Heizen oder Weizen?
Agrartagung der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu erneuerbaren Energien

Strom vom Scheunendach, Wärme aus dem Güllesilo, Sprit vom Acker: Erneuerbare Energien sind ein Wachstumsmarkt für viele Landwirte. Dank zum Teil großzügiger Förderung durch den Steuerzahler - festgeschrieben im Erneuerbare-Energien-Gesetz - werden immer mehr Landwirte zu Energiewirten.
Allein die landwirtschaftlichen Maschinenringe in Baden-Württemberg haben in den vergangenen vier Jahren mehr als 1000 Photovoltaikanlagen an den (Land-)Mann gebracht, den größten Teil davon im Raum Hohenlohe. Wind, Wasser, Rapsöl, Biogas, Holz und andere Biomasse sind weitere natürliche Energiequellen. Grund genug für den württembergischen Genossenschaftsverband, die erneuerbaren Energien zum Thema seiner Agrartagungen am Dienstag in Laupheim und gestern in Neuenstein zu machen.
Landwirt und Energiewirt sind für Verbandspräsident Erwin Kuhn keine Alternativen, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Der Genossenschaftsbänker argumentiert ökonomisch: „Man steht auf zwei Beinen besser als auf einem.“ Den Landwirten rät er, sich nicht auf Fördergelder zu verlassen: „Wenn Sie investieren, kalkulieren Sie ohne Subventionen.“
Die Landespolitiker sind in dieser Frage geteilter Meinung. Während Agrarpolitiker von SPD und Grünen gestern in Neuenstein finanzielle Unterstützung des Landes für erneuerbare Energien forderten, lehnten die Vertreter der Regierungsparteien CDU und FDP solche Förderprogramme rundweg ab.
Weitgehende Einigkeit herrschte bei allen Referenten und Gesprächsteilnehmern über das Ziel, die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen Öl, Gas und Kohle zu verringern und damit zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Eine nachhaltige Energiewende ist machbar“, zeigte sich ZDF-Umweltredakteur Joachim Mahrholdt überzeugt.
Das Zeitfenster sei nicht groß, in dem die Landwirte in die dezentrale Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen einsteigen könnten, sagte Mahrholdt. Seine Begründung: „Die großen Konzerne schlafen nicht.“ Er riet den Bauern zu einem „Energiemix vom Acker“ und warnte vor einer „Energiemonokultur“.
„Vernetzung ist das, was Sie bei Ihrer Entscheidung brauchen“, sagte Mahrholdt. Die Bauern sollten das Gespräch mit Politikern, Naturschützern und Banken suchen und auch die Öffentlichkeit aktiv einbeziehen: „Die Sympathie der Bevölkerung für regenerative Energie ist ein ganz wichtiges Kapital.“
Wie ein vernetztes Modell funktioniert, schilderte Bene Müller von der Solarcomplex GmbH in Singen. Zwischen Bodensee und Schwarzwald entsteht das Bioenergiedorf Mauenheim, wo Landwirte den Strom- und Wärmebedarf für den ganzen Ort decken und noch Strom nach draußen verkaufen. Nach konventioneller Heizart wären in den kommenden zwei Jahrzehnten rund sechs Millionen Euro für Heizöl aus dem Ort abgeflossen. Dieses Geld bleibe nun in der Gemeinde, so Bene Müller: „Unser zentrales Unternehmensziel ist die regionale Wertschöpfung.“ Kommentar „Bleib’ da, Geld!“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare