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Dörzbach

Dörzbach muss kräftig in seine Feuerwehr investieren

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Die Mängelliste, die der leitende Branddirektor Roland Demke zusammengestellt hat, geht weit über die Vorstellung der Dörzbacher Räte hinaus und trifft die finanzschwache Gemeinde hart.

Mit gerade einmal neun Mitgliedern ist die Feuerwehr-Abteilung Meßbach die kleinste in der Gemeinde. Ihre Habseligkeiten bewahrt sie in dieser Garage auf.
Mit gerade einmal neun Mitgliedern ist die Feuerwehr-Abteilung Meßbach die kleinste in der Gemeinde. Ihre Habseligkeiten bewahrt sie in dieser Garage auf.  Foto: Ludwig, Tamara

Lange Gesichter und steinerne Minen im Ratsrund sprechen Bände: Was der leitende Branddirektor Roland Demke von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg vorstellt, geht über die Vorstellung der Dörzbacher Gemeinderäte hinaus. Vor allem aber: Es übersteigt die finanziellen Mittel der Gemeinde.

Konkret geht es um den Feuerwehrbedarfsplan, also das Werkzeug, das die Leistungsfähigkeit der örtlichen Feuerwehr bewertet. Zuletzt hatte die Gemeinde dieses Planwerk selbst von Jahr zu Jahr in Absprache mit dem Kreisbrandmeister fortgeschrieben, nun wurde mit Roland Demke ein externer Experte beauftragt, eventuelle Bedarfe darzulegen. Und derer hat Demke viele aufgetan.

Keines der Feuerwehrhäuser erfüllt die Anforderungen

Vor allem zu den Feuerwehrhäusern fällt das Urteil des Branddirektors vernichtend aus: "Keines erfüllt die Anforderungen." In der Liste der Mängel zählt Demke für Hohebach etwa zu kleine Umkleiden, sanierungsbedürftige Sanitäranlagen, das Fehlen eines Schulungsraums und weitere bauliche Probleme auf. Seine Empfehlung: "Umzug in ein besser geeignetes Gebäude." Die beiden Magazine beziehungsweise "Garagen im Zeichen der 50er Jahre" in Laibach und Meßbach fallen ebenso durch. "Hier fehlt es an allem", resümiert der Experte.

Der größte Standort im Hauptort Dörzbach erfülle auf den ersten Blick noch am ehesten die Bedürfnisse. Doch auch hier gehe es sowohl in den Umkleiden als auch in Lager und Werkstatt zu beengt zu, es fehlten getrennte Räume für männliche und weibliche Feuerwehrleute, ein Büro und insgesamt bestehe Renovierungsbedarf.

Empfehlung: Neubau an geeigneter Stelle

Das Garagentor ist neu, der Rest eher weniger: Der Experte empfiehlt der Gemeinde, die Hohebacher Kameraden in einem anderen Bestandsgebäude unterzubringen.
Das Garagentor ist neu, der Rest eher weniger: Der Experte empfiehlt der Gemeinde, die Hohebacher Kameraden in einem anderen Bestandsgebäude unterzubringen.  Foto: Ludwig, Tamara

Unterm Strich empfiehlt Roland Demke einen Neubau an geeigneter Stelle - und zwar einen gemeinsamen für die Kameradinnen und Kameraden aus Dörzbach, Laibach und Meßbach. Dabei käme eventuell das interkommunale Gewerbegebiet zwischen Dörzbach und Klepsau in Frage, meint Demke. "Zwangsehen sind aber problematisch."

In Gesprächen hätten die Abteilungen dem Branddirektor gegenüber aber signalisiert, dass sie einem gemeinsamen Standort offen gegenüber stehen, solange die Abteilungen selbst eigenständig blieben. Für die Abteilung Hohebach müsste indes eine separate Lösung her, denn das gesamte Gemeindegebiet sei - so hat es die Analyse des Experten ergeben - nicht von einem Standort aus abzudecken. Der Grund: Für die Menschenrettung gilt, dass jeder Ort in der Gemeinde innerhalb von zehn Minuten erreichbar sein muss.

Auch Ausstattung und Fahrzeuge nicht optimal

Um nun die Empfehlungen des Experten weiter zu eruieren, soll es eine Machbarkeitsstudie geben. Denn alleine die Kosten des Neubaus beziffert Roland Demke auf geschätzte 3,5 bis vier Millionen Euro. Geld, dass die klamme Gemeinde nicht hat. Und damit wäre es nicht getan: Auch mehrere Fahrzeuge müssten seiner Meinung nach in den kommenden Jahren nach und nach ersetzt, verschiedenste Ausstattungen nachgerüstet werden. Kosten für den vorgeschlagenen Umzug der Hohebacher Abteilung kämen noch obendrauf.

Das Dörzbacher Feuerwehrhaus macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, hat aber auch gravierende Mängel.
Fotos: Tamara Ludwig
Das Dörzbacher Feuerwehrhaus macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, hat aber auch gravierende Mängel. Fotos: Tamara Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

"Am Freitag in unserer Haushaltsklausur haben wir noch geträumt, jetzt werden wir eingeholt von dem, was wir eigentlich tun müssen", sagt Bürgermeister Andy Kümmerle am Ende von Demkes Vortrag. Die Schwächen seien deutlich aufgezeigt worden, so Kümmerle weiter. "Ich gehe davon aus, dass wir bei allen Maßnahmen auf Zuschüsse angewiesen sein werden", macht der Bürgermeister klar, betont aber auch: "Das Ganze muss ins Lot gebracht werden, wir wollen uns am Ende nicht vorwerfen lassen, zu wenig getan zu haben." Einen Lichtblick gibt es jedoch für Verwaltung und Räte: So plant wohl die Firma Arnold im Industriegebiet die Gründung einer Werkfeuerwehr. Dadurch könnten sich Synergien und eventuelle Entlastungen für die Freiwillige Feuerwehr ergeben.

Zahlen und Daten

Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Dörzbach hat jährlich im Schnitt 16 Einsätze, 70 Prozent davon in Dörzbach, 30 Prozent außerhalb. Den Personalstand der Wehr beurteilt der leitende Branddirektor Roland Demke insgesamt als gut. Mit 110 aktiven Kameradinnen und Kameraden liege man nur knapp unter dem errechneten Bedarf von 120. Die Jugendfeuerwehr zählt 35 Kinder und Jugendliche. Insgesamt ist der Frauenanteil mit nur vier in der Dörzbacher Abteilung unterdurchschnittlich.

 
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