Glaubensbotschaft in Versmaß

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Jürgen Walter analysiert Luthers Lieder und das Vokalensemble interpretiert sie

Von Andreas Scholz

Gut 80 Zuhörer finden sich auf Schloss Laibach ein, als Dekan Dr. Friedemann Richert vom Evangelischen Kirchenbezirk Künzelsau und Gastgeberin Susanne Eben von Racknitz den Vortragsabend mit Musik eröffnen, bei dem Martin Luther im Mittelpunkt steht.

Dr. Jürgen Walter spricht über Martin Luther als Liederdichter. Passend dazu untermalt ein Vokalensemble unter der Leitung von Bezirkskantor Thorsten Hülsemann den Vortrag des ehemaligen Literaturprofessors der Universität Tübingen mit musikalischen Passagen aus Luthers Liedern. Knapp 40 stammen aus seiner Feder. Die meisten davon finden sich in Evangelischen Gesangsbüchern wieder.

"Rund ein Dutzend Werke von Luther haben es auch in die katholischen Gesangsbücher geschafft", erklärt Jürgen Walter den Zuhörern im historischen Saal. Erst im Alter von 40 Jahren wird Martin Luther zum Liederdichter. "Sein erstes Lied dichtete er, als zwei seiner Ordensbrüder in Brüssel als Ketzer verbrannt wurden" ergänzt Walter.

Der belesene Gastredner analysiert im Laufe des Abends anhand ausgesuchter Stücke den inhaltlichen und sprachlichen Aufbau von Luthers Kompositionen. "Viele Lieder von ihm waren zweckdienlich und die ästhetische Form spielte dabei oft eine untergeordnete Rolle. Komplexe Reimschemata finden sich eher selten. "In Luthers Liederdichtungen überwiegt das holprige Versmaß", so Walter.

Gebrauchstexte Die "Gebrauchstexte" in Liedform hätten Luthers reformatorische Ansätze auf Dauer wirkungsvoller als jedes Flugblatt verbreitet, so der Literaturwissenschaftler. Dabei kupfert de Reformator auch aus der Bibel ab und bearbeitet gern Psalmen. Die Menschen sollten schnell mitsingen können, erklärt Walter und betont: "Spottlieder, Kampflieder, Festliches und auch kachetische Elemente finden sich in Luthers Liedern wieder.".

Für den Literaturexperten bleibt Martin Luther bis heute ein Kirchenlied-Dichter, der die Menschen mit emotionalen Botschaften erreicht. "Mir fällt nur Paul Gerhardt ein, der mit seinen emotionalen Kirchenliedern einen ähnlichen Wirkungsgrad erzielt", meint Walter. Paul Gerhardt, der in der Zeit de s30-jährigen Krieges lebte, war evangelischer Theologe und als Kirchendichter von Luthers Liedern direkt inspiriert.

Besinnlich Ein packendes Beispiel für Luthers eingängige Glaubensbotschaften und -bekenntnisse präsentiert den Zuhörern zwischendurch das Vokalensemble um den Künzelsauer Bezirkskantor Thorsten Hülsemann beim Lied "Wir glauben all an einen Gott". Der Bass von Klaus Faika aus Öhringen, die Sopranstimme von Ines Egloff aus Öhringen und die Altstimme von Pfarrerin Gudrun Ederer aus Künzelsau verdichten die besinnliche Atmosphäre im Saal.

Einen festlichen Hintergrund besitzt das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her." Es ist wohl seine bekannteste Liedschöpfung, die das Vokalensemble hingebungsvoll intoniert. Nicht nur an Weihnachten, sondern auch an Ostern werden Luther-Lieder gesungen. Mit "Christ lag in Todesbanden" schrieb der Reformator ein prägnantes Osterlied, das bis heute nichts an Kraft verloren hat. Nach knapp eineinhalb Stunden endet der Abend mit Luthers Pfingstlied "Komm, Heiliger Geist, Herre Gott". Er übersetzte damit die lateinische Gesangsvorlage "Veni Sancte Spiritus, reple tuorum corda fidelium" ins Deutsche. "Das Werk inspirierte später auch Johann Sebastian Bach", weiß Jürgen Walter.

Das Vokalensemble − Thorsten Hülsemann, Klaus Faika, Gudrun Ederer und Ines Egloff (v.l.) − bringen Luthers Lieder auf Schloss Laibach zum Klingen.
Das Vokalensemble − Thorsten Hülsemann, Klaus Faika, Gudrun Ederer und Ines Egloff (v.l.) − bringen Luthers Lieder auf Schloss Laibach zum Klingen.
Mit Jürgen Walter referierte ein Experte über Luthers Lieder. Fotos: Scholz
Mit Jürgen Walter referierte ein Experte über Luthers Lieder. Fotos: Scholz
Das Vokalensemble − Thorsten Hülsemann, Klaus Faika, Gudrun Ederer und Ines Egloff (v.l.) − bringen Luthers Lieder auf Schloss Laibach zum Klingen.
Das Vokalensemble − Thorsten Hülsemann, Klaus Faika, Gudrun Ederer und Ines Egloff (v.l.) − bringen Luthers Lieder auf Schloss Laibach zum Klingen.
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