Mit Blick auf die kommenden Ganztages-Grundschulen: Kommunen haben Klärungsbedarf
Die Forderung nach Ganztagesgrundschulen in sozialen Brennpunkten wirft Fragen bei Schulen und Schulträgern auf. Dabei geht es vor allem um Geld, Geschwindigkeit und Personal.

Die Landesregierung will Kindern bessere Startchancen ermöglichen und setzt bei ausgewählten 153 Grundschulen, die von der neuen Startchancen-Förderung für soziale Brennpunkte profitieren sollen, auf eine verbindliche Ganztagesgrundschule. Ob das verpflichtende Ganztages-Konzept allerdings bereits zum kommenden Schuljahr umgesetzt wird, ist laut Kultusministerium noch offen. "In der Praxis wird es sich um einen Weg handeln, den wir nur mit allen Beteiligten einschlagen können", äußert sich der stellvertretende Pressesprecher des Kultusministeriums, Fabian Schmidt.
Konzept Ganztagesgrundschule: Darum geht es dabei
Bei dem Konzept geht es unter anderem darum, dass sich leistungsschwächere Schüler in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen verbessern. Haußmann ist überzeugt, dass den Kindern mehr Lesemöglichkeiten angeboten werden sollen, ihnen Bücher durch Leseclubs nähergebracht werden. Denn: "Flüssiges Lesen hilft, längere Texte zu verstehen." Insgesamt sieht sie die betroffenen Heilbronner Schulen allerdings bereits gut aufgestellt. Dennoch hat sie Defizite ausgemacht: "Man muss gute Räumlichkeiten schaffen, in die sich die Kinder zurückziehen können." Aber auch Freigelände, wo sie sich spielerisch entwickeln können.
Melanie Haußmann betont: "Es ist wichtig, eine gute Rhythmisierung in die Tagesstruktur der Ganztagsgrundschulen zu bekommen. Denn hier ist Schule mehr als lernen." Kinder müssten sich bewegen können und nicht nur länger in der Schule sein. Daher müsse das Konzept auch kulturelle, musische und sportliche Angebote sowie ein Ernährungsangebot umfassen.
Die kommunale Seite beurteilt die Lage folgendermaßen: "Die räumlichen Voraussetzungen sind gegeben", sagt der Kirchardter Bürgermeister Gerd Kreiter. Handlungsbedarf sieht er an anderer Stelle: "Für die Förderung bedarf es zusätzlicher Fachkräfte. Ich bin gespannt, ob diese Fachkräfte in ausreichendem Maße rekrutiert werden können." Auch die Neckarsulmer Amorbach-Grundschule steht auf der Liste des baden-württembergischen Kultusministeriums.
Abstimmung zwischen allen Beteiligten gefordert
Pressesprecher Andreas Bracht verweist von kommunaler Seite darauf, dass noch Abstimmungsbedarf zwischen Stadt und Schulleitung besteht, was Investitionen in Ausstattung und Gebäude betrifft. "Über zusätzliches Personal und die bedarfsgerechte Verwendung des Chancenbudgets entscheidet das Staatliche Schulamt beziehungsweise die Schule in eigener Verantwortung." Bei der Frage, ob zur Umwandlung der genannten Schulen in verbindliche Ganztagesgrundschulen eine Änderung des Schulgesetzes notwendig ist, oder ob dazu eine Verordnung ausreicht, gibt es seitens der Kommunen eine klare Meinung. "Es würde mich wundern, wenn das Land diese Entscheidung über die Köpfe der Schulträger hinweg treffen würde. Denn eine Ganztagesschule kann meines Erachtens nur gelingen, wenn alle Beteiligten - Schule, Schulträger und Schulverwaltung - dieses Modell mittragen", sagt Bürgermeister Kreiter und ergänzt: "Sollte das Land uns die Entscheidung über eine Ganztagesschule abnehmen, erwarten wir, dass das Land auch vollumfänglich die für die Umsetzung notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen dauerhaft zur Verfügung stellt." In Neckarsulm fällt die Antwort ähnlich aus und ist identisch mit der Position des Städtetages, der auf die Entscheidungshoheit der Kommunen verweist.
Hohenlohe ist mit Taläckerschule dabei
Für Hohenlohe findet sich einzig die Grundschule Taläcker vom gleichnamigen Wohnbau-Schwerpunkt der Kreisstadt Künzelsau auf der Liste. Deren Leiterin Kerstin Rock war in den Ferien nicht zu erreichen. Doch Marion Hannig-Dümmler, Hauptamtsleiterin der Stadt Künzelsau, weiß, dass bereits einige Dinge auf den Weg gebracht werden sollen, um wenigstens räumlich den Kindern und Lehrern mehr Platz zu bieten. Für 5,7 Millionen Euro soll das Schulgebäude erweitert werden. Den Beschluss dazu hat der Gemeinderat am 13. Juni gefasst. Die Erweiterung soll in modularer Bauweise erfolgen. In gleicher Sitzung wurde der Erweiterung der dortigen Kita für 4,3 Millionen Euro zugestimmt.
Auch für die Stadt Künzelsau sind viele Fragen noch offen. Zumal auch noch nicht alle mit Blick auf die zuvor initiierte Sprachförderung geklärt sind. Auch hier müssten mit Blick auf die vorgezogene Schulpflicht für einen Teil der Kinder in den Kitas eine neue Schnittstelle zwischen Kita und Schule geschaffen werden.
Die Fragen dazu würden derzeit durch die Kommunalen Landesverbände an das Kultusministerium adressiert. Unklar seien die praktische Umsetzung, die Förderorte, der Personaleinsatz und die Qualifizierung sowie die Finanzierung.
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