Freilandmuseum: Neue Pächter für Roten Ochsen
Der Rote Ochsen im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen hat neue Pächter: Das Bretzfelder Ehepaar Gehr übernimmt ab März den Museumsgasthof.

Neustart für die Gastronomie im Hohenloher Freilandmuseum: Von März an führt das Bretzfelder Ehepaar Gehr den Roten Ochsen in Wackershofen. Nach Umbauarbeiten soll der Gasthofbetrieb im Sommer richtig starten.
Schon nach der zehnten Klasse wollte Roland Gehr Koch werden. Eine Lehrerin überredete ihn, das Abitur zu machen. Danach studierte er Theologie, bis er sich seinen Traum verwirklichte: Bei Raubs Restaurant in Kuppenheim bei Rastatt ließ sich Gehr zum Koch ausbilden.
Während seines Zivildienstes kochte er in Lokalen auf der Schwäbischen Alb, danach jeweils ein Jahr lang in einem Mannheimer Restaurant und in "Gilberts Goldener Adler", einem stadtbekannten Studentenlokal in Heidelberg. In Texas/USA arbeitete Gehr bei der Kette "Billy Blues", die nur mit geräuchertem Fleisch arbeitet. Dieses Konzept installierte er nach seiner Rückkehr in Heidelberg, ehe er das "Gilberts" übernahm. Es war die erste Selbstständigkeit.
Bewegte, gastronomische Biographie
Nach zwei Jahren übernahmen er und seine Frau Christiane Werner-Gehr das Gasthaus Rössle in der Bretzfelder Ortsmitte. Jetzt, 20 Jahre später und nach einer bewegten gastronomischen Biographie, pachten sie den Gasthof Roter Ochsen im Freilandmuseum. Im Sommer soll mit "fähigen und lebensfrohen" (Werner-Gehr) Mitarbeitern, die für Küche und Service gesucht werden, der komplette Betrieb starten. Bis dahin − von Mitte März an − wird es wegen Umbauarbeiten im Ochsen ein eingeschränktes Angebot geben.
Die Gehrs sind Anhänger einer "natürlichen, unverfälschten, genussvollen und gesunden Ernährung, fern von jeder Lebensmittelindustrie". Dieses "Slow Food"-Konzept soll das Gasthaus tragen. Ihr Ziel: ein biozertifiziertes Restaurant, von denen es im Land laut Ehepaar Gehr nur "eine Handvoll" gibt.
Frische Speisen
"Das Konzept der neuen Pächter sieht vor, ausschließlich frisch zubereitete Speisen aus Zutaten herzustellen, die biologisch erzeugt und handwerklich verarbeitet werden", sagt Museumsleiter Michael Happe. Dazu gehört, dass sie selbst Brot backen, Nudeln, Teige, Kuchen, Marmelade und Sirup herstellen, dass sie selbst Pilze sammeln, Kräuter suchen und ganze Tiere verarbeiten.
Die Pächter stellen die handwerkliche Produktion der Lebensmittel in den Mittelpunkt, was laut Happe bestens zum Museum passt. Dort ist der Zustand eines Dorfes vor der Industrialisierung zu besichtigen, "es geht um regionale Lebensformen". Museums- und Gasthaus-Konzept würden nun eng verknüpft: "Die Wertschätzung der Lebensmittel, die Eigenerzeugung von Vorräten, der Anbau von Nahrungsmittelpflanzen und das Halten von Bauernhoftieren traditioneller Rassen sind Themen, die sich wie ein roter Faden auch durch alle Bereiche des Freilandmuseums ziehen."
Gibt es im Museum Schlachtfeste oder Käsemarkt, "soll das auch im Ochsen erkennbar sein", sagt Gehr. Der Gasthof soll künftig auch abends geöffnet sein, wenn das Museum geschlossen ist.
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