Ein Ehrenamt sollte jeder haben
In der Serie "Ehrenamt aus Leidenschaft" erzählt Heiderose Rapp aus Belsenberg von vielen Jahren Engagement in der Kirchengemeinde und beim Hospizdienst.

Irgendwie ist es Heiderose Rapp gar nicht so recht, dass die HZ-Mitarbeiterin sie für die Serie übers Ehrenamt porträtieren wird. "Ehrenamt. Wem dient das zur Ehre?", fragt sie sich und gibt auch gleich bescheiden die Antwort: "Ich will nicht öffentlich dafür geehrt werden."
Die 78-Jährige denkt hier an die freiwilligen Aufgaben und Ämter, die sie in den zurückliegenden Jahrzehnten übernommen hat. Freude habe ihr das Engagement für andere immer bereitet, sagt sie. Offen gesteht sie aber auch: "Ich mache das auch, weil ich mir selbst damit gut tue."
Den Nachwuchs des Dorfes kennengelernt
30 Jahre lang war Heiderose Rapp vor allem in ihrer Kirchengemeinde ehrenamtlich aktiv. Als sie Mitte der 1980er mit der Familie nach Belsenberg zog, brachte Rapp sich dort zunächst in der Kinderkircharbeit ein. "Mit der Kinderkirche habe ich die Kinder im Ort kennengelernt", erinnert sich die Grundschullehrerin.
Weil die dreifache Mutter nach der Familiengründung nicht mehr in ihren Beruf zurückkehrte, wollte sie den Nachwuchs des Dorfes über die Kinderkircharbeit kennenlernen. "Und die Kinder sagen heute noch "du" zu mir", freut sich die Seniorin lachend. Sechs Jahre lang prägte Rapp die Kinderkircharbeit. Dann wurde sie in den evangelischen Kirchengemeinderat gewählt. 24 Jahre war sie Kirchengemeinderätin, 18 Jahre davon auch die Laienvorsitzende des Gremiums.
Menschen begegnen
Gern erinnert sich Heiderose Rapp an ihr kirchliches Engagement. Vielfältig waren dabei ihre Einsätze. Gottesdienste hat sie mitgestaltet, Lesungen gehalten und bei Gemeindefesten mitgearbeitet: Von Planung und Aufbau über die Durchführung bis hin zum Abbau. "Ich habe immer gern bedient bei den Festen, weil ich da mit allen Leuten zusammengekommen bin", verrät sie schmunzelnd. Den Menschen zu begegnen, das gefiel Heiderose Rapp, die verheiratet ist, drei Kinder und zwei Enkelkinder hat.
Sie sagt: "Ich wollte nicht bloß Küche und Kinder. Ich wollte auch etwas außerhalb der Familie machen." Und dazu komme, und hier denkt die Seniorin auch an die sonntäglichen Dienste in der Kirche, dass das Ehrenamt der Woche Struktur gibt. "Sonst ist doch jeder Tag in der Woche gleich", findet Heiderose Rapp.
"Immer wenn wir keine Pfarrerin hatten", habe sie im Team auch den Frauenkreis geleitet und das Programm auf die Beine gestellt. Gern hat Heiderose Rapp auch in der Ökumene gearbeitet: den Weltgebetstag zusammen mit evangelischen und katholischen Frauen vorzubereiten, das sei ihr eine Freude gewesen. Auch wenn Wahlen anstanden wurde Heiderose Rapp aktiv. Sie suchte dann das Gespräch mit Kirchengemeindemitgliedern, um diese zu einer Kandidatur zu ermuntern.
Besuche von Gemeindemitgliedern, an Geburtstagen oder einfach auch mal so, übernimmt sie auch heute noch gern. Den Einsatz für andere findet Heiderose wichtig. "Ich denke, irgendein Ehrenamt sollte jeder haben. Weil einem das selbst gut tut. Und das muss ja gar kein kirchliches Amt sein."
Teamarbeit von großer Bedeutung
Nach dieser Maxime hat Rapp selbst auch gelebt, und deshalb hat sie sich auch noch im Förderverein Dorfgemeinschaft Belsenberg engagiert. Schön findet die Belsenbergerin auch hier die Gemeinschaft mit den anderen Ehrenamtlichen. Egal, ob sie sich im Förderverein oder in der Kirchengemeinde engagiert hat, eines war für Heiderose Rapp immer von großer Bedeutung: "Bei allem, was ich so gemacht habe, war mir immer die Teamarbeit wichtig. Ich war nie die einzig Aktive. Wir waren immer ein Team. Das war ein gutes Gefühl."
Gegen Ende des Gesprächs berichtet die Seniorin dann noch vom Hospizdienst Kocher/Jagst. Seit zwölf Jahren engagiert sich Rapp auch hier mit viel Herzblut. "Ich mache das so arg gern. Ich sitze gern nachts am Bett eines Schwerkranken." Gut wäre es, so verrät sie, wenn sie die Kranken und Sterbenden früher kennenlernen könnte und länger begleiten dürfte, denn für Heiderose Rapp ist es keine Bürde, ihre freie Zeit anderen Menschen zu schenken, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu schweigen, sie zu begleiten: Ihnen einfach gut zu tun.
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