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Schwäbisch Hall

Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen: Das erwartet Besucher 2024

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Im Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall gibt es altes Handwerk und Gebäude aus vergangenen Jahrhunderten zu bestaunen. Was Besucher zum Saisonstart wissen müssen.

Die Winterruhe im Freilandmuseum ist vorbei.
Die Winterruhe im Freilandmuseum ist vorbei.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Die Sonne und das Vogelgezwitscher haben das Museumsdorf Wackershofen aus seinem Winterschlaf geweckt. Die Gänse suchen Würmer auf der Dorfwiese. Die Mitarbeiter waschen Vorhänge, putzen Fenster, öffnen Schranktüren und holen Dinge für die Dauerausstellungen aus dem Depot, die dort auf die neue Saison gewartet haben.

Und dann bereitet sich das Freilandmuseum gleich zu Beginn auf ein besucherstarkes Wochenende vor: Altes Handwerk wird in den Häusern und Scheunen gezeigt, in alten Küchen wird gekocht, die Schnapsbrennerei ist in Betrieb und das Backhaus wird angeheizt, um Brot zu backen. All das sind Aktionen, die die Besucher in die Vergangenheit reisen lassen. Ein Blick zuvor aber auf die aktuellen Zahlen:

Neues Gebäude für Freilandmuseum Wackershofen in Schwäbisch Hall

70 Gebäude stehen zwischenzeitlich auf dem 40 Hektar großen Gelände bei Wackershofen. Das älteste Bauwerk ist eine Scheune aus Klepsau aus dem Jahr 1519. Die jüngsten Baudenkmale datieren auf 1951 und sind zum einen das MAN-Fertighaus und gegenüber eine Wohnbaracke aus Gschlachtenbretzingen, ebenfalls aus dem Jahr 1951. Sie steht an der Straße, die im vergangenen Jahr gebaut wurde und historische Techniken der Wegebefestigung zeigt.

Im Juli wird das Straßenwärterhäuschen eröffnet. Museumsleiter Michael Happe öffnet schon einmal die Tür zum Materiallager.
Im Juli wird das Straßenwärterhäuschen eröffnet. Museumsleiter Michael Happe öffnet schon einmal die Tür zum Materiallager.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Aktuell wird an der Straße das neueste Projekt, das Straßenwärterhaus aufgebaut. "Die Straßenwärter waren immer für etwa fünf Kilometer zuständig. Um den Belag auszubessern oder die Gräben freizuhalten, brauchten sie Schotter, Werkzeuge und Schubkarre, aber auch einen beheizbaren Raum mit Stuhl und Schreibtisch, um dort Pause und ihre Schreibarbeiten zu machen", stellt Happe das neue Gebäude vor. Eröffnet wird es Mitte Juli.

Wie das Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall finanziert

16 hauptamtliche Mitarbeiter auf 12,5 Stellen halten den Museumsbetrieb aufrecht. Das gehe aber nicht ohne die 350 bis 400 Ehrenamtlichen, die teils nur an einem Aktionswochenende, in anderen Fällen aber auch an fast jedem Wochenende auf dem Gelände sind, sagt Happe.

101 200 Besucher wurden 2023 gezählt. "Das sind 20 Prozent mehr als 2021", so Happe. Vor Corona seien bis zu 120.000 Menschen im Museum gewesen. Da sich das Museum als Verein organisiert, muss es die Hälfte des Etats selbst erwirtschaften, den Rest übernehmen die Landkreise Schwäbisch Hall und Hohenlohe und die Stadt Hall.

"Das funktioniert, wenn wir mehr als 100.000 Besucher haben", ist Happe froh, dass kein Loch im Haushalt klafft. Gespart werden müsse aber weiter. Das Museum braucht 2,1 Millionen Euro im Jahr.

Besucher kommen vermehrt mit dem Rad ins Freilandmuseum Wackershofen

An einem normalen Wochenende kommen um die 2500 Besucher ins Museumsdorf, zum Backofenfest sind es 14.000, beim Käsemarkt etwa 12.000. "Das ist eine Herausforderung wegen der Parkplätze", weiß Happe. Wenn Geld dafür da ist, soll eine Parkmöglichkeit für Fahrräder samt Ladestation für E-Bikes nahe beim Eingang gebaut werden. "Denn viele Besucher kommen mit dem Rad."

Bus und Bahn halten ebenfalls direkt vor der Türe. Das wissen vor allem die 5000 Inhaber von Dauerkarten, oft Familien, die häufig kommen. Die Kinder freuen sich an den 100 Tieren, darunter Hühner, Gänse, Puten, Ziegen, Schafe, Schweine und Kühe. Auch die etwa 2000 Vereinsmitglieder sind Dauerkartenbesitzer.

Dauerausstellung zu Bessarabiendeutschen

Die Baracke der Bessarabiendeutschen bekommt in den nächsten Wochen noch einen Garten. Denn das Gemüse daraus war für die Bewohner immens wichtig, wie eine alte Fotografie zeigt. In der Baracke lebte bis 2007 die Familie Flaig. Das Haus kam im Originalzustand ins Museumsdorf, mit Holzofen in der Küche und Plumpsklo außen. "Die Familie Flaig war um 1800 schon nach Westpreußen ausgewandert und zog dann 1815 nach Bessarabien weiter", erklärt Museumsleiter Michael Happe. All die 200 Jahre habe die Familie Kontakt mit der Verwandtschaft in Deutschland gehalten und ist nach der Vertreibung 1946 nach Gschlachtenbretzingen gekommen.

Bis 2007 hat das Feuer in dem Herd der Baracke von Gschlachtenbretzingen gebrannt.
Bis 2007 hat das Feuer in dem Herd der Baracke von Gschlachtenbretzingen gebrannt.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

"Ein Friseur in Ilshofen hatte seinen zerbombten Laden in einer Baracke wiedereröffnet und als er sich ein neues Haus leisten konnte, wurde die Baracke für die Flüchtlinge in Gschlachtenbretzingen aufgebaut", erzählt Happe. Der Vater sei bald nach dem Einzug gestorben, der Sohn hatte 1958 einen schweren Unfall. Seine Mutter pflegte ihn bis zu ihrem Tod 1974, dann kam eine Schwester zurück und übernahm die Pflege. Sie starb 2007, danach stand die Baracke leer.

Der Geschichte der Bessarabiendeutschen und der zwölf Millionen Menschen auf der Flucht ist die Dauerausstellung gewidmet. Terminiert sind zudem Einzelveranstaltungen wie Nacht im Museum, Living History und die Aktionstage und Feste.

 
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