Hebammen rufen Ambulanz in Öhringen ins Leben
Ab 3. Mai gibt es in Öhringen eine Hebammen-Ambulanz. Der Kreisdiakonieverband stellt Praxisräume in der Unteren Torstraße 12 kostenlos zur Verfügung.

Fröhlich schäkert Lisa Rudolph mit ihrem Töchterchen Nora herum. Vor acht Monaten kam das Mädchen zur Welt. In der Zeit nach der Geburt wurde Lisa Rudolph von einer Hebamme zu Hause betreut. Es sei nicht einfach gewesen, diese Hebamme zu finden, erinnert sich die junge Mutter. Die 27-jährige, die zu der Zeit noch im Raum Heilbronn wohnte, kontaktierte während ihrer Schwangerschaft Dutzende Hebammen, bis endlich eine zusagte, die Wöchnerin zu Hause zu betreuen.
Glück gehabt
Lisa Rudolph hatte Glück. Ein Drittel der Frauen, so schätzt die Öhringer Hebamme Rita Müller, müssen nach der Entbindung ohne "aufsuchende Wochenbettbetreuung" klar kommen. Für diese Frauen gibt es jetzt Hilfe. Fünf Hebammen eröffnen am Freitag, 3. Mai, in Öhringen gemeinsam die Hebammen-Ambulanz "Starthilfe". An zwei Vormittagen in der Woche sind die Hebammen Rosemarie Benner, Brigitte Duffner, Sabine Frank, Rita Müller und Claudia Rosen dann in einem Praxisraum in der Unteren Torstraße für die Wöchnerinnen da.
Ohne Anmeldung
Ohne Anmeldung können die Mütter mit ihren Babys in die offene Sprechstunde kommen. Sie können von Problemen berichten und haben auch die Möglichkeit, mit den Fachfrauen über eventuelle Wundprobleme oder das Stillen zu sprechen. Die Hebammen machen sich auch ein Bild von der Kindsentwicklung und wiegen das Baby. Mutter und Kind werden auf Wunsch auch untersucht. Alles, was Hebammen auch bei einem Hausbesuch machen würden bis auf das Baden des Babys, könne auf Wunsch auch im Praxisraum gemacht werden.
Initiiert wurde die Hebammen-Ambulanz von Rita Müller und Brigitte Duffner. Den beiden ließ die Not der Frauen keine Ruhe. Zu oft, so berichten die freiberuflichen Hebammen in der Runde, müssten sie nämlich Schwangere abweisen, weil der eigene Dienstkalender schon voll sei. Vier der fünf Hebammen, die mitmachen, nehmen für 2019 schon keine Mütter mehr an.
Schlechte Bezahlung bei einem hohen beruflichen Engagement, manchmal arbeite man auch an den Wochenenden, das mache den Beruf der Hebamme beim Ausbildungsnachwuchs nicht gerade attraktiv, erzählen die fünf Frauen. Deshalb scheiden viele junge Hebammen aus ihrem Beruf auch bald wieder aus. Auf der Strecke bleiben dabei die Wöchnerinnen. Die Öhringer Hebammen-Ambulanz könnte hier nun für Entspannung sorgen.
Geänderte Gebührenordnung

Eine Änderung in der Hebammen-Gebührenordnung gestattet seit geraumer Zeit die ambulante Wöchnerinnenversorgung. Das bedeutet, dass nicht nur ein Hausbesuch, sondern auch eine ambulante Versorgung bei den Krankenkassen abgerechnet werden kann. Diese Änderung machte den Weg frei für die Öhringer Ambulanz. Letztlich realisiert werden konnte sie, weil der Kreisdiakonieverband Hohenlohekreis die Hebammen unterstützt: Die Diakonie stellt die neuen Praxisräume mit Sanitärräumen und Wartebereich kostenlos zur Verfügung.
Sozialpädagogin Christa Panni und Elisabeth Ernst, Diakonie-Kreisgeschäftsführerin, freuen sich über die neue Hebammen-Ambulanz. "Das passt doch auch sehr gut zur Schwangeren-Beratung der Diakonie", sind sich beide einig. Elisabeth Ernst hat darüber hinaus auch die Hoffnung, dass das niederschwellige Angebot auch von Wöchnerinnen unter den Flüchtlingsfrauen angenommen wird.
Mittwochs und freitags
"Starthilfe" lautet der Name der neuen Hebammen-Ambulanz, die am Freitag, 3. Mai , zum ersten Mal geöffnet hat. Sprechstunden für Wöchnerinnen ohne Hebammenbetreuung sind immer mittwochs und freitags zwischen 10 und 12 Uhr im Gebäude Untere Torstraße 12 in Öhringen. Die Wöchnerinnen können ohne vorherige Anmeldung in die Ambulanz kommen. Sie sollten ihre Versichertenkarte, Mutterpass, Kindervorsorgeheft, ein Handtuch und eine Windel mitbringen. Die Leistungen der Hebammen sind wie bei Hausbesuchen kostenlos, sie werden von den Krankenkassen übernommen. Die Hebammen-Ambulanz wird unterstützt durch den Kreisdiakonieverband, der die Räume kostenlos zur Verfügung stellt.
Das Inventar wurde finanziert durch 3000 Euro, die von der Leseraktion der Heilbronner Stimme "Menschen in Not" kamen, und durch eine 1000-Euro-Spende der Öhringer Firma WEMA. Kontakt zur Hebammen-Ambulanz ist möglich über Brigitte Duffner, Telefon 07942 941694 (Sprechzeiten Montag bis Freitag von 8 bis 9 Uhr), und per E-Mail über rita@mueller-hebamme.de.
Stimme.de
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