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Krautheim
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Fridays for Fastnacht

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Narren sorgen bei Prunksitzung der FG Lemia Krautheim für rasante Unterhaltung und politischen Tiefgang.


 

Der Freitag ist längst der neue Montag. In Sachen Demonstrationen, versteht sich. Die bunten Gestalten, die am Freitag Schilder, Plakate und Banner mit mal mehr, mal weniger ernsten Parolen nach Krautheim tragen, sind aber keine von Greta Thunbergs Jüngern. Es sind Menschen mit einer ganz eigenen Mission: an diesem Freitag in Krautheim den Höhepunkt der närrischen Saison einleiten.

Fridays for Fastnacht, Fastnacht for Future, ganz egal, hauptsache närrisch, rasant und mit dem Finger tief in den Wunden von Politik und Gesellschaft. Dass diese Mission gelingt, dafür sorgt die Fastnachtsgesellschaft Lemia mit einer bild- und wortgewaltigen Prunksitzung im Eugen-Seitz-Bürgerhaus.

Finger in die Wunde

In der Kategorie wortgewaltig tummeln sich klangvolle Namen wie Die doofe Nuss, der Protestler oder auch Schütze Ströbel. Wie kein anderer lehrt Isegrim vom Unterschloss (Peter Bienert) die Politik das Fürchten. Der Hardheimer legt nicht den Finger in die Wunde, er steckt gleich die ganze Hand rein.

Ob AKK, Trump, oder "Bonsai-Adolf Björn Höcke", mit dem er bis ans Ende der Welt reisen würde, um ihn dann hinunter zu schupsen: Bienert ist gnadenlos - gnadenlos gut. "Wenn nicht sogar der Beste, den der Narrenring je hatte", sagt Sibylle Weisl, Sitzungspräsidentin der Lemia, und macht den Isegrim fast verlegen.

Musikalischer Jahresrückblick

Auch Niklas Käfer macht vor der großen Politik nicht Halt. Bei seinem musikalischen Jahresrückblick hat der Lemianer immer das passende Lied parat. Da sinniert Donald Trump über den Klimawandel "Verdammt es gibt ihn, es gibt ihn nicht" und Markus Söder träumt davon, "König von Deutschland" zu werden.

Neben Welt- und Bundespolitik - "Wäre Trump 30 Jahre früher dran gewesen, hätte er unsere Mauer haben können." - spickt Käfer seine Bütt auch mit jeder Menge Lokalkolorit. So singt er "Uff de Jagsttaleisebahne, wird nie mehr e Zügle fahre" oder untermalt mit dem Trauermarsch das Krautheimer Geschäftesterben. Statt Tränen der Trauer weint das Publikum vor Lachen

Sommernachtstraum im Februar

Erholungspausen für die Zuschauer gibt es nur wenige. Auf Lachen folgen immer wieder Klatschen und Staunen. Etwa wenn die zauberhaften Elfen des TSC Walldürn mit Blumenkränzen und Hörnern auf dem Haupt über die Bühne schweben, nur um dann, teils in Kampfposen den Bühnenboden rhythmisch zum Schwingen zu bringen. Ein Sommernachtstraum im Februar.

Und das Staunen hört nicht auf, folgt man den Tänzerinnen und Tänzern aus Höpfingen ins historische London, den Dancing Moskitos (Königshofen) in die Welt Till Eulenspiegels oder einfach den zahllosen Spagatsprüngen von Tanzmariechen Vanessa Wohlfahrt. Die Lemianerin legt bei hohem Niveau ein solch rasantes Tempo aufs Parkett, dass dem einen oder anderen im Publikum allein beim Zusehen schwindelig sein dürfte.

Mit Traumschiff gen Sonnenuntergang

Mit einem Potpourri aus Star-Darbietungen schippert schließlich das Traumschiff mit der Florian-Silbereisen-Show gen Sonnenuntergang. Da gibt sich Weltstar Lady Gaga die Ehre, Abba und Modern Talking feiern ein Comeback, Tina Turner rockt noch einmal richtig die Hütte - gestützt auf einen Rollator - und David Hasselhoff singt zusammen mit Udo Lindenberg ein zweites Mal die Berliner Mauer nieder. Und während 99 Luftballons auf das Publikum herabregnen, ist dieser Freitag bereits zu Ende. Die Fastnacht noch lange nicht.

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