Erste Kommunen im Hohenlohekreis wappnen sich für Energienotstand
Im Kupferzeller Gemeinderat wurde intensiv debattiert: Das örtliche Hallenbad bleibt womöglich zu, Dorfgemeinschaftshäuser sollen zu Wärmehallen umfunktioniert werden, in öffentlichen Gebäuden wird weniger geheizt.

Als erste Kommune im Kreis debattierte der Kupferzeller Gemeinderat im Rahmen seiner jüngsten Sitzung intensiv über eine möglicherweise drohende Versorgungs-Notlage: "Ob wir zukünftig noch Gas in ausreichender Menge erhalten, wissen wir schlicht nicht", so Bürgermeister Christoph Spieles.
Und ein solcher Mangel würde gerade die 6500-Einwohner-Gemeinde auf der Hohenloher Ebene besonders hart treffen. Denn: Kupferzell hat in der jüngeren Vergangenheit stark aufs Gas gesetzt: Auf dem örtlichen Schulcampus wurde im vergangenen Jahr ein Blockheizkraftwerk installiert, das Schule, Mensa, Carl-Julius-Weber-Halle und auch das benachbarte Hallenbad mit Strom und Wärme versorgt.
"Schmerzhafte" Optionen nicht ausgeschlossen
"Es schien damals im Vergleich die sauberere Lösung zu sein", so der Rathauschef. Die Verwaltung hatte zwar seinerzeit prüfen lassen, ob eine Heizung mit Hackschnitzeln oder Holzpellets installiert werden könne - das, so hieß es auf HZ-Nachfrage im Mai 2021, sei aber nicht möglich gewesen. Doch nicht nur der ganze Schulcampus hängt in Kupferzell am Gashahn, sondern auch Rathaus, der Kindergarten "Carlsschule" und die Flüchtlingsunterkunft "Im Bild".
Grund genug, dass man sich in Gemeindeverwaltung und Rat Gedanken macht, wie man auf einen Energienotstand reagiert: Die Straßenbeleuchtung ist bereits auf LED umgestellt und brennt nachts weitestgehend nicht. Dort gibt es somit kein Sparpotenzial. "Unsere Top-Verbraucher sind die sozialen Einrichtungen: Schule und Kindergarten", weiß Uwe Wied, Leiter des Technischen Amts der Kommune. Klar ist: In öffentlichen Gebäuden wird in den Wintermonaten weniger geheizt. Sicher bereits auch: "Im Hallenbad werden wir so weit es geht mit den Temperaturen heruntergehen", so Rathauschef Spieles. Gesetzlich festgelegt sei eine Mindesttemperatur von 24 Grad.
Und kühles Baden und Duschen in jenem Schwimmbad, das allein rund ein Drittel der gesamten Gasmenge des Blockheizkraftwerks benötigt und hauptsächlich zum Schulsport genutzt wird, wäre noch die beste Option. Denn: Möglicherweise muss das Bad bis auf Weiteres komplett geschlossen bleiben. Nach der jährlichen Wartung in den Sommerferien und nachdem klargeworden ist, ob und wie viel Gas dann noch durch Nord Stream 1 fließt, will man im Kupferzeller Rathaus in rund vier Wochen diese Entscheidung treffen. Man wolle zwar vermeiden, dass aufs Schulschwimmen verzichtet werden muss - aber die "sehr schmerzhafte" Option liege im Bereich des Möglichen, so Spieles.
Bedarf schwierig zu kalkulieren
Unterdessen sucht seine Verwaltung im Gemeindegebiet bereits nach potenziellen Standorten von Wärmehallen für die Bevölkerung: Die Carl-Julius-Weber-Halle sei hierfür "völlig ungeeignet", da sie aufgrund ihrer Größe ein schlechtes Verhältnis zwischen Energieaufwendung und Funktion biete. Und so richtet sich der Blick diesbezüglich, wie Amtsleiter Wied mitteilt, auf die zwei Dorfgemeinschaftshäuser in Rüblingen und Eschental: "Wir werden wahrscheinlich beide brauchen."
Ob man auch in Schulen, Jugendhaus und Kindergärten die Temperatur herunterdrehen wird? Das sei noch in der Diskussion, so Wied. "Die Frage wird sein: Wo ist die Schmerzgrenze - und wann stehen dann die Eltern bei uns auf der Matte?" Wichtig sei, "die Bevölkerung mitzunehmen." Denn auf deren Akzeptanz sei man ja unweigerlich angewiesen. Wie viel Gas überhaupt benötigt wird? Das sei aktuell schwierig zu kalkulieren, sagt Uwe Wied, weil wegen der Pandemie und der Neuheit der Anlage auf dem Campus Referenzwerte fehlen.
Der Landkreis strebt, so Christoph Spieles, ein unter allen Kommunen abgestimmtes Vorgehen an, um somit eine breite Solidarität in der Bürgerschaft zu erzielen und diese auch über die möglicherweise schwierigen Monate aufrechterhalten zu können.
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