Ein Prinz zu Hohenlohe-Langenburg macht in Afrika Schlagzeilen
Namibia - Ein Hohenloher Prinz sorgte in Namibia monatelang für Aufsehen. Christian Prinz zu Hohenlohe-Langenburg stand im Verdacht, auf seiner Farm in dem afrikanischen Land Berg-Zebras geschossen zu haben. Die Polizei hatte auf seinem Grundstück die Überreste von knapp 200 der geschützten Tiere gefunden. Per E-Mail nahm der Prinz gegenüber der "Hohenloher Zeitung" Stellung zu den Vorwürfen.

Namibia - Im Herbst 2008, da ist sich Erwin Leuschner ganz sicher, hat ein Hohenloher Prinz doch glatt Barack Obama ausgestochen. Zumindest in Namibia. Der Prozess gegen gegen Christian zu Hohenlohe-Langenburg (28) habe für mehr Aufruhr gesorgt als die Wahl des US-Präsidenten“, schrieb der Journalist in der Allgemeinen Zeitung (AZ) in Windhuk, Namibia.
Monatelang sorgte der Prinz aus Deutschland mit Wurzeln im hohenlohischen Langenburg für Schlagzeilen in der AZ, bescherte ihrem Internet-Auftritt einen neuen Besucherrekord, und handelte sich zahlreiche Leserbriefe nicht immer freundlichen Inhalts ein. Auch Leser aus Deutschland interessieren sich für den Fall in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika.
Abschuss
Zu Hohenlohe-Langenburg, so hieß es, habe auf seiner Farm, 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Windhuk, Bergzebras geschossen. Die Zahl der getöteten Tiere schwankte zwischen 193, „bis zu 1000“ und „locker über 3000“. Die Hartmanns Bergzebras sind per Gesetz geschützt.
Die Vorwürfe brachten den „Blaublüter aus Deutschland“ (AZ) für einen Tag in Untersuchungshaft und vor Gericht. Monatelang beschäftigte der Fall Justiz, Presse und Leserbriefschreiber. Polizei und Naturschutzbeamte hatte auf seiner 12.000 Hektar großen Wild- und Rinderfarm 193 Schädel besagter Bergzebras gefunden. Wenig später sprachen Zeugen von 1000, später sogar von „locker über 3000“ Hartmanns Bergzebras.
Per E-Mail nahm der Prinz gegenüber der Hohenloher Zeitung Stellung zu den Vorwürfen und sparte dabei nicht mit Seitenhieben gegen das „hiesige Klatschblatt“. Die AZ, so Hohenlohe-Langenburg, wolle lediglich ihre Auflage steigern.
Tonnenweise

Weil die Farm in der fraglichen Zeit kein zweites Auto besaß, blieben für die Jagd nur zwei Traktoren. „Ich weiß nicht, ob jemand der hiesigen Presse schon einmal probiert hat, mit einem Traktor auf Jagd zu gehen“, fragt der Prinz bissig. Die Farm sei zudem im Besitz von Permits (Genehmigungen), die den Abschuss von mehr als 50 Zebras erlaubten. Im fraglichen Zeitraum soll es in ganz Namibia 5000 bis 9000 Bergezebras gegeben haben. Der 28-jährige Farmer wundert sich, dass sich die Hälfte davon „ausgerechnet bei uns auf der Farm herumgetrieben haben soll“.
Für Hohenlohe-Langenburg ist ohnehin klar, wer ihm die Suppe eingebrockt hat: die „sogenannten Zeugen“, Mitarbeiter, die er wegen Diebstahls und Wilderei entlassen habe, sowie ein Nachbar, der ihm die Farm streitig mache. Jenen bringt der Prinz auch mit dem Fund der 193 Zebraköpfe in Verbindung: „Wer möchte da manchmal nicht an fingierte Beweise denken?“
Genehmigungen
Am 8. Januar berichtete die AZ: „Staatsanwaltschaft entlastet Blaublüter“. Urplötzlich waren 20 weitere Permits aufgetaucht. Demnach hätte der Prinz wohl deutlich mehr als 50 Zebras töten dürfen. Der behauptet freilich, er sei gar kein Jäger um des Jagens willen: „Ich jage nur, wenn wir das Fleisch wirklich benötigen.“ Laut AZ ist der Prinz jetzt wieder frei. Und die Namibier können sich endlich mit Barack Obama oder anderem beschäftigen.
Ferne Verwandtschaft
Von seinem entfernten Verwandten in Namibia wusste Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg nach eigenem Bekunden nichts. Erst beim Blick auf den Stammbaum habe er festgestellt: „Das ist einer von den spanischen Hohenlohes.“ Damit gehört Christian zu Hohenlohe-Langenburg zur spanischen Linie um den Hotel-Gründer von Marbella, Don Alfonso. Der Aufruhr um die toten Zebras in Namibia ist am Fürstenhaus nicht spurlos vorbeigegangen. E-Mails mit deutlichen Worten wie „Sie Schwein“ oder „Sie Mörder“ seien im Schloss in Hohenlohe anstelle auf der Farm in Afrika angekommen. „Dabei heiße ich noch nicht einmal Christian“, wundert sich der Fürst.
Nachgefragt

Ein adliger Farmbesitzer. Gibt es so etwas häufiger in Namibia?
Erwin Leuschner: Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Blaublüter eine Farm in Namibia besitzt. Die wenigsten wussten aber, dass Christian ein Adeliger ist, bis ich den Bericht veröffentlicht hatte.
Wie kam es überhaupt zu der Anklage gegen den Prinzen?
Leuschner: Der Prinz soll 193 geschützte Bergzebras erlegt haben, deren Schädel auf der Farm ausgegraben wurden. Man darf zwar auf einer Farm geschützte Wildarten schießen, doch man muss ein Permit (eine Genehmigung, Anm. d. Red.) besitzen. Der Prinz hatte offenbar nicht ausreichend Permits.
Wie haben die AZ-Leser auf die Vorwürfe reagiert?
Leuschner: Viele haben sehr empört reagiert und ihre Meinung in Leserbriefen zum Ausdruck gebracht. Zwar wurde der Prinz noch nicht schuldig befunden, dennoch haben viele Leute in Namibia und Deutschland ihr Urteil bereits gefällt und den Adeligen verurteilt.
Wie geht es jetzt weiter?
Leuschner: Der Prozess wurde eingestellt, weil die Polizei – ganz ehrlich und offen – nicht gut ermittelt hat. Es tauchten auf einmal von irgendwoher noch Permits auf. Nun wird erneut ermittelt und die neuen Permits werden überprüft. Wenn Unregelmäßigkeiten auftauchen, wird das Verfahren wieder eingeleitet. Wenn keine auftauchen, ist der Prinz ein freier Mann.
Allgemeine Zeitung
Die AZ ist die älteste Tageszeitung Namibias (1916 als „Der Kriegsbote“ gegründet) und die einzige deutschsprachige Tageszeitung außerhalb Europas. Sie erscheint von Montag bis Freitag mit einer Auflage von 5000 bis 6000 Exemplaren. Die Leser der AZ gehören in erster Linie zu den 22 000 deutschsprachigen Namibiern. Über die Internetseite www.az.com.na kann man sich hierzulande informieren.
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