Falsch befüllte oder zu volle Mülltonnen kosten in Hohenlohe ab 2021 extra
Nach einem Testlauf ab 14. September müssen Haushalte, die Biotonnen oder Restmülltonnen nicht korrekt handhaben, für Sonderleerungen ab 1. Januar 2021 draufzahlen. In den Biotonnen sind immer noch zu viele Fremdstoffe, während Restmüllbehälter mitunter überquellen.

Die Zeit der sanften Tour ist vorbei. Weil alle Ermahnungen und Erklärungen nicht gefruchtet haben, greift die Abfallwirtschaft im Hohenlohekreis (AWH) jetzt energisch durch, wenn Biotonnen falsch befüllt und Restmüllbehälter zu voll sind. Wer erwischt wird, muss ab 2021 für jeden Behälter, der beanstandet wurde, extra bezahlen. Über Sonderleerungen, die separat erfasst und abgerechnet werden.
Die mit zu vielen Fremdstoffen verunreinigten Biotonnen werden von den Müllwerkern zu Restmülltonnen umprogrammiert, stehengelassen und erst bei der nächsten Tour geleert. Restmüllbehälter, bei denen der Deckel so weit offen steht, dass er sich nicht mehr schließen lässt, werden zwar an Ort und Stelle geleert, aber ebenfalls als kostenpflichtige Sonderabfuhr registriert.
Ab 14. September startet ein Testlauf - noch ohne finanzielle Folgen, aber schon mit den Original-Aufklebern, die signalisieren: "Stopp - Betty ist stark verschmutzt und wird für die Bioabfuhr gesperrt" und "Hinweis - Ihr Restmüllbehälter war überfüllt". Ab 1. Januar 2021 wird das System dann scharfgestellt.
Man habe bei der Kontrolle der Biotonnen lange genug Milde walten lassen, erklärt AWH-Geschäftsführer Sebastian Damm. "Jetzt müssen wir auch mal Konsequenzen folgen lassen, leider ist das nicht anders zu machen." Bei den Restmülltonnen gab es bislang gar keine informellen Kontrollaktionen, hier zeigt die Abfallwirtschaft jetzt gleich ihre Krallen. Im praktischen Doppelpack, sozusagen.
Kunterbuntes in den Biotonnen
"Unterhosen und Babywindeln, Batterien und Bauschutt, Nägel und Schrauben - und natürlich jede Menge Plastiktüten und Umverpackungen: Es ist und bleibt unglaublich, was in den Biotonnen so alles zu finden ist", sagt Damm. Daran habe sich seit der Einführung 2016 nichts geändert. Seit zweieinhalb Jahren kontrolliert Abfallberater Rainer Mugler die Biotonnen - stichprobenartig. Eine größere Auswertung von Januar bis Mai 2018 ergab: Zehn Prozent der Haushalte befüllen ihre Biotonnen falsch. Der reale Anteil an Fremdstoffen liegt zwischen 15 und 20 Prozent. In Schulnoten ausgedrückt, erhält der Kreis eine 4. Nötig wäre eine 2. "Das gilt immer noch", berichtet Damm, der den Wert auf mindestens vier bis fünf Prozent drücken möchte.
Verwerter müssen mühsam aussortieren
Streng genommen wären sogar ein Prozent Pflicht: So wenig Fremdstoffe dürfen in Komposten oder Gärresten enthalten sein, die Verwerter auf den Markt bringen. Und wenn die Bioabfallverordnung bald fortgeschrieben wird, werden die Kontrollwerte noch weiter nach unten gesetzt. Für den Hohenlohekreis heißt das: Die Firma Hauke in Öhringen, die den Biomüll dort hauptsächlich zu Kompost und woanders zu Strom und Wärme verarbeitet, muss einen beträchtlichen Teil mühsam und teuer aussortieren. Oder gleich ganze Ladungen zum Verbrennungsofen fahren. Diese zusätzlichen Restmüllfahrten werden der Abfallwirtschaft des Kreises in Rechnung gestellt - Kosten, die bisher von allen Gebührenzahlern getragen werden mussten. Damit ist nun Schluss.
Auch bei der Restmülltonne rückt die AWH die Gebührengerechtigkeit ins rechte Lot. Überquellende Behälter mit offenstehenden Deckeln werden nicht länger toleriert. "In fünf Prozent der Haushalte ist dies der Fall", sagt Damm. AWH-Betriebsleiterin Silvia Fritsch ergänzt: "In jedem Haushalt muss eine ausreichend große Restmülltonne vorhanden sein. Steht der Deckel immer offen, ist die Tonnengröße falsch gewählt. Das ist gegenüber denen, die richtigerweise eine größere Restmülltonne haben und auch bezahlen, nicht fair."
So werden die Müllgebühren berechnet

