Erst der Korb, dann die Dreckwäsche
Künzelsau - Es ist ein bisschen wie bei einer Scheidung: Am Ende wird schmutzige Wäsche gewaschen. Fünf Mitglieder der Unabhängigen Bürger (UBK) haben im Juni ihre Fraktion verlassen und eine neue gegründet. Die Trennung ist vollzogen. Das große Waschen scheint gerade erst zu beginnen.

Künzelsau - Es ist ein bisschen wie bei einer Scheidung: Am Ende wird schmutzige Wäsche gewaschen. Fünf Mitglieder der Unabhängigen Bürger (UBK) haben im Juni ihre Fraktion verlassen und eine neue gegründet. Die Trennung ist vollzogen. Das große Waschen scheint gerade erst zu beginnen.
Eigentlich hätten die Gründe nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Im April waren zwei UBK-Stadträte, Dieter Bäumlisberger und Meinrad Kaiser, in die CDU eingetreten − in die Partei, nicht in die Gemeinderatsfraktion (wir berichteten). Boris d" Angelo, damals noch Vorsitzender der UBK im Gemeinderat, die mit dem Austritt von fünf ihrer sieben Mitglieder im Juni ihren Status als Fraktion verloren hat, erklärte: Der eigentliche Konflikt habe mit dem Eintritt der beiden UBK"ler in die CDU begonnen.
Dabei hätte es bleiben können. Wochen später aber meldete sich der UBK-Vorstand zu Wort. Der vertritt 25 Mitglieder der "Personenvereinigung mit Satzung", also sowohl jene, die im Gemeinderat sitzen, als auch die anderen. Auf HZ-Anfrage erklärte der Erste Vorsitzende Rainer Ackermann, weshalb sich die UBK an die Öffentlichkeit wandte: "Wir wollten, dass die wirklichen Hintergründe bekannt wurden."
Vorwurf
Die "wirklichen Hintergründe" beschreibt der Vorstand so: Eine "Befragung" der beiden UBK"ler habe "keine befriedigenden Ergebnisse" erbracht. Stattdessen habe die UBK-Spitze den Stadtrat und Bauunternehmer Bäumlisberger mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe "Kommunalpolitik und Geschäftsinteressen vermischt".
Was damit gemeint war, präzisierte Boris d"Angelo so: "Dieter Bäumlisberger hat erklärt, wer gegen seine Projekte stimme, bekomme keine Aufträge mehr von ihm." Für Dieter Bäumlisberger schlicht "eine Unverschämtheit". Der Vorstand konstruiere aus einer Äußerung, die er vor sechs Monaten gemacht habe, einen schweren Vorwurf, sagt er. Konkret geht es dabei um das umstrittene, aber vom Gemeinderat beschlossene Wohnbauvorhaben im Klebweg. Stadträtin Sabine Janny hatte gegen die Vergabe des Bauauftrags an die Firma ihres Fraktionskollegen Bäumlisberger gestimmt. Der wiederum hatte daraufhin seine Geschäftsbeziehung zu Jannys Reifenhandel gekündigt und erklärt: "Wer mich ohne Grund schädigt, bei dem kaufe ich nicht ein." Fünf UBK-Stadträte verließen nach der Befragung die Fraktion: Marion Dümmler, Dieter Bäumlisberger, Meinrad Kaiser, Hubert Schirmer und Herbert Schneider gründeten die Fraktion für Künzelsau (FFK) mit Dümmler als Vorsitzender. Sowohl Kaiser als auch Schneider sind Handwerker, die oft in Bäumlisbergers Auftrag arbeiten. Abhängigkeit sieht Meinrad Kaiser darin nicht: "Ich bekomme von ihm nichts geschenkt und muss aufpassen, dass ich ihm nichts schenke."
Die fünf Abweichler reagierten ihrerseits mit einer Stellungnahme unter der Überschrift "Erpresser werfen anderen Erpressung vor". Aus ihrer Sicht ist es um die Unabhängigkeit ihres ehemaligen Fraktionschefs d"Angelo schlecht bestellt, weil er oft in samstäglichen Café-Runden sitze "mit seinem politischen Berater", dem CDU-Bundestagabgeordneten und Stadtrat Christian von Stetten. "Ferngesteuert" sei ihre ehemalige Gruppierung, folgern die FFK"ler.
Mobbing
Die Vorwürfe seien zudem eine "verleumdende Mobbing-Aktion des Vorstands", der den stillschweigenden Austritt des Bauunternehmers erwartet habe, schreiben die FFK-Mitglieder. Andernfalls, so habe der Vorstand erklärt, werde er mit den Beschuldigungen an die Presse gehen.
Heuchlerisch sei es auch, Bäumlisberger und Kaiser den Parteieinritt in die CDU zum Vorwurf zu machen. Marion Dümmler erklärte dazu: "Es gibt Leute in der UBK, die sind seit Jahren bei der CDU oder bei der FDP." Sie selbst gehört seit Jahren der CDU an. "Boris d"Angelo wusste das, als er mich für die UBK angeworben hat." Kommentar "Bruch auf Raten"
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