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Hagelflieger steht heißes Wochenende bevor

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Waiblingen/Schwäbisch Hall - Die Hagelabwehrflieger bereiten sich auf ein heißes Wochenende vor. Ab Samstagabend sind Unwetter vorhergesagt. Die Piloten fliegen dann in die Wolken und versprühen eine Silberjodid-Lösung.

Der Pilot Frank Kasparek (links) steht zusammen mit seinem Mitarbeiter Peter Greinhöfer auf dem Flughafen in Stuttgart neben einem Hagelflieger. Er fliegt im Auftrag bei drohenden Hagelwetterlagen, um eine chemsiche Lösung in Hagelwolken zu sprühen. Damit soll eine Bildung von großen Hagelkörnern verhindert werden. Foto: Archiv/Erlekomm, Landratsamt Rems-Murr-Kreis
Der Pilot Frank Kasparek (l) zusammen mit seinem Mitarbeiter Peter Greinhöfer (r) neben einem Hagelflieger. Foto: Claudia Erlekomm/Landratsamt Rems-Murr-Kreis 

 

 

Waiblingen/Schwäbisch Hall - Die Hagelabwehrflieger bereiten sich in Baden-Württemberg auf ein heißes Wochenende vor: „Ab Samstagnachmittag wird es spannend, für den Abend sind Quellwolken und Unwetter vorhergesagt“, sagte Harald Knitter vom Landratsamt Rems-Murr-Kreis am Donnerstag in Waiblingen.

Die Piloten fliegen in Hagelwolken und versprühen dort ein Lösung, die die Eisklumpen verkleinern soll. Diese kleinen Hagelkörner können dann kaum noch Schäden anrichten. Der Kreis betreibt gemeinsam mit etwa 130 Kooperationspartnern wie Weinbauern, Landwirten sowie Unternehmen die beiden Hagelflieger.

Skepsis

Pro Jahr kostet ein solches Flugzeug 125.000 Euro, darin sind auch die Kosten für das Radarsystem und den Datenservice durch den Wetterdienst enthalten. Während Skeptiker an der Wirkung der Hagelflieger zweifeln, sind die Befürworter davon überzeugt, dass mit dem sogenannten Impfen der Wolken mit einer Silberjodid-Lösung größere Schäden durch übergroße Hagelkörner vermieden werden können.

„Gerade das vergangene Wochenende ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut diese Abwehr funktioniert“, sagte Knitter.

Ein Teil der Wetterfront in Richtung Schwäbisch Hall sei mit der Lösung „geimpft“ worden, die andere Wolke über Kirchheim und Reutlingen dagegen nicht, weil sie nicht im ausgewiesenen Schutzgebiet liegt. „In Schwäbisch Hall haben wir die Wolke zum Abregnen gebracht und größere Schäden verhindert, in der nicht geimpften Region ist bekanntlich einiges passiert“, so Knitter.

Seit 1981 ist der Rems-Murr-Kreis Betreiber eines Hagelfliegers, seit 2007 gehört ein zweites Flugzeug zur Flotte. Im Schutzgebiet liegen neben dem Rems-Murr-Kreis die Stadtgebiete Esslingen und Stuttgart sowie das Bottwartal bis Beilstein und Besigheim. Auch der Schwarzwald-Baar-Kreis und Tuttlingen verfügt über ein solches Flugzeug. Es wird durch einen Verein finanziert, dem etwa 2800 Mitglieder angehören. 

Hintergrund: Hagel 

 

Erklärgrafik zur Entstehung von Hagel in einer Gewitterwolke; Querformat 135 x 95 mm; Grafik: J. Reschke, Redaktion: S. Tanke

 

Hagel entsteht laut Deutschem Wetterdienst, wenn in Gewitterwolken heftige Aufwinde kleine Wassertröpfchen nach oben wirbeln. Dort gefrieren sie zu Eis, fallen und steigen wieder auf. Je größer die Gewitterwolke und je stärker die Aufwinde, desto häufiger wiederholt sich dieser Vorgang, bis die Eisklumpen schließlich so groß sind, dass sie der Aufwind nicht mehr trägt und sie zu Boden fallen. Hagelkörner können zu gefährlichen Geschossen werden. Normalerweise haben sie einen Durchmesser von fünf bis zehn Millimetern, in Extremfällen sind sie mehr als zehn Zentimeter groß.

Unwetterschäden

Das Unwetter vom vergangenen Wochenende wird für die Versicherer viel teurer als zunächst erwartet. Nach neuesten Schätzungen liegt der Schaden bei beinahe 600 Millionen Euro.

So rechnet die SV Sparkassenversicherung (SV) mittlerweile mit insgesamt 60.000 Gebäudeschäden und einem Schadenaufwand von 260 Millionen Euro gerechnet, berichtete das Unternehmen am Freitag in Stuttgart. Die Allianz schätzt die Belastungen auf rund 200 Millionen Euro. Die WGV-Versicherung geht von Schäden von mindestens 100 Millionen Euro aus, wie Vorstandsmitglied Achim Schweizer berichtete. Die Württembergische Versicherung AG, Tochter des Finanzkonzerns W&W erwartet ein Schadensvolumen von über 30 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

Weitere Aussichten: heiß

Derweil steht die Region vor einem weiteren heißen Wochenende. Die Temperaturen können am Freitag bis auf 36 Grad klettern. Für den Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie den Hohenlohekreis gab der Deutsche Wetterdienst am Vormittag eine Hitzewarnung heraus. Sie gilt von heute 11 Uhr bis Samstag 19 Uhr. Auf außergewöhnliche körperliche Belastungen im Freien sollte dann verzichtet werden, hieß es.

Am Samstag und Sonntag soll es dann ein paar Grade weniger warm werden, dazu kommt dann allerdings die Schwüle. lsw/aha

 

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