Die Volumen der Restmülltonnen im Hohenlohekreis reichen von 40 bis 1100 Liter - dafür wird eine jährliche Grundgebühr zwischen 145,30 und 950,80 Euro fällig: inklusive zwölf Pflichtleerungen. Jede weitere Leerung kostet extra zwischen 2,50 und 69,60 Euro. Die Biotonnen gibt es von 60 bis 240 Liter - die Leerung ist mit einer Jahrespauschale zwischen 40,90 und 81,90 Euro abgegolten.
Wird die Biotonne nun zur Restmülltonne umprogrammiert, weil sie falsch befüllt ist, stellt die AWH dem Haushalt eine Sonderleerung in Rechnung - plus Verwaltungsgebühr. Diese beträgt 5 Euro. Hinzu kommt der jeweilige Restmülltarif pro Einzel-Leerung. Würde der Halter einer 60-Liter-Biotonne diese also ein ganzes Jahr immer falsch befüllen, müsste er insgesamt 226,20 Euro mehr zahlen. Tut er es nur einmal, ist er mit 8,70 Euro dran.
Bei einer 80-Liter-Restmülltonne wären es bei zwölf unfreiwillig sanktionierten Sonderleerungen maximal 120 Euro mehr pro Jahr. Auch hier liegt die Verwaltungsgebühr bei 5 Euro, zuzüglich der Rate von fünf Euro für die Einzel-Leerung. Ist die Tonne also nur einmal im Jahr zu voll, werden 10 Euro extra fällig.
So funktioniert das neue Sanktionssystem
Vor einem Jahr hatte die Abfallwirtschaft (AWH) angekündigt, ab 2020 härtere Saiten aufzuziehen, wenn Biotonnen falsch befüllt sind. Der Zeitplan ist durch Corona etwas nach hinten gerutscht. Ursprünglich sollte das kostenpflichtige Sanktionssystem schon ab diesem Sommer greifen. Doch dafür hätte der Kreistag davor die Abfallwirtschaftssatzung ändern müssen. Dies erfolgt nun im November, weshalb die Extragebühren für die Sonderleerungen erst ab 1. Januar 2021 tatsächlich abgerechnet werden können. Gleiches gilt für die kostenpflichtigen Sonderleerungen, wenn Restmüllbehälter zu voll sind.
Ab 14. September startet das neue System deshalb nur testweise - aber mit allem, was dafür erforderlich ist. Auch die Aufkleber werden bereits auf den Tonnen platziert. Darauf steht: "Diese Sonderleerung ist auf Ihrem nächsten Gebührenbescheid ausgewiesen." Der kommt im Februar 2021 für 2020 - und hat noch keine finanziellen Folgen. "Die Posten stehen zwar drauf, aber keine Beträge. Bei den Gebührenbescheiden für 2021, die Anfang 2022 verschickt werden, wird sich das ändern. Dann sind alle Extra-Zahlungen zu leisten", sagt Nadine Würth, bei der AWH zuständig für Kommunikation.
Die überfüllten Restmülltonnen sind leicht erkennbar. Wenn der Deckel nicht mehr schließt, sind sie zu voll. Die Müllwerker sortieren auch die Biotonnen aus: per Sichtkontrolle. "Sie haben einen guten Blick darauf", sagt AWH-Chef Sebastian Damm. Spezielle Detektoren an den Müllwagen, wie sie in anderen Kreisen zum Einsatz kommen, um falsch befüllte Biotonnen zu erkennen, gibt es vorerst nicht. "Für die weitere Zukunft will ich das aber nicht ausschließen." Die Sonderleerung wird über den Chip in der Tonne erfasst und im System gespeichert. Die Biotonnen werden so zu Restmülltonnen und für die Bio-Leerung gesperrt. Sie bleiben stehen und werden erst bei der nächsten Restmüll-Tour geleert. "Hier gibt es kein Zurück, man muss unseren Vorgaben Folge leisten", sagt Damm. Die sanktionierten Restmülltonnen werden gleich geleert und ebenfalls extra gebucht. Beide Programmierungen seien eigens entwickelt worden und einmalig im Land.

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