Edle Wohngemeinschaft für Demenzkranke

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Forchtenberg - Haus Arche in Wohlmuthausen hebt sich vom klassischen Altenheim ab

Von Hagen Stegmüller

Forchtenberg - - Monika Bauer singt ein Lied, Pflegerin Jasmin wirft den Ball reihum. Aus der Küche dringt der Duft von Linsen und Spätzle in den Aufenthaltsraum. Dackel Kisha strolcht zwischen den Bewohnern umher, Katze Federle hat es sich auf einem Kissen gemütlich gemacht. Für kurze Zeit reißt die Wolkendecke auf und die Sonne schickt ihre wärmenden Strahlen durch die hohe Glasfront ins Innere.

Nur zehn Bewohner

Das Haus Arche im Forchtenberger Ortsteil Wohlmuthausen ist kein Pflegeheim im klassischen Sinn. Das Heim, das vom Verein zur Förderung anthroposophisch orientierter Betreuung und Pflege betrieben wird, beherbergt lediglich zehn Senioren. Sie alle sind demenzkrank. Dreh- und Angelpunkt des Hauses ist der große Aufenthaltsraum, der dem Heim den Charakter einer Wohngemeinschaft verleiht. Hier verbringen die Bewohner fast den ganzen Tag mit Spielen, Essen und Reden, auch ein Nickerchen ist möglich.

Über diesen lichtdurchfluteten Allzweckraum werden die privaten Räume erschlossen, das hat die Architektenkammer überzeugt. „In den Innenräumen präsentiert sich ein Konzept, das in seiner Anordnung und Farbgestaltung einfühlsam auf die Bedürfnisse der Bewohner eingeht“, urteilt die Jury über das alte Bauernhaus von 1827, das 1988 zum Pflegeheim umgebaut und 2005 erweitert wurde.

Wer beim Stichwort „Wohngemeinschaft“ an Improvisation, rissige Tapeten und unerledigte Putzdienste denkt, sieht sich im Haus Arche getäuscht. Hinter dem alten Fachwerkbau und dem Anbau in Holzständerbauweise verbirgt sich eine luxuriöse Ausstattung. Jeder Bewohner hat ein 17 Quadratmeter großes Einzelzimmer, gestrichen in den Farben zartrosa bis sonnenblumengelb. Licht fällt über die Terrasse und ein Oberlicht herein, selbst im Bad strömt natürliches Licht durch die Decke. Zum Lüften öffnet und schließt sich das Deckenfenster im Schlafzimmer dreimal pro Tag automatisch. Verschiedene Farblichter auf dem Flur leiten die altersverwirrten Bewohner ins richtige Zimmer. Keramik- und Holzfußböden schaffen Atmosphäre.

„Wir wussten aus Erfahrung, was für die Bewohner gut ist“, sagt Monika Bauer, die das Haus Arche zusammen mit ihrem Mann Peter Dangel betreibt. Als gelernte Krankenschwester mit Weiterbildung zur Altenpflegerin hatte Bauer viele Jahre mit Demenzkranken zu tun. Stolz war das Ehepaar auch auf eine Auszeichnung von 2007. Die Gradmann-Stiftung sprach dem Haus Arche seine Anerkennung für „vorbildliche Milieugestaltung für Menschen mit Demenz“ aus.

Ökologisches Bauen Der anthroposophische Ansatz seiner Betreiber schlägt sich auch in der Umweltbilanz des Altenheims nieder. „Die unter ökologischen Gesichtspunkten gewählte Holzbauweise strahlt dieselbe Geborgenheit aus, auf die im Betrieb des Hauses beispielhaft Wert gelegt wird“, stellt die Jury fest. Die Heizung wurde CO2-neutral auf Holzpellets umgestellt, Sonnenkollektoren helfen bei der Erwärmung des Wassers. Regenwasser in der Wand kühlt die Speisekammer, wo bevorzugt Öko-Lebensmittel auf Zubereitung und Verzehr warten. Auch an Regenwasser-Versickerung hat man gedacht. Bei starkem Regen bildet sich im Naturgarten vor dem Haus ein Teich, der die Niederschläge zeitversetzt ans Grundwasser abgibt.

„Wir wollen unseren familiären Charakter erhalten“, sagt Heimleiterin Bauer, an eine Aufstockung der Heimplätze sei nicht gedacht. So dürfte es Hund Kisha weiterhin nicht schwerfallen, seine Leute auseinanderzuhalten.

  
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