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Historie: Als sich Goggenbach und Eschental für Kupferzell entschieden

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Vor 50 Jahren haben Goggenbach und Eschental dem Landkreis Schwäbisch Hall den Rücken gekehrt und sich für Kupferzell entschieden. Wie war es dazu gekommen?

Von Oliver Färber
Goggenbach, das sich 1972 für den Zusammenschluss mit Kupferzell entschied, ist landwirtschaftlich geprägt, wie auch das Dreschschuppenfest zeigt.
Foto: Archiv/Färber
Goggenbach, das sich 1972 für den Zusammenschluss mit Kupferzell entschied, ist landwirtschaftlich geprägt, wie auch das Dreschschuppenfest zeigt. Foto: Archiv/Färber  Foto: Färber

Karl Baumann war 1972 mittendrin, als es zur Kommunalreform gekommen ist. "Vorher war Goggenbach beim Kreis Hall", berichtet der 83-Jährige. Er war damals gerade zwei Jahre Mitglied des Goggenbacher Gemeinderats, als sich der heutige 150-Seelen-Ort dafür entschied, sich mit anderen vorher eigenständigen Kommunen zur Gemeinde Kupferzell zusammenzuschließen. Damit wechselte man - und auch das benachbarte vorher ebenfalls selbstständige Eschental - zum damaligen Kreis Öhringen.

Die Schulsituation als Grundlage

Dass sich die Goggenbacher damals dafür eingesetzt hätten, mit Kupferzell zu kooperieren, habe viel mit der Schulsituation zu tun gehabt. "Der Haller Landrat wollte damals, dass unsere Kinder nach Braunsbach auf die Schule sollten", weiß Baumann. Damit habe man damals den Kochertalort stärken wollen. "Wir sahen aber keine Entwicklungsmöglichkeit in und mit Braunsbach", sagt der Goggenbacher. Man habe es auch nicht als sinnvoll erachtet, hinunter ins Tal zu fahren, wo doch Kupferzell näher gewesen sei. Außerdem sei in Kupferzell erst 1967 ein neues Schulhaus errichtet worden.

Seitdem hätte der Ort vom Zusammenschluss nur profitiert. Schon damals sei die alte Scheune für die Feuerwehrgeräte beispielsweise schnell durch ein neues Domizil für die Wehrleute ersetzt worden. Und Baumann mischte weiter in der Kommunalpolitik mit. Weil der vorherige Goggenbacher Bürgermeister das Amt des Ortsvorstehers ausschlug, wurde Baumann vom ersten Ortschaftsrat als dessen Vertreter gewählt.

Der neue Hohenlohekreis entsteht

Dass der Entschluss, mit Kupferzell zusammenzugehen, allerdings damit enden würde, dass man Teil des neuen Hohenlohekreises werde, habe man zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst. Dieser wurde erst mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 gegründet. "Ich habe damals nicht gedacht, dass der Hohenlohekreis zustande kommt", gibt er zu. Er habe gedacht, dass Kupferzell mitsamt dem damaligen Kreis Öhringen Heilbronn zugeordnet würde. Es sei eben anders gekommen. "Wenn man einen rechten Landkreis gründen will, braucht man Eschental und Goggenbach", merkt er mit einem Schmunzeln an. Nicht nur mittlerweile findet er es gut, dass es so sei. "Der Hohenlohekreis hat sich ja mit seiner vielen Industrie gut gemacht", so Baumann.

Eigentlich war der Schritt für Goggenbach gen Öhringen ohnehin einer zurück zu den Wurzeln. Denn erst 1938 war man vom Oberamt Öhringen zum Oberamt Schwäbisch Hall gewechselt, nun wurde das eben revidiert. Trotzdem sei die Verbindung zum Nachbarkreis immer noch stark. Wenn ein Goggenbacher in die Klinik komme, bevorzuge er das Diak, für größere Einkäufe gehe es für die Baumanns und ihre Nachbarn eher ins Haller Handelszentrum West und die Michelfelder Kerz.

Lieber auf der Hohenloher Ebene bleiben

"Und unsere Kinder sind nach Hall ins Gymnasium gegangen", berichtet Rolf Bauer. Auch der Eschentaler ist Zeitzeuge, saß vor der Reform dort im Gemeinderat, für kurze Zeit nach der Eingemeindung auch im neuen Kupferzeller Gesamtgremium. "Das war ein Riesen-Gemeinderat. Als der verkleinert wurde, bin ich ausgeschieden", erzählt der 82-Jährige. Auch er erinnert sich daran, welche Möglichkeiten des Zusammenschlusses es im Vorfeld der Reform gegeben hatte. "Braunsbach, Untermünkheim und Kupferzell wurden angeboten. Alle wollten uns haben", sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Doch auch Eschental habe damals nicht den Weg ins Kochertal gesucht, wollte mit Kupferzell zusammengehen und auf der Hohenloher Ebene bleiben. "Man ging auch schon nach Kupferzell zum Arzt. Da war das ziemlich klar. Da gab es keine Diskussionen", weiß er noch. Obwohl auch die meisten seiner Kontakte und Bekanntschaften weiter Richtung Hall gingen und gehen. "Auch die Busverbindungen gingen früher viel mehr Richtung Hall", sagt er. Die meisten Wege führten eher in die Siederstadt als nach Künzelsau oder Öhringen.

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