Die Hohenloher zieht es hinaus ins Freie - aber mit Abstand
Das Frühlingswetter lockt am Wochenende trotz Corona-Krise und Kontaktbeschränkungen Menschen an die frische Luft. Glücklich darf sich schätzen, wer einen Garten hat. Spaziergänger, Wanderer und Radler sind in der Natur unterwegs. Regeln werden eingehalten.

Sonnenschein, blauer Himmel, angenehme Temperaturen - herrliches Frühlingswetter macht es den Menschen am Wochenende schwer, in der Wohnung auszuharren. Zuhause bleiben, Kontakte vermeiden und mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand zu anderen zu halten ist oberste Pflicht in Corona-Zeiten. Dennoch ist der Gang an die frische Luft erlaubt - maximal zu zweit oder mit der Familie. Glücklich darf sich schätzen, wer einen Garten beim Haus hat.
Spielen im Hausgarten
Wie Stephanie Genz und Christoph Seher. Das Paar lebt mit den Söhnen Marco (sechs Jahre) und Manuel (eineinhalb) in Öhringen. Bald drei Wochen sind die Kinder nun zu Hause, weil Schulen, Krippen und und Kindergärten wegen der Corona-Pandemie geschlossen haben. Die Eltern - Ingenieur, seit zwei Wochen im Homeoffice, und Bürokauffrau - haben ihre Arbeitszeiten so abgesprochen, dass sich immer einer von ihnen um die Kinder kümmern kann. Denn auf keinen Fall sollen die Großeltern gefährdet werden. Die Kinder genießen es, dass immer jemand zu Hause ist, wollen aber beschäftigt sein. "Zum Glück macht das Wetter mit", meint Seher.
So zieht es die Familie immer wieder hinaus in den kleinen Garten. Der ist ein Spielparadies für die Buben. Tornetze für den fußballbegeisterten Marco, Rutsche, Malkreide, Bagger, Laufrad... und dazwischen tummeln sich die Haushühner Pia und Mia und Kater Mohrle. Doch irgendwann wird es auch im schönsten Garten langweilig. So unternimmt die Familie sonntags Radtouren. "Da muss man aber schon darauf achten, dass man anderen nicht zu nahe kommt." Auch das Osterfest werden sie zu Hause verbringen. Im Garten werden dann die Osternestle versteckt. Nichtsdestotrotz freut sich die Familie darauf, wenn die Kontaktbeschränkungen wieder aufgehoben werden. Besonders Marco vermisst seine Freunde aus Schule und Fußballtraining.
Spaziergang durch den Hofgarten

Sind die einen froh über ihren Garten, zieht es andere hinaus in die Natur. Und den einen oder anderen in den Öhringer Hofgarten. Zartes Grün und Blüten an Bäumen und Sträuchern, Vogelgezwitscher, Entenschnattern, die vierbeinigen Bewohner im Tiergehege - es ist doch zu verlockend, hier einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Die Menschen sind allein, zu zweit oder als Familie unterwegs. Manche radeln, andere joggen, die meisten bummeln gemächlich - der Sicherheitsabstand wird offensichtlich eingehalten. Und das nicht nur, als ein Streifenwagen mit drei Beamten im Schritttempo vorbeifährt. Verwaist sind die Kinderspielplätze.
Bewegung ist wichtig

"Wirklich wenige sind unterwegs, nur vor dem Obi sind lange Schlangen gestanden und waren die Parkplätze voll", stellen am Samstagnachmittag Sigrid und Hans Kern fest. Das Rentnerpaar aus Windischenbach unternimmt eine Radtour, die sie bereits nach Cappel, durch die Cappelaue und den Hofgarten geführt hat. Nun sitzen sie vor dem Osterbrunnen am Marktplatz auf einer Bank und genießen ein Eis, das sie im Eiscafé Simonetti zum Abholen vorbestellt hatten. "Bewegung ist wichtig", sagt Sigrid Kern. "Wir sind so froh, dass wir in den Garten können und durch Feld und Wald spazieren, ohne groß jemand zu treffen außer Leuten, die mit ihren Hunden Gassi gehen."
Grünflächen und Grillplatz am Neumühlsee gesperrt
Sehr überschaubar ist auch die Zahl der Menschen, die man am frühen Sonntagnachmittag am Uferweg des Neumühlsees bei Waldenburg antrifft. Ein paar Radler, Wanderer und Spaziergänger sind unterwegs, auch hier die meisten allein oder zu zweit. Familien und Gassigeher sind ebenfalls darunter. Dazu kommen Motorrad- und Cabriofahrer, die am See eine Pause einlegen. Deren Fahrzeug-Kennzeichen zeigen, dass sie von weiter her kommen. Am gegenüberliegenden Ufer sieht man vereinzelt Angler sitzen. Der Campingplatz ist wegen der Corona-Krise bis auf weiteres geschlossen, heißt es am Eingang.

Zettel, die über das Areal am Uferweg verteilt sind, weisen darauf hin, dass Grünflächen und der Grillplatz wegen der Corona-Lage gesperrt sind. Nicht alle halten sich streng daran. Zwei Radler haben auf der Wiese eine Decke ausgebreitet und sonnen sich, ein Paar sitzt auf der kleinen Terrasse vor der DLRG-Hütte, ein Paar picknickt im Gras, ein anderes genießt die Sonne auf einer Bank. Aber alle halten weiten Abstand. Es herrscht idyllische Ruhe. Diese wird nur kurz von vier jungen Motorradfahrern gestört, die den Uferweg entlang knattern.
Keine besonderen Vorkommnisse
Keine besonderen Vorkommnisse im Hohenlohekreis meldete am Sonntag gegen 17 Uhr das Polizeipräsidium Heilbronn der Hohenloher Zeitung auf Anfrage. "Die Leute zeigen Verständnis und halten sich an die Abstandsregeln", sagte der Polizeiführer vom Dienst.

Stimme.de
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