Stimme+
Dörzbach

Hohebachs Wahrzeichen

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Vielbefahrene Jagstbrücke hat eine bewegte Entstehungsgeschichte und verursachte einst königlichen Zorn

Von Corry Faber
Die stattliche Jagstbrücke in Hohebach mit ihrer wuchtigen Säule trägt heute 90 Meter der Bundesstraße 19.Foto: Archiv/Fritze
Die stattliche Jagstbrücke in Hohebach mit ihrer wuchtigen Säule trägt heute 90 Meter der Bundesstraße 19.Foto: Archiv/Fritze

Möge die Hohebacher Jagstbrücke als Teil einer Heerstraße für alle Zeiten ausgedient haben und Verbindungsglied einer offenen und breiten Straße für den Frieden sein!", so schrieb Kurt Häfele, ehemaliger Ortsvorsteher von Hohebach, in dem mit Ernst Zeller erarbeiteten Dokument "Jagstbrücke zu Hohebach − Ein Streifzug durch die Geschichte der Hohebacher Brücke". Doch wie entstand die prachtvolle Brücke, über die heute die B 19 führt?

Kaum vorstellbar, aber bis 1810 gab es an der Stelle lediglich eine Holzbrücke. Schon viel früher sollte sie durch eine Steinerne ersetzt werden, doch die Pläne scheiterten des öfteren am Geld. Auch Versuche, eine alternative, stabilere Brücke zu bauen, waren nicht von Erfolg gekrönt. Immer wieder sorgten Hochwasser und Eisgang, also Eisschollen, die auf der Jagst trieben, dafür, dass die Konstruktionen einbrachen. Nicht nur das Wasser selbst sorgte für große Probleme, sondern auch der schlammige Untergrund.

Steinwerk Gleich nachdem Hohenlohe württembergisch geworden war, forderte König Friedrich I. 1808 die Straßen in seinem neuen Herrschaftsbereich zu verbessern, darunter auch die Jagstüberquerung. Als königlicher Baumeister wurde Major Karl-August-Friedrich mit dem brückenbau beauftragt. Sein Kostenvoranschlag belief sich auf 13 157 Gulden. Doch die Kosten stiegen in der Bauzeit, die bis 1810 dauerte, fast um das Fünffache auf 62 000 Gulden, obwohl viele Arbeiten im Frondienst abgeleistet wurden. Die Kosten explodierten aus den unterschiedlichsten Gründen. Unter anderem mussten Tagelöhner eingesetzt werden, weil sich nicht genug gute Fronarbeiter finden ließen. Außerdem musste eine Ersatzbrücke gebaut werden, weil sich der Brückenbau allzu sehr in die Länge zog.

Am 26. Juli 1811 kam König Friedrich I. höchstpersönlich, um das Bauwerk in Augenschein zu nehmen, das ihn so viel Geld gekostet hatte. Er war entsetzt, als er die große Brücke über die Jagst sah. Dass das sommerlich schmale Flüsschen zu anderen Zeiten zu einem tosenden Fluss anschwellen kann, dieses Wissen fehlte dem neuen Souverän. Und so tobte der zu Jähzorn neigende König über die vermeintliche Verschwendung,

Feinschliff Ende des Jahres 1811 wurde die Gedenksäule in der Mitte der Brücke aufgestellt. An ihr wurden drei gusseiserne Platten angebracht: eine mit dem württembergischen Wappen und der Königskrone in Gold und Farbe, und zwei mit den königlichen Initialen FR (Fridericus Rex), auch mit goldener Krone und in Farbe.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im April 1945 wurden die äußersten Pfeiler gesprengt, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten. Eine mutige Hohebacherin zerhackte die Zündschnur zwar. Doch es wurde eine neue gelegt und die Sprengung durchgeführt. Drei Notbrücken mussten gebaut werden, bis eine standfest genug war, um im Juli 1947 die Einweihung der wiederhergestellten Brücke zu feiern. Innerhalb von drei Jahre wurde die Brücke bis 1999 verbreitert und saniert. Auch heute spielt sie noch eine große Rolle, weiß Ortsvorsteher Herbert Rimner. Und außerdem ist sie "zum Wahrzeichen von Hohebach geworden."

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben