Grüner Teppich im Starkholzbacher See sorgt für Unmut
Im Starkholzbacher See bei Schwäbisch Hall wuchern derzeit Unterwasserpflanzen und Algen. Das gefällt weder Badegästen noch Anglern. Was sagt die Stadt dazu? Und ist die Wasserqualität beeinträchtigt?

In den vergangenen Wochen hat das Unterwasserpflanzen-Wachstum am Starkholzbacher See rasant zugenommen. Das Hornkraut ist regelrecht in die Höhe geschossen. Zuletzt haben sich an der Wasseroberfläche des Sees beim Haller Stadtteil Bibersfeld auch immer mehr Algenteppiche gebildet.
Ist ein Mähboot die Lösung?
Christoph Bärtle aus Fichtenberg jedenfalls ist vor ein paar Tagen bei einer E -Bike-Tour die Lust auf eine kurze Abkühlung vergangen: "Mich haben die großen Algenteppiche abgeschreckt", betont er. Auch bei Renate Leitz aus Schwäbisch Hall sind die Badefreuden seit ein paar Wochen gedämpft.
"Ich empfinde es als unangenehm, durch diese Algenteppiche schwimmen zu müssen und die Unterwasserpflanzen am Bauch und den Beinen zu spüren. Warum handelt die Stadtverwaltung nicht und setzt mal wieder ein Mähboot ein", fragt sich die passionierte Freizeitschwimmern.
Elisabeth und Thomas Jungbluth, die Pächter der Gipsmühle, haben ebenfalls schon mehrere Beschwerden von Badegästen mitbekommen. "Meist werden die Unterwasserpflanzen als deutlich lästiger empfunden als der Algenbelag. Die Frage nach dem Mähboot wird häufig gestellt. Es wird auch oft gesagt, dass die Stadt den See vernachlässigt - und Angler haben sich ebenfalls schon beklagt", sagt Thomas Jungbluth.
Allerdings seien Algenteppiche und wuchernde Unterwasserpflanzen im Sommer normal. "Es ist ein natürlicher Vorgang und vorübergehend. Will man die Attraktivität erhalten, so müsste wahrscheinlich schon mal gemäht werden", ergänzt seine Frau Elisabeth.
Gehört zum Ökosystem des Sees
Jan Müller vom Vorstand des Fördervereins Starkholzbacher See bestätigt, dass Algen und wucherndes Seegras in den Sommermonaten immer wieder Gesprächsthema bei einigen Badegästen sind. "Es ist immer eine momentane Situation, die nicht schön ist, aber sie gehört zum ökologischen System des Sees dazu - und die Natur wird das Problem von alleine regeln. Die Beschwerden halten sich meiner Meinung nach aber in Grenzen, so dass ich keinen Handlungsbedarf sehe", bekräftigt Müller.
Die Stadtverwaltung sieht wegen der Algenteppiche derzeit keinen Anlass, aktiv zu werden. "Gegen die Algen kann das Mähboot nichts ausrichten, da mit dem Boot keine Algen abgesammelt werden können", sagt Pia Reiser von der städtischen Pressestelle. "Die Stadtverwaltung wird aber prüfen, wie hoch das Seegras im Starkholzbacher See gewachsen ist und ob ein Einsatz des Mähboots nötig ist", bestätigt Reiser.
Kein Gesundheitsrisiko
Die Wasserqualität des Sees wird in Stichproben regelmäßig durch das Gesundheitsamt geprüft. Bei den Wasserproben vom 12. Juli und 9. August gab es aber nichts zu beanstanden, wie Larissa Amend von der Pressestelle im Haller Landratsamt betont: "Die beiden Wasserproben entsprachen der EU-Badegewässerverordnung und waren unauffällig. Der normale Algenbewuchs stellt kein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar." Die meisten Algen seien mit Ausnahme der Blaualge sogar nützlich, da sie überschüssige Nährstoffe verbrauchen und Sauerstoff produzieren. "Unterwasserpflanzen stellen ebenfalls keine gesundheitliche Gefährdung dar", so Amend.
Beim Fischzuchtverein Schwäbisch Hall wird die Algen- und Unterwasserpflanzen-Thematik nicht erst seit gestern thematisiert, wie Stephan Pfitzer klarstellt. Der zweite Vereinsvorsitzende hat bis 2019 gelegentlich gerne auch selbst ein Bad im "Starki" genommen: "Man kann es aber riechen, der Sauerstoffgehalt im Wasser geht zurück, die absterbenden und auf den Grund sinkenden Rückstände der Algen vermodern und bilden Faulschlamm am Grund."
Schieflage in der Gewässerzusammensetzung
Ein so explosionsartiges Ausbreiten von Algen sowie Unterwasserpflanzen deute auf eine Schieflage in der Gewässerzusammensetzung hin. "Wir sind der Auffassung, dass es sich hierbei um eine Übersättigung mit Nährstoffen beziehungsweise Nitrat handelt", so Pfitzer.
Als der See vor rund zehn Jahren abgelassen und zusammen mit der Stadt Schwäbisch Hall saniert wurde, sei - so die Meinung des Fischzuchtvereins - leider fahrlässig darauf verzichtet worden, ein Vorfluterbecken einzurichten. "Hier hätten sich Sedimente und andere Rückstände ablagern können, bevor sie in den See gelangen", meint Pfitzer.
Naherholungsgebiet
Der Starkholzbacher See ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Umso wichtiger wäre daher ein guter Zustand des Sees, um dem Freizeitaspekt und auch dem Biotop-Charakter dauerhaft Rechnung tragen zu können. Der See ist immer mal wiederGegenstand der Debatte im örtlichen Gemeinderat, wie
Pia Reiser von der Pressestelle der Stadt bekräftigt: "Der Badesteg wird voraussichtlich noch einmal Thema in der kommenden Bau- und Planungsausschusssitzung nach den Ferien." Der Haller Fischzuchtverein fordert ein noch größeres Engagement aller Beteiligten ein, um die Gewässerökologie stabil zu halten.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare