Stimme+
Hohenlohe

Hohenloher Bäckereien kämpfen mit Umsatzrückgängen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Besonders größere Bäckereien im Hohenlohekreis kämpfen mit Umsatzrückgängen. Teilweise gibt es Einbußen von rund 30 Prozent. Viele haben ihr Sortiment der sinkenden Nachfrage angepasst. Auch die Cafékultur erholt sich nur schleppend.

Profitieren auch von ihrer Lage an der Hauptstraße in Adolzfurt: Monika Spindler mit Sylvia Funke und Stammkundin Karin Möller (von links). 
Foto: Stefanie Jani
Profitieren auch von ihrer Lage an der Hauptstraße in Adolzfurt: Monika Spindler mit Sylvia Funke und Stammkundin Karin Möller (von links). Foto: Stefanie Jani  Foto: Jani, Stefanie

Abends um 17 Uhr ein Brot zu ergattern, ist derzeit nicht selbstverständlich. Immer wieder fällt Beobachtern auf, dass die Regale verdächtig leer sind, ebenso ist hinter der Theke spürbar weniger Personal. Wird weniger gebacken und wie geht es den Bäckern in der Region?

Umsatzeinbrüche von 30 Prozent 

"Wir hatten Umsatzeinbrüche von rund 30 Prozent", sagt Henri Pfisterer, Mitinhaber der Bäckerei Pfisterer und Oettinger in Neuenstein. Rückgang der Kunden und Totalausfall des Cafes: Dennoch hat die Bäckerei Glück gehabt. Die Einbrüche in den vier Filialen konnten die insgesamt 21 Verkaufsfahrzeuge abfangen.

"Da hat das Geschäft sehr angezogen", so Pfisterer. Mitarbeiter haben daher in die Fahrzeuge gewechselt. Zudem habe man versucht, auf die Ängste der Kunden zu reagieren.

Mitarbeiter stülpen sich nun Schlupfhandschuhe beim Einladen der Backware über. "Ich hätte es nie gemacht, da ich mich informiert habe und es nicht hygienischer mit Handschuhen ist,", meint er weiter.

Mengenmäßig wird gleich produziert, die Wagen werden im Vergleich voller gepackt. "Ein, zwei Wochen haben die Leute eher Brot gekauft oder Hefezöpfe, aber das hat sich schnell wieder erledigt." In den Filialen gehen die Zahlen nur schleppend nach oben. Auch im Café ist der Boom ausgeblieben. "Für einen Kaffee und ein Stück Kuchen sind vielen die Auflagen einfach zu umständlich."

Es wird weniger gebacken 

Von einem Rückgang um rund 30 Prozent spricht auch Dieter Merz, Inhaber der Bäckerei Merz in der Öhringer Karlsvorstadt. Bei ihm decken sich aufgrund der Lage sonst viele Schüler und Arbeiter mit Vesper ein. Zwar habe sich die Situation etwas gebessert, dennoch sei man weit unter dem Normalzustand. Das Sortiment sei angepasst worden. Es werde etwas weniger gebacken, sagt Dieter Merz.

Die Bäckerei Spindler an der Hauptstraße in Adolzfurt hat andere Erfahrungen gemacht. "Wir können nichts sagen", sagt Monika Spindler. Eine Woche im März sei sehr hektisch gewesen, als die Menschen ihre Hamsterkäufe getätigt hätten. Da sei der Umsatz nach oben gegangen. "Man hat es richtig gemerkt, dass manche die Bäckereien abgeklappert haben. Wenn ich kein Brot hatte, sind sie weitergezogen."

Die Rückmeldung ihrer Kunden war, dass sie mehr in kleinere Geschäfte wollten und nicht in den Supermarkt, meint sie weiter: "Ich sehe Leute, die waren fünf oder sechs Jahre nicht mehr da."

Wieder auf Regionales besinnen

Warum sie die Einbußen nicht spüren, kann sie nicht so recht erklären. "Die Geschäftskunden, die nicht kommen, gleichen die aus, die zu Hause sind", überlegt sie. Sie habe festgestellt, dass ihre Kunden nicht auf die abgepackte Supermarktware setzen.

Das wünscht sich auch Michaela Trunk, Inhaberin der Bäckerei Trunk mit zwölf Filialen in der Region und Hauptsitz in Willsbach. "Es wäre schön, wenn die Kunden, die wir an die Supermärkte verloren haben, sich wieder besinnen, dass wir auf regionale Kaufkraft angewiesen sind", sagt sie. "Wir beschäftigen rund 260 Mitarbeiter aus der Region und verarbeiten Rohstoffe von hier."

Ob Abgepacktes in überfüllten Supermärkten sinnvoller sei, stellt sie in Frage. Auch die Bäckerei Trunk kämpft mit den Umsatzeinbußen und hat ihr Sortiment während des Lockdowns angepasst. In dieser Zeit seien keine Pizzen und Speisen außer Haus angeboten worden.

In Kurzarbeit gewesen 

Die Mitarbeiter in ihrer gesamten Gastronomie seien in Kurzarbeit gewesen. Nun werde das Sortiment in diesen Bereichen in kleinen Schritten wieder erweitert. Die Cafés sind seit Anfang Juni wieder geöffnet, wenn auch die Auflagen "fast nicht zu bewältigen" seien, erklärt Michaela Trunk. Wirtschaftlich seien die Cafés noch lange nicht. Viele Menschen würden ihre Zeit noch nicht zum Kaffeetrinken nutzen.

Einmalhandschuhe großes Thema

Das Thema Einmalhandschuhe in Bäckereien wurde schon vor Corona immer wieder diskutiert. Es gebe jedoch keinen Anlass, sie aus hygienischen Gründen zu tragen. Darüber hat sich auch Henri Pfisterer in einem Vortrag informiert.

Nach einiger Zeit gebe es auf den Händen genauso wie auf den Handschuhen eine vergleichbare Belastung mit Keimen. In Coronazeiten indessen setzen immer mehr Bäckereien zusätzlich zum Mundschutz und Spuckschutz auf Handschuhe, was mit einem erheblichem Mehranfall an Müll verbunden ist.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben