Gemü feiert neues Werk im Gewerbepark Hohenlohe
Der Ingelfinger Ventilhersteller nimmt ein modernes Oberflächentechnologiezentrum in Betrieb, die nächsten Erweiterungsschritte sind schon geplant.

Gemü wächst. Beim Umsatz ist dieses Jahr mit einem Plus von zehn Prozent der Sprung über die Marke von 300 Millionen Euro geplant. Die Mitarbeiterzahl wächst - alleine in Hohenlohe beschäftigt der Ventilhersteller mittlerweile mehr als 1000 Mitarbeiter, 70 bis 80 weitere sollen dieses Jahr hinzukommen, sagt Produktionschef Matthias Fick.
16 Millionen Euro investiert
Gemü wächst auch im Gewerbepark Hohenlohe: Gestern hat die Firma dort den nächsten Bauabschnitt in Betrieb genommen - knapp 16 Millionen Euro hat das Familienunternehmen investiert. Das alles wären Gründe genug für ein Fest. Der rote Teppich und die jazzigen Klänge galten aber insbesondere dem Einstieg in eine neue Technologie, den das Kochertäler Unternehmen mit dem 4500 Quadratmeter großen Oberflächentechnologiezentrum auf der Höhe direkt an der Autobahn beschreitet.
Ziel: Oberflächen so glatt wie möglich machen
Künftig wird Gemü seine Edelstahlarmaturen, die vor allem in Ventilen für die Pharma- und Biotechnologiebranche zum Einsatz kommen, selbst elektropolieren. Bei diesem Prozess werden die Oberflächen so glatt gemacht, dass sich dort auch nicht die geringsten Schmutzreste festsetzen können, die dann zum Beispiel Arzneimittel verunreinigen würden.
Gold wert für Gemü
Ein bisschen Bammel haben Geschäftsführer Gert Müller und sein Produktionschef Matthias Fick schon angesichts der neuen Technologie. "Bisher haben wir mit Galvanik nichts zu tun gehabt", erklärt Fick. 200 000 Teile pro Jahr, die bisher bei externen Lieferanten elektropoliert wurden, sollen künftig über die eigene Anlage laufen. "Wir vergolden da nicht, wir entgolden", erklärt Gert Müller das Prinzip: Bei dem Verfahren wird kein Material per Elektrolyse auf den Edelstahl aufgebracht, es wird die oberste Schicht Atom für Atom abgetragen, wodurch edelste Oberflächen entstehen. Die aber sind Gold wert für das Unternehmen.
Mit diesen Spezialventilen verdient Gemü nämlich bestes Geld. Nicht umsonst bezeichnen Müller und Fick das Thema als Schlüsseltechnologie, das neue Verfahren soll Teil der Gemü-DNA werden. Nur gut zu sein, reiche nicht mehr aus. "Gerade in schwierigen Aufgaben liegt das Potenzial für uns."
Umweltschutz optimiert

Noch besser soll jetzt alles werden - alleine die große Anlage zur galvanischen Oberflächenbehandlung hat sich das Unternehmen jetzt etwa drei Millionen Euro kosten lassen. Viel Ingenieursgeist und Geld hat Gemü auch in den Umweltschutz investiert: Durch die integrierte Wasseraufbereitung landet nichts in der Kläranlage, ein Gutteil des Stroms stammt von der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach. Darauf ist Geschäftsführer Gert Müller genauso stolz wie auf das gute Miteinander in seiner Führungsmannschaft.
Gute Arbeitsbedingungen bieten
In der neuen Anlage werden alle Dämpfe so eingefangen, dass sie gar nicht erst aus der Luft herausgefiltert werden müssen. Auch in der ebenfalls neu gebauten Schleiferei wird der Feinstaub so abgesaugt, dass die Mitarbeiter keine Probleme bekommen. Und schließlich sorgen große Fenster dafür, dass die Beschäftigten bei Tageslicht arbeiten können. "Es ist ein Anliegen der Geschäftsleitung, auch den gewerblichen Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen zu bieten", betont Produktionschef Matthias Fick.
Jedes Jahr soll gebaut werden
Der Neubau ist fertig, die nächsten Pläne liegen aber schon in der Schublade. "Wir werden in den kommenden Jahren jedes Jahr bauen", kündigt Gert Müller an. Nur so kann das Unternehmen sein geplantes Wachstum umsetzen. Auch Verwaltungsarbeitsplätze sollen aus dem Tal auf die Höhe wandern. Gert und sein Cousin Stephan Müller betonen allerdings, dass der angestammte Sitz in Ingelfingen-Criesbach keineswegs aufgegeben werden soll. "Dort haben wir jetzt wieder Platz", sagt Stephan Müller, der bei Gemü die Finanzen verantwortet. Platz für neue Ideen.
Stimme.de
Kommentare