Fahrende Supermärkte auf dem Land: Wenn der Eiermann zweimal klingelt
Mobile Läden sichern die Nahversorgung in den kleinen Dörfern in Hohenlohe. Ein Erfolgsrezept? Wo es was aus dem Auto gibt.

Mittwochmorgen, gegen 7.30 Uhr. Das typische Klingeln verrät: Das Bäckerauto der Neuensteiner Firma Pfisterer & Oettinger ist einige Häuser weiter unten in einem kleinen Bretzfelder Teilort angekommen. Das Fahrzeug mit den beige-braunen Lettern hält. Die Fahrerin verlässt ihren Sitz, geht nach hinten, öffnet die Seitenklappe. Und schon bedient sie die erste Kundin im Stehen, die mit ihrem Einkaufsnetz um die Kurve gekommen ist.
Meist warten Stammkunden auf das Bäckerauto. Menschen, die nicht jeden Tag in den Mittelzentren arbeiten sind und den Einkauf auf dem Heimweg erledigen. Mit mehr Homeoffice haben in einigen Orten auch die rollenden Backläden und Supermärkte mehr Zulauf erfahren.
Mobile Läden in Hohenlohe: Pioniere der fahrenden Versorgung
Schon in den 1960er Jahren hat Emil Pfisterer begonnen, damals noch zugekaufte Backwaren auf die Dörfer zu fahren, erinnert sich der heutige Firmeninhaber Henri Pfisterer. 1974 habe sich sein Großvater mit Rudi Oettinger zusammengetan und eine Bäckerei gegründet, um fortan die eigenen Backwaren zu transportieren. Während andernorts die rollenden Supermärkte einen Schwund erlebt haben, fokussierte sich Pfisterer & Oettinger genau darauf, berichtet Henri Pfisterer.
21 Fahrzeuge sind heute unterwegs. Bedient wird ein Radius von 50 Kilometern rund um Neuenstein. Im Norden geht es bis Bad Mergentheim, im Süden bis Mainhardt, im Westen bis Schwaigern und im Osten bis Crailsheim. Die Orte werden zweimal in der Woche Woche angefahren. "Die Touren und Gegentouren sind Montag-Donnerstag, Dienstag und Freitag und Mittwoch und Samstag", erklärt Henri Pfisterer. Mitgebracht wird das komplette Backsortiment. "Also Brot, Brötchen, Süßwaren und Konditoreiprodukte", erklärt Oettinger. Dazu kommen Handelswaren wie Eier, Schokolade, Kaffee und Mehl.
Fahrende Supermärkte: Verlässlichkeit ist A und O
"Verlässlichkeit ist wichtig", erklärt Pfisterer das Erfolgskonzept. Die 21 Fahrzeuge der Typen Transporter, Springer und Crafter sind extra für die Bedürfnisse des Verkaufs umgebaut und werden von einer firmeneigenen KfZ-Werkstatt (in Untereppach) gewartet. "Wir haben auch eine eigene Tankstelle", erklärt Pfisterer. Auch eine eigene Navigations-App wurde entwickelt. Im Unternehmen arbeiten in den verschiedensten Bereichen 220 Menschen. Davon sind allein 35 Personen im Fahrdienst eingesetzt.
In Krankheitsfällen schnell Vertretungen zu finden, das gehört ebenso dazu, wie die Fahrzeuge zu warten. "Und wenn wir wissen, dass das Personal knapp wird, dann lassen wir nicht einfach eine Tour ausfallen, sondern verteilen in der Woche zuvor Zettel, damit sich die Kunden darauf einstellen können."
Die Stammkunden wiederum, sagt Pfisterer, geben auch den Fahrern Bescheid, wenn sie in Urlaub sind oder sagen, wo die Tüte hinterlegt werden kann.
Auch Wurst, Eier und Nudeln aus dem Auto
Das bestätigt Rainer Specht vom gleichnamigen Eierhof in Zweiflingen-Orendelsall. Seine Frau Andrea ist es meist, die Eier und Nudeln und im Herbst frische Äpfel nach Öhringen, Neuenstein und Pfedelbach bringt. "Man bimmelt und weiß schon zu 99 Prozent, wer kommt", kennen auch Spechts ihre Stammkunden. Auch hier melden sich die Menschen ab, wenn sie wissen, dass sie zwei, drei Wochen nichts brauchen. "Und wir gehen hin und klingeln, wenn die üblichen Verdächtigen nicht zum Auto kommen, weil sie es vielleicht überhört haben", sagt Rainer Specht. Seit über 40 Jahren gibt es schon das Eierauto aus Orendelsall. "Allein 30 Jahre machen es jetzt schon meine Frau und ich", sagt Rainer Specht.
Das Hohenloher Landeis ist bei Kindern sehr beliebt und in den Dörfern verfügbar. Die Metzgerautos wurden in den vergangenen Jahren weniger. Noch immer unterwegs sind die beiden Fahrzeuge der Landmetzgerei Setzer (Wolpertshausen). Der Überland-Verkauf habe den Grundstock des Unternehmens gebildet, erklärt Volker Setzer. Das war vor 35 Jahren. In den Autos mit Kühlung sei das ganze Sortiment plus Eier und Nudeln verfügbar. Und auch die Banken bieten ihren Service im Mobil an.
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