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Pfedelbach

Herbizide nahe am Wohngebiet bereiten Sorge

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Nicht nur starke Geruchsbelästigung - Anwohner fürchten gesundheitliche Schäden durch Einsatz von Spritzmitteln in Pfedelbach.

Im Herbst kämpfen Landwirte mit Spritzmitteln etwa gegen den Ackerfuchsschwanz.
Foto: dpa/Patrick Pleul
Im Herbst kämpfen Landwirte mit Spritzmitteln etwa gegen den Ackerfuchsschwanz. Foto: dpa/Patrick Pleul  Foto: Patrick Pleul

Wer auf dem Land lebt, kommt mit Gerüchen aus der Landwirtschaft meist klar. Aber: "Ich merkte gleich, diese Art von Geruch kann nicht gesund sein", wendet sich eine Leserin an die Hohenloher Zeitung. Sie lebt am Pfedelbacher Ortsrand in unmittelbarer Nähe eines Felds. Ende Oktober beobachtet sie einen Landwirt beim Einsatz von Spritzmitteln. An sich nicht ungewöhnlich in dieser Jahrezeit, doch der Geruch hielt sich tagelang in der Luft.

Die Pfedelbacherin pflanzt Kräuter an, macht gerne Tee davon, aber: "Meine Pflanzen am Gartenrand werde ich wegwerfen, wer weiß, ob da nicht etwas rübergekommen ist." Sie zeigt einige verfärbte Blätter eines Baumes. Fast eine Woche, erinnert sich die 53-Jährige, habe sie weniger lüften können und ergänzt: "Entlang des Felds ist eine beliebte Hundestrecke, auch Familien mit Kindern spazieren dort gerne entlang." Schon vor ein paar Jahren hat sie sich wegen dem penetranten Geruch im Herbst ans Landwirtschaftsamt gewandt.

Landratsamt nimmt Stellung

Auf der Fläche ist angesäte Wintergerste mit einem Herbizid behandelt worden, um unerwünschte Unkräuter zu beseitigen, heißt es aus dem Landwirtschaftsamt. Das Mittel ist im Herbst in der Wintergerste zugelassen. Man habe den Tag überprüft, der wettermäßig günstig war. Der Landwirt habe zudem die gesetzlichen Auflagen eingehalten. Von einer Gesundheitsgefährdung geht das Amt nicht aus. Ansonsten hätte das Mittel keine Zulassung erhalten. Der Geruch indes stamme von einem beigemischten Lösungsmittel, damit sich die Lösung besser verteilt. In Wohngebieten sei der Geruch zu stark, daher empfiehlt das Landwirtschaftsamt in der Nähe zu Wohnbebauungen auf dieses Mittel zu verzichten.

Notwendigkeit von Spritzmitteln

Doch warum überhaupt noch spritzen, im Hinblick auf Klimadiskussionen und einer Bewegung, die nach Bio lechzt, wirft die Pfedelbacherin ein. Bio-Bauern entwurzeln oder verschütten Wildkräuter und haben eine Hacke hinten am Traktor. Grundsätzlich zu sagen, man verwende keine Spritzmittel, sei nicht so einfach, betont Helmut Bleher, Geschäftsführer beim Bauernverband. Biolandwirte würden sich eben grundsätzlich unterscheiden, sie hätten andere Fruchtfolgen, aber auch oft nur die Hälfte der Erträge. Zudem bräuchten sie wiederum mehr Kraft und Ressourcen. Sei es besser, 120 Liter Diesel zu verfahren als zu spritzen?, fragt er. Grundsätzlich ist Bleher für mehr Aufklärung und Gespräche, denn das Thema Spritzmittel sei in der letzten Zeit emotional diskutiert worden.

Bio gegen konventionell

Gerd Schonder aus Schöntal kennt beide Seiten. Den Großteil seines Betriebs betreibt er konventionell, einen Teil biologisch. Grundsätzlich kann er die Anwohnerin aus Pfedelbach verstehen. Das Pflanzenschutzmittel Malibu sei bekannt dafür, geruchsintensiv zu sein, was an den Lösungmitteln, nicht am Wirkstoff liege. Obgleich der dortige Landwirt sich rechtlich auf der sicheren Seite bewege, sei natürlich etwas mehr Rücksicht und Sensibilität angebracht. "Man muss einfach von beiden Seiten reden und aufeinander zugehen", ergänzt der 47-Jährige. So könnte man auch den Konflikt um eventuellen Sprühnebel aus dem Weg räumen. Wenn der Landwirt sich an die Vorschriften hält, brauche man keine Sorge haben, dass etwas in den eigenen Garten kommt. Laut Vorschriften müssen drei Meter Abstand zu Wohnbebauungen oder Spielplätzen eingehalten werden. Ob bio oder konventionell, das werde sich vielleicht aufheben. "Meine Idealvorstellung", überlegt er, "wäre in Zukunft ein Mittelweg zwischen beidem." Bio werde manchmal verherrlicht, auf der anderen Seite hätte die konventionelle Säule zum Beispiel im Hinblick auf Insektizide übertrieben.

In Sachen Spritzmitteln in der Nähe von Wohnbebauungen gab es in der Vergangenheit einen ähnlichen Fall, berichtet das Landwirtschaftsamt. Wer von sogenannten Abdriftfällen, also Mitteln in der Nähe, betroffen ist, findet Hilfe bei Behörden. Bei Veranstaltungen und über einen Informationsservice werden die Landwirte gebeten, in der Nähe zu Bebauungen auf dieses Mittel zu verzichten. Auch der Landwirt in Pfedelbach will den Emulgator künftig nicht mehr beimischen.

 

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