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Öhringen

Einblicke hinter die Kulissen der Lebenswerkstatt

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Mehr als 250 Besucher kommen zum Tag der offenen Tür der Lebenswerkstatt in der Friedrichsruher Straße, die früher Beschützende Werkstätte hieß.

Von Ranjo Doering
Fetzige Live-Musik: Die Trommelgruppe Alujo aus Sindringen sorgte für viel Stimmung im Festzelt. Zu den afrikanischen Rhythmen wurde vor der Bühne ausgelassen getanzt.
Fetzige Live-Musik: Die Trommelgruppe Alujo aus Sindringen sorgte für viel Stimmung im Festzelt. Zu den afrikanischen Rhythmen wurde vor der Bühne ausgelassen getanzt.  Foto: Döring, Ranjo

"Öhringen, seid ihr da?", fragt Sven Wisser und hält sich, um ganz sicher zu gehen, eine Hand ans Ohr. "Ja!", lautet die Antwort der Besucher im großräumigen Festzelt.

Mehr als 250 Gäste sind am Sonntag zum Tag der Offenen Tür der Lebenswerkstatt in die Friedrichsruher Straße gekommen. Die Möglichkeit hinter die Kulissen der Behinderteneinrichtung zu schauen und bei Führungen Einblicke in den Arbeitsalltag zu bekommen, interessiert die Menschen.

Mehr als 60 Mitarbeiter in Öhringen

Sven Wisser ist nicht nur engagierter Werkstattrat sondern auch leidenschaftlicher Hobby-DJ. An diesem Nachmittag ist er darüberhinaus Moderator und führt, gemeinsam mit Journalist Uwe Kaiser, gut gelaunt durch das Festprogramm.

Im Jahr 2009 gab der Hohenlohekreis grünes Licht für einen zweiten Standort der Beschützenden Werkstätten im Hohenlohekreis. Neben Ingelfingen wurde eine Einrichtung in Öhringen genehmigt. Rund 4,6 Millionen Euro wurden investiert. 60 Mitarbeiter, sechs Gruppenleiter sowie ein Lagerist und ein Standortleiter sind aktuell in Öhringen tätig.

Normaler Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderung oft fast unerreichbar

Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum hat die Einrichtung mit Lebenswerkstatt einen neuen Namen erhalten. "Der alte Begriff passte einfach nicht mehr so richtig. Die Werkstätten sind Orte, die viele Möglichkeiten bieten", sagt Hans Christoph Ketelhut, Vorstand der Lebenswerkstatt.

Er blickt zunächst auf die Anfänge des Sozialunternehmens zurück, spricht aber auch Schwierigkeiten an: "Der normale Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderung eigentlich fast unerreichbar. Deshalb müssen sich Betriebe und Gesellschaft weiter öffnen und sich der Herausforderung stellen", sagt Ketelhut.

"Mit macht die Arbeit hier eine Menge Spaß"

Jan-Daniel Schneiders erklärte den Besuchern die Arbeitsabläufe in der Lebenswerkstatt. Bei den Führungen konnten die Gäste in die Werkstattbereiche reinschnuppern. Foto: Ranjo Doering
Jan-Daniel Schneiders erklärte den Besuchern die Arbeitsabläufe in der Lebenswerkstatt. Bei den Führungen konnten die Gäste in die Werkstattbereiche reinschnuppern. Foto: Ranjo Doering  Foto: Döring, Ranjo

"Die Geschichte der Lebenswerkstatt begann als kleines Pflänzchen. Inzwischen ist sie ein starker Baum geworden", sagt Landrat Matthias Neth. "Das gemeinsame Ziel muss lauten, auch in Zukunft das Thema Inklusion in enger Zusammenarbeit weiter voranzutreiben." Oberbürgermeister Thilo Michler ist froh, dass nach langjähriger Planung, die Werkstätten im März einziehen konnten: "Wir haben lange nach einem Standort für die Werkstatt gesucht. Um so schöner, dass wir heute hier feiern können", sagt der Schultes.

In einer Talkrunde kommen Mitarbeiter der Werkstätten in Ingelfingen und Öhringen zu Wort. Ilse Hachtel arbeitet seit mehr als 40 Jahren in der Elektronikmontage. Sie gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag: "Um 7.30 Uhr beginnt mein Arbeitstag und er geht bis 15.20 Uhr. Mir macht die Arbeit hier eine Menge Spaß. Ich bin hochzufrieden", sagt Hachtel.

Überrascht von der guten Organisation

Petra Nickenstädt ist aus Künzelsau nach Öhringen gekommen − aus Neugier, wie sie sagt. "Ich konnte mir unter dem Begriff Lebenswerkstatt nie so richtig etwas vorstellen. Deshalb habe ich mir gedacht, ich schaue einfach mal vorbei", sagt die 52-Jährige. Sie ist von ihren Eindrücken begeistert. "Inklusion ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Ich finde es toll, was die Menschen hier gemeinsam leisten", sagt sie mit Nachdruck.

Jochen Briel interessiert sich vor allem für die Führung durch die Werkstätten. Der 48-Jährige hat einen behinderten Sohn und möchte sich vor Ort genauer informieren: "Ich bin überrascht, wie gut das alles organisiert ist. In die Arbeit für und mit behinderten Menschen sollte noch mehr investiert werden", sagt Briel und schlendert gemütlich in die Metallwerkstatt.

 

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