Erinnerungen an die Großeltern
Zum 50-jährigen Bestehen des Kinderdorfes waren die Enkelinnen von Albert Schweitzer zu Gast auf dem Balkon Hohenlohes

Waldenburg - „Auf Leute zuzugehen, auch wenn es manchmal schwerfällt“: Das ist nur eines der Dinge, die Monique Egli von ihrer Großmutter Helene Schweitzer-Breslau gelernt hat. Die 68-jährige Enkelin von Albert Schweitzer widmete den Abend im Albert-Schweitzer-Kinderdorf vor allem der Frau Albert Schweitzers. „Ohne sie hätte er das alles nicht schaffen können.“
Und so ist es eineinhalb Stunden fast totenstill, als die Schweizerin vom bewegten Leben ihrer Großmutter berichtet. Sie erzählt von der aufopferungsvollen Arbeit, die Helena Schweitzer-Breslau mit ihrem Mann in Afrika geleistet hat, von den Kriegserlebnissen und von der Vertreibung, aber auch von der Tuberkuloseerkrankung und wie sich Albert Schweitzer trotz seiner Arbeit um seine Frau kümmerte.
Lebendig wird die Lesung durch die Briefauszüge der beiden 45 Jahre verheirateten Eheleute. Vor allem der Arzt und Wissenschaftler Albert Schweitzer wird hier den Zuhörern auch von seiner familiären Seite vorgestellt. „Meine Großmutter war eine strenge Frau, so wollte sie immer, dass ich einen Knicks mache, was mir jedoch nicht passte,“ berichtet die Enkelin, „aber sie lachte wohl innerlich auch über meinen Sturkopf, wenn ich es einmal nicht machte.“
Der Besuch von Monique Egli und Christine Engel ist der Höhepunkt der Veranstaltungen zum 50-jährigen Jubiläum des Waldenburger Kinderdorfes, dem ersten Dorf in Deutschland. Der Kontakt zur Familie wurde hier von Anfang an intensiv gepflegt. Albert Schweitzer übernahm persönlich die Patenschaft, schaffte es aber leider nie, selbst Waldenburg einen Besuch abzustatten. Seine Tochter war bis vor wenigen Jahren noch oft in Waldenburg, bis ihre Enkelinnen das Erbe antraten. Der Besuch biete Gelegenheit, auch eine Art Authentizität zu schaffen und nicht nur mit Namen zu werben, meint Wolfgang Bartole, der die beiden Schwestern während ihres Aufenthalts begleitete.
Der Abend bildet den Abschluss einer einwöchigen Veranstaltungsreihe. Neben einem Besuch beim Radio in Stuttgart haben die beiden Schweitzer-Enkelinnen die Zeit genutzt, um sich mit den Kindern und Jugendlichen auszutauschen.
Christiane Engel lässt die Erinnerung an ihren Großvater in ihrer Musik weiterleben. Die in den USA lebende Konzertpianistin begleitete den Abend mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Liebe zur Musik verbindet sie neben ihrer Arzttätigkeit besonders mit ihrem Großvater. Schon als Sechsjährige begann sie Klavier zu spielen. Unterstützt wird sie dabei vom Stern Chamber Orchestra Prag. Der gemeinsam Auftritt war auch für sie eine Premiere und nach einer Woche intensiver Öffentlichkeitsarbeit geht es für sie erst einmal wieder zurück in die USA.
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