. Der Energiebedarf des Kreises soll bis 2030 um 15 Prozent und bis 2050 um 40 Prozent sinken.
Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll bis 2030 bei 80 Prozent und bis 2050 bei 140 Prozent liegen, derzeit sind es knapp 35 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien beim Wärmeverbrauch soll bis 2030 auf 25 Prozent und bis 2050 auf 50 Prozent steigen. Die Mobilität im Kreis soll auf breiter Basis klimafreundlich sein, die Kreisverwaltung ebenso. Der Ausbau der Solarenergie und der Klimaschutz in Landwirtschaft und Wirtschaft sollen forciert werden.
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