Tausende Zuschauer beim Frühjahrspferdemarkt in Dörzbach
Großer Festumzug mit jeder Menge Lokalkolorit zieht die Menschen am Faschingssamstag ins Jagsttal. Gruppen und Wagen machen Bauernproteste und Politik zum Thema.

Es ist dieser eine Tag im Jahr, an dem sich mehr Menschen in der Dörzbacher Ortsmitte aufhalten, als die Jagsttalgemeinde Einwohner hat: Der zweite Samstag im Februar gehört dem Frühjahrspferdemarkt, dessen Höhepunkt der farbenprächtige Umzug durch die Hauptstraße ist. 27 Fußgruppen und Wagen nehmen dieses Mal teil und sparen – so ist es Tradition – nicht mit Kritik an der großen und der kleinen Politik.
Begleitet von rhythmischen Trommelschlägen, von „Cordula Grün“-schmetternden Blechbläsern, von wummernden Ballermann-Hits aus großen Lautsprecherboxen ziehen die Gruppen an den Menschenmassen vorbei. Hälse streckend und Köpfe reckend versuchen auch diejenigen in den hinteren Reihen das Spektakel zu erspähen, das sich vor ihnen ereignet.
So genießen Zuschauer den Festumzug des Dörzbacher Frühjahrspferdemarkt
Leichter haben sie es da bei den großen Wagenbauten, von denen ihnen etwa die „Freibeuter“ von Jugendhaus und TSV Dörzbach zuwinken. Die große Schatzkiste, die sie dabeihaben, dürfte der Finanzlage der Gemeinde sicher entgegenkommen. Zumal die Teilnehmer des Jugendraums Hohebach mit einem riesigen Sparschwein aus Pappmaschee beklagen: „Dörzbach lebt in Saus und Braus. Für die Teilorte sieht’s mager aus.“
Da müssen dann gleich mehrere Doubles von Bürgermeister Andy Kümmerle herhalten, um die Forderungen auch an richtiger Stelle anzubringen. Doubles von Kümmerle – und seiner Frau Christiane – sind auch beim TSV Hohebach zu sehen. Sie erklären Kümmerles Wohnhaus kurzerhand zum Geisterhaus, nachdem dessen Pläne, aus der Gemeinde wegzuziehen, die Runde machen.
Bauernproteste und Kritik an Politik: Festumzug beim Frühjahrspferdemarkt in Dörzbach kommt bei den Zuschauern gut an
In Meßbach war und ist das Aufreger-Thema nach wie vor das wochenlange Abkochgebot für das Trinkwasser. Noch immer wird das Wasser dort gechlort, was den Bürgerverein Meßbach und die Mitglieder des Jugendraums zu einer Art Annonce bewegt: „Meßbach sucht Wassermeister für chlorreiche Karriere.“ Ob unter den Tausenden Besuchern wohl ein passender Kandidat ist? Die Mitglieder der Dörzbacher Hütte greifen das jährliche „Drama“ um den Maibaum auf. Mal wird er hinterrücks gefällt, mal ist er krumm und kahl. So kann es aus deren Sicht nicht weitergehen. Die Bauernproteste regen gleich bei mehreren Gruppen die Kreativität an und die Energiepolitik der Ampel nehmen die Hexen aufs Korn, deren Besen selbstverständlich elektrisch angetrieben sind.
Den Zuschauern gefällt’s: Sie lachen herzhaft, jubeln den Gruppen zu, tanzen und singen zur Musik der Kapellen. Die Kinder lesen eifrig Süßigkeiten von der Straße auf. Und als der Umzug auf dem Rückweg ein zweites Mal durch die Menge seinem Schlusspunkt entgegen rollt, ist die Party in Dörzbach noch lange nicht vorbei.
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