Gastbeitrag zu 70 Jahre Grundgesetz: Grandiose Leistung
Der Hohenloher Unternehmer Reinhold Würth blickt in einem Gastbeitrag mit Dankbarkeit zurück in Jahr 1949, als das Grundgesetz in Kraft trat. Er nennt es eine grandiose Leistung, diese Verfassung aufzubauen.

Wir feiern 70 Jahre Grundgesetz. Wir alle wissen um die fundamentale Bedeutung für das Zusammenleben der Bürger in Deutschland, kaum einer – außer berufsbedingter Fachleute – hat den Text je Wort für Wort gelesen. Interessant ist jedenfalls, dass sich 1948/1949 bei Klärung der Frage, ob die drei westlichen Besatzungszonen föderal oder zentralstaatlich organisiert werden sollten, interessanterweise die föderalen Kräfte der wichtigsten Gründungsmitglieder des zu Napoleons Zeit gegründeten Rheinbundes, nämlich Baden, Württemberg und Bayern, durchgesetzt haben, gegen die in Norddeutschland herrschenden Bestrebungen des einheitlichen Zentralstaats.
So kam es zum Glücksfall des 23. Mai 1949, als der parlamentarische Rat die Inkraftsetzung des Grundgesetzes bekanntgeben konnte. Ich selbst durfte im Jahr meiner Konfirmation diese Neugründung unseres Staates miterleben. In der Rückschau eines 84-Jährigen erfüllt mich heute Dankbarkeit in vielerlei Hinsicht.
Welches Glück für uns Bürger
Es war eine grandiose Leistung des parlamentarischen Rats – geprägt noch von den Schrecken der Gräuel des Nationalsozialismus – eine Verfassung aufzubauen: Eine stabile vielfältige Demokratie ist herangewachsen, weder die 68-er Revolution noch die Rote-Armee-Fraktion, weder Rechts- noch Linksextremismus konnten unsere Bundesrepublik Deutschland schädigen.
Die Verfassungsorgane sind wohletabliert, allen voran das von mir so hoch geschätzte Bundesverfassungsgericht. Die dort gefällten Entscheidungen „im Namen des Volkes“ sind dem Grundgesetz, der Rechtssetzung des Europäischen Gerichtshofs und der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen untrennbar verbunden! Welches Glück für uns Bürger, nun schon 70 Jahre in Frieden, in Freiheit leben zu dürfen, dazu als Glücksgeschenk der Geschichte die deutsche Wiedervereinigung von 1989.
Engagement für die Region
Meine Frage: Wollen wir durch wirre Annäherung an Strömungen der Zeit vor 100 Jahren (Weimarer Republik) unsere Freiheit, unseren Frieden im Land aufs Spiel setzen? Schützen wir unsere köstlichsten Güter für unsere Enkel und Urenkel, nämlich Frieden, Freiheit, Umweltschutz und eine prosperierende Wirtschaft – bewegen wir uns im Spektrum der demokratischen Parteien.
Nicht verschwiegen sei, dass es auch in der sozialen Marktwirtschaft unterschiedliche Vermögensverteilung gibt, natürlich bin ich in dieser Hinsicht privilegiert. Gleichwohl weiß jeder Bürger, dass die entstandenen Gewinne nicht verprasst wurden, sondern zum weitaus größten Teil genutzt wurden, um bei Würth 77.000 Arbeitsplätze zu schaffen.
Auch mit unseren kulturellen Aktivitäten kommen wir dem Artikel 14 des Grundgesetzes nach, wo die Sozialverpflichtung des Eigentums postuliert ist.
Themenschwerpunkt: 70 Jahre Grundgesetz
Es war als Provisorium gedacht, was am 23. Mai 1949 in Bonn verkündet wurde:
das Grundgesetz, das mit Blick auf ein künftiges Gesamtdeutschland keine Verfassung sein sollte.
Doch wurde das Werk zur Gründungsurkunde der Bundesrepublik Deutschland.
Aus Anlass des 70. Jahrestages der Grundgesetzes bietet Stimme.de ein Themenpaket an. >>Hier finden Sie weitere interessante Artikel
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare