GEW-Aktion in Hohenlohe: Lehrer setzen Notruf ab
Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert 21 Maßnahmen zur Entlastung an Schulen, wie mehr Studienplätze und multiprofessionelle Teams. Mit einer Aktion in Hohenlohe macht sie darauf aufmerksam.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat eine signalrote Notrufsäule dabei. Eine völlig überlastete, an Krücken gehende Lehrkraft drückt den Knopf. Die Not an Schulen, erklärt Jana Kolberg, Vorsitzende der GEW Hohenlohe-Main-Tauber, wird von Jahr zu Jahr größer.
Not an Schulen: Leitungspositionen nicht besetzt
Die Forderung der GEW an die Landesregierung lautet deshalb: Lehrkräfte brauchen Fachkräfte für IT-Support, kleinere Lerngruppen, mehr ausgebildete Lehrkräfte, mehr Zeit, Psychologen und Therapeuten an Schulen, multiprofessionelle Teams, Schulverwaltungsassistenzen. Schulleiterin Ruth Zacher hakt ein: An vielen Schulen können Leitungspositionen nicht besetzt werden, da zu viel zusätzlicher Zeitaufwand bei der Schulleitung bleibt. Egal wer oder was ausfällt: "Die Schulleitung muss es richten."
IT-Fachkräfte an Schulen dringend nötig
Alle Lehrkräfte wissen: Während Corona wurden viele mobile Endgeräte angeschafft. Mussten früher mit zwei Wochenstunden 20 Tablets gewartet werden, sind es heute oft um die 500 Geräte. "Und wenn dann das WLAN ausfällt oder das Whiteboard nicht funktioniert, wird der Kollege aus seinem Unterricht geholt", schildert Ruth Zacher Schulalltag. Gäbe es Fachleute für IT und Verwaltungstätigkeiten, könnten sich Lehrer und Schulleitungen auf ihre Kernaufgabe konzentrieren.
Denn noch immer seien Pädagogen mit Schülern konfrontiert, die unter Pandemie-Folgen leiden. Das zeige sich in vielfältiger Weise: "Nach langer Zeit im Homeschooling gibt es Schüler, die haben Angst, mit ihrer Klasse konfrontiert zu werden, die fürchten erst Recht die Menge der Menschen auf dem Schulhof", beschreibt Ruth Zacher Situationen, die die Pädagogen fordern.
Not an Schulen: Qualifizierung der Quereinsteiger
"Die Überlastung ist extrem", berichtet Martin Hettler, GEW-Bezirksvorsitzender, und fordert mehr ausgebildete Lehrkräfte und die Anerkennung gleichwertiger Berufsabschlüsse aus dem Ausland. Quereinsteiger müssten qualifiziert werden und eine Perspektive und gerechte Bezahlung erhalten, nennt Gabriele Brenner einen weiteren wichtigen Punkt. Denn es fehlen mindestens 16 000 Lehrkräfte im Land bis 2035.
Unbesetzte Stellen an Schulen ein Problem
Die GEW im Kreis Heilbronn treibt vor allem die Situation an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) um, sagt GEW-Kreissprecher Harald Schröder. Als "sehr schlecht" bezeichnet er die Personallage an den SBBZ. Dort seien nur 50 bis 60 Prozent der Stellen besetzt, und selbst das nicht immer mit voll ausgebildeten Lehrern.
Der Unterricht sei reduziert worden. "Die schlechte Versorgung mit Lehrern hat Auswirkungen auf die Schüler, die nicht richtig gefördert werden, und das belastet die Kollegen." Ebenfalls angespannt ist laut Harald Schröder die Lage an den Grundschulen, die zudem noch Ganztagsangebote stemmen müssten.
Dass Kollegen fehlen, schlage auf die Stimmung. Kollegen seien angespannt und gefrustet, es komme vermehrt zu Konflikten, sagt Harald Schröder. Positiv sei: "Die Schulen laufen immer noch."
Studie offenbart Not an Schulen
Immer mehr Kinder im Autismus-Spektrum und mit psychischen und chronischen Erkrankungen, fehlendes Fachpersonal in der Lehre und Pflege sowie eine zunehmende Bürokratisierung belasten die Arbeit und Beschulung am Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ). Das besagt eine Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung Baden-Württemberg, für die 450 Sonderpädagogen befragt wurden. Präsentiert werden die Daten diesen Freitag.
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