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Gegenwind am Limes

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In Gleichen gründet sich Bürgerinitiative gegen Windkraftpläne im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald

Von unserer Redakteurin Bettina Hachenberg
Abstimmung bei den Vorstandswahlen: Die Gründungsmitglieder recken die Arme mit den grünen Stimmkärtchen in die Höhe.Fotos: Bettina Hachenberg
Abstimmung bei den Vorstandswahlen: Die Gründungsmitglieder recken die Arme mit den grünen Stimmkärtchen in die Höhe.Fotos: Bettina Hachenberg

Sie sind keine Gegner von Windkraft, wissen, dass diese für die Energiewende unabdingbar ist. Aber sie wenden sich gegen Windräder, die der Investor Abo-Wind auf der Hohen Ebene rund 900 Meter südlich von Gleichen im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald plant. Mit 750 Meter noch deutlich näher liegen der Bretzfelder Teilort Brettach sowie Neuwirtshaus und Schönhardt im Landkreis Schwäbisch Hall.

Sorgen Am Freitagabend gründeten Angrenzer aus Gleichen und den Nachbarorten, aber auch einige Bürger aus Pfedelbach und Öhringen im Dorfgemeinschaftshaus Gleichen eine Bürgerinitiative (BI), der sie den Namen Gegenwind am Limes gaben. Die 52 Gründungsmitglieder eint die Sorge um die Gesundheit von Mensch und Tier durch Lärmbelästigung und Infraschall, wenn Windkraftanlagen zu dicht an Wohnhäuser rücken. Sie fürchten um Fauna und Flora im Naturpark. Sie sehen eine beliebte Naherholungsgegend beeinträchtigt. Und sie fragen sich, ob Windräder, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Limes stehen, dessen Titel als Unesco-Weltkulturerbe in einem Teilbereich gefährden könnten. Wenn es um die Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft (VWG) Öhringen − Pfedelbach − Zweiflingen geht, wollen sie mitwirken können.

Bevor sie ihren Vorstand wählten (siehe unten) und die Satzung der BI beschlossen, hatte Christian Wrubel vorgestellt, was die Gleichener bei einem Windpark mitten im Wald erwarten würde, nämlich "ein Industriegebiet mit riesigen Großmaschinen". Moderne Windräder hätten eine Nabenhöhe bis zu 150 Meter, die Rotoren einen Durchmesser bis 140 Meter. Für die Fundamente benötige man rund 3000 Tonnen Beton. Pro Windrad, die einen Abstand von mindestens 250 Metern zueinander haben müssten, würden etwa 10 000 Quadratmeter Waldfläche gerodet. Zufahrtswege müssten ausgebaut und befestigt, Stromleitungen zur Einspeisung des erzeugten Stroms gebaut werden. Wrubel: "So ein Windpark im Wald ist kein Streichelzoo. Das hat mit Naturpark nichts zu tun, sondern stellt eine Industriefläche dar."

Radien Der 1000-Meter-Mindestabstand zur geplanten Wohnbebauung, wie ihn der Gemeinderat Pfedelbach mehrheitlich als Beschluss gefasst hat, wurde natürlich diskutiert. "Der 1000-Meter-Kreis geht genau über das Dorfgemeinschaftshaus", sagte Ortschafts- und Gemeinderat Michael Schenk. Er hatte eine eigene Karte mit zwei 700- und 1000-Meter Radien ausgearbeitet. "Der 700-Meter-Radius würde durch die Buswendekreisplatte gehen." Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im gemeinsamen Ausschuss der VWG machte Schenk klar: "Theoretisch legt der Gemeinderat von Öhringen fest, was bei uns passiert." Die Gemeinde Pfedelbach könne zwar Widerspruch einlegen und dies könne schließlich bis vors Regierungspräsidium gehen. Aber ob sie das wolle, entscheide der Pfedelbacher Gemeinderat. Tendenziell, so Wrubel, würden in Öhringen und Zweiflingen 700 Meter für ausreichend erachtet.

Eine vage Hoffnung stellte Schenk in den Raum: Vielleicht hätten Investoren einen gewissen Respekt vor kommunalen Gremien. "Wenn unser Gemeinderat sagt, dass für Pfedelbach die 1000 Meter richtig sind, könnte ein Investor sagen: Ich akzeptiere es."

Kommentar: Dilemma Seite 25

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