Ein Hohenloher schafft 3D-Welten aus der Sprühdose
Der Street-Art-Künstler Nautcore heißt eigentlich Gerd Metzler und stammt aus Ingelfingen. Mit dem Sprayen begonnen, hat er in der Heilbronner Skater-Szene. Seine optischen Täuschungen waren auch auf der Laga zu sehen.

Wer weiß, was aus Gerd Metzler geworden wäre, hätte er als Teenie kein Skateboard gehabt. Vermutlich nicht der Street-Art-Künstler, der er heute ist. Denn mit dem Brett landete er mitten in der Hip-Hop-Szene − und machte die Bekanntschaft mit seiner ersten Spraydose. "Eigentlich waren es zwei − in Hellblau und Ultramarin", korrigiert der heute 38-Jährige, der aus Ingelfingen-Dörrenzimmern stammt, heute in Eberbach an der Jagst wohnt − und als freischaffender Künstler von Street-Art lebt.
In Heilbronn auf der Skaterbahn packte ihn die Leidenschaft fürs Gestalten mit Farbe. Zunächst lebt sich der Autodidakt an den Wänden rund um viele andere Skaterbahnen aus. "In jeder großen Stadt gab es damals eine sogenannte Hall of Fame", erzählt er. Und wer als Sprüher unterwegs gewesen sei, der habe die Pflicht gehabt, sich dort zu verewigen − am besten mit einer ganz individuellen Aussage. Als Autodidakt entwickelt Gerd Metzler dabei sein Können und seinen eigenen Stil.
Von den ersten Werken gibt es keine Fotos
Die ersten Motive von Nautcore sind vom Hip-Hop-Style geprägt: "Figuren mit weiten Hosen, die Mütze tief reingezogen − rebellische Typen kombiniert mt Schriftzügen", erinnert er sich. Zeigen kann er sie nicht. "Nicht bloß, weil sie auf Fotos nie so gut wie in echt aussehen. Ich hatte überhaupt keinen Fotoapparat", erzählt er schmunzelnd. Seine Figuren und Schriftzüge muss er übrigens nie von den Wänden schrubben. Vielmehr habe er "schnell Auftragsarbeiten bekommen", erinnert er sich.
Den ersten erhält er als 16-Jähriger − vom Besitzer der damaligen Krautheimer Disco X-trem, die er innen komplett ausgestaltet. Damals legt er sich auch den Künstlernamen Nautcore zu. Dass er sein Handwerk versteht, spricht sich herum. Auch in Künzelsau, wo er in den Ferien bei Mustang jobbt und eine Firmenwand mit einem Werbemotiv des Jeansherstellers schmückt. Die Freude, die er am Gestalten hat, drückt sich auch in seiner Berufswahl aus. Gerd Metzler macht an der Stuttgarter Johannes-Gutenberg-Schule eine Ausbildung zum Grafikdesigner. Er will experimentieren, sich weiterentwickeln, Neues wagen. Da werden Vorgaben, Budgets und Kundenwünsche schnell zur Kreativitätsbremse.
Ein Graffiti inspiriert das nächste
Zuerst ist da eine Idee im Kopf, erklärt er den Entstehungsprozess seiner Arbeiten. Aber sie verändert sich beim Prozess des Sprühens. "Auch wenn man weiß, wie es werden soll, es sieht nie so aus wie geplant − aber es ist immer besser", sagt er. So inspiriert ein Graffiti das nächste. Mittlerweile arbeitet der Hohenloher längst nicht mehr ausschließlich mit Farbdosen, sondern greift zu Acryl-, Aquarell- oder Ölfarben. Gestaltet Hauswände, Straßen, aber auch Malgründe aus Holz oder Leinwand.
Sein Markenzeichen: 3D-Malerei
Besonders faszinieren ihn die Effekte der 3D-Malerei. Sie sind sein besonderes Markenzeichen geworden, an dem er immer weiter feilt, um immer wieder neue noch erstaunlichere optische Täuschungen zu erzielen. So öffnet er 2014 zur Gewerbeschau im Niedernhaller Kelterhof den imaginären Zugang zu einem Weinkeller unter dem Asphalt. Oder er lässt die Besucher der ersten Nacht der Hochschule am RWH-Campus Künzelsau 2016 bei Schwarzlicht über Hochhausschluchten hüpfen.
Und auch bei der Landesgartenschau in Öhringen eröffnet er zusammen mit der Künstlergruppe Paralaxe, die er leitet, mit seiner Street-Art eine weitere Dimension. "Im Norden von Baden-Württemberg gibt es keinen, der das macht", sagt er und in der Stimme schwingt Schaffenslust und auch Stolz mit. Denn Gerd Metzler hat es geschafft: Er lebt von seiner Kunst − mehr noch: Sie ist sein Lebenselixier.
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