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Kocherwerk in Ernsbach eröffnet

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Das neue Kocherwerk in Ernsbach zeigt die Wurzeln und den Aufstieg der Befestigungsbranche in Hohenlohe. Am Mittwochnachmittag wurde die umgebaute historischen Mühle eröffnet. Ab Freitag können dann interessierte Besucher bei freiem Eintritt Interessantes über die Hohenloher Wirtschaftsgeschichte erfahren.

Der Trägerverein hat vier bedeutende Firmenlenker gestern zu Ehrenmitgliedern ernannt (v.l.): Albert Berner, Reinhold Würth, Theo Förch und Gerhard Sprügel.
Der Trägerverein hat vier bedeutende Firmenlenker gestern zu Ehrenmitgliedern ernannt (v.l.): Albert Berner, Reinhold Würth, Theo Förch und Gerhard Sprügel.  Foto: Reichert, Ralf

Hier kaufte Reinhold Würth mit seinem Vater Adolf die ersten Schrauben für das neugegründete Unternehmen in Künzelsau. Hier hüpfte nach eigenem Bekunden sein Herz, als er sich durchs Archiv wühlte und spannende Dokumente entdeckte. Hier wollte er ein bleibendes Werk erschaffen, um die Wirtschaftsgeschichte der Befestigungsbranche dauerhaft erlebbar zu machen. Und hier ist sein Wunsch am Mittwochnachmittag in Erfüllung gegangen: Der Grandseigneur des Hohenloher Schraubenimperiums und Initiator des Museumsprojekts eröffnete am Mittwoch mit vielen anderen Firmenchefs und der Spitze des Trägervereins das neue Kocherwerk in Ernsbach. An jenem Ort, der als Keimzelle der hiesigen Befestigungsindustrie gilt: der historischen Mühle in Ernsbach, in der ab 1898 die Schrauben- und Eisenwarenfabrik L. & C. Arnold produzierte. Der historische Trakt wurde von der Würth-Gruppe für 3,5 Millionen Euro restauriert und umgebaut und steht ab Freitag interessierten Besuchern als "Haus der Verbindungstechnik" offen: bei freiem Eintritt.

Reinhold Würth erinnert sich

Der Gebäudekomplex rund um die historische rote Mühle in Ernsbach ist in eineinhalb Jahren zu einem spannenden Erlebnisort umgebaut worden.
Fotos: Ralf Reichert
Der Gebäudekomplex rund um die historische rote Mühle in Ernsbach ist in eineinhalb Jahren zu einem spannenden Erlebnisort umgebaut worden. Fotos: Ralf Reichert  Foto: Reichert, Ralf

1945 schauten er und sein Vater also das erste Mal bei Arnold in Ernsbach vorbei. "Mit dem Fuhrwerk", erinnert sich Reinhold Würth, der damals zehn Jahre alt war. Und weil es so viele Schrauben waren, die sie gekauft haben, "sind wir zwei Tage lang gefahren." Hermann Ruhnau war 50 Jahre lang der führende Kopf der Fabrik, an ihn haben sie sich immer gehalten. "Jahrzehntelang hat Arnold die Lieferantennummer eins gehabt." Heute ist die Firma Teil der Würth-Gruppe. Das zeigt, wie die Branche gewachsen ist: durch Aufkäufe einerseits und Ausgliederungen andererseits. "Den Albert Berner hat mein Vater als Lehrling eingestellt", sagt Würth. "Später hat er sich selbstständig gemacht, und von Berner sind dann wieder welche weggegangen. So hat sich das ganze Cluster in all den Jahren weiterentwickelt."

"Wir sind Gegner am Markt, aber nie Feinde gewesen"

"Unglaublich" und "schön" findet Würth diese Entwicklung, denn trotz aller Konkurrenz sei es immer fair zugegangen: "Wir sind zwar Gegner am Markt, aber nie Feinde gewesen." Dass ein jeder auch in Zukunft sein "gutes Auskommen findet", ist seine Vision. "Wir alle stehen ja noch am frühen Anfang unserer Entwicklung", so Würth. "Der Bedarf an Befestigungs- und Montageteilen ist eigentlich unendlich: Wir alle zusammen in Hohenlohe haben einen Marktanteil von zwölf Prozent in Deutschland. Weltweit sind es nur zwei bis drei Prozent."

Der Initiator lobt das Ergebnis

Spielen eine Runde Schrauben-Glücksrad: Harald Hacker, Geschäftsführer der Schraubenfabrik Kupferzell (l.), und Martin Schneider, Geschäftsführer von Mefa.
Spielen eine Runde Schrauben-Glücksrad: Harald Hacker, Geschäftsführer der Schraubenfabrik Kupferzell (l.), und Martin Schneider, Geschäftsführer von Mefa.  Foto: Reichert, Ralf

Ausgesprochen gut gefällt ihm das neue Kocherwerk: "Wer hereinkommt, wird mit einem kleinen Lächeln die Räume verlassen", ist Würth überzeugt. "Das ist alles sehr freundlich und hochprofessionell gestaltet, und die Beschreibungen sind durchgängig in Englisch", geht sein Dank in erster Linie an Enkeltochter Maria Würth, Mitglied des Vereinsvorstands, und Dirk Döllner, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der Firma Arnold.

Wie Hohenlohe tickt? "Wie das Kocherwerk"

Die Region in drei Worten beschreiben? Das ist für Landrat Matthias Neth ganz einfach: "Wie das Kocherwerk." Der "besondere Menschenschlag, der Zusammenhalt, das abwechslungsreiche Leben", all dies spiegele sich an diesem Ort wider. "Einfallsreich, engagiert und erlebenswert" sei die Region Hohenlohe, "Ehrgeiz, Fleiß und Schlitzohrigkeit" prägten die Menschen: "Wir leben hier in einem Wirtschaftswunderland."

Lebendiger Ort muss jetzt belebt werden

Die Architekten und Ausstellungsberater des Büros Space 4 in Stuttgart haben das Projekt maßgeblich betreut, die Sanierung des teilweise denkmalgeschützten Gebäudes geplant und das museale Konzept entwickelt. "Wir wollten einen lebendigen Ort schaffen", sagt Henning Meyer. "Belebt werden muss er jetzt von den Beteiligten vor Ort, dem Verein und den Besuchern." Reinhold Würth hat keinen Zweifel, dass dies gelingt: "Ich gehe davon aus, dass die Jahreshauptversammlungen ein gesellschaftliches Ereignis werden: mit richtiger Biergartenatmosphäre und Geschenken der Firmen an die Besucher."

 
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