Der Vater ist stolz auf sein Kind

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20 Jahre Hochschule in Künzelsau: Lothar Späth, der damalige Ministerpräsident, ist der eigentliche Vater dieser Hochschule im Grünen. Fernab der großen Uni-Städte, mitten in der Pampa. Sein politisches Beharrungsvermögen öffnete die Tür für fünf FH-Ableger im Land, darunter einer im Kochertal

Von Ralf Reichert
Lothar Späth (links) ist der Vater der Hochschule, Reinhold Würth (rechts) ein großzügiger Förderer. Auch Bürgermeister Volker Lenz und die Stadt sind starke Partner.
Lothar Späth (links) ist der Vater der Hochschule, Reinhold Würth (rechts) ein großzügiger Förderer. Auch Bürgermeister Volker Lenz und die Stadt sind starke Partner.

Künzelsau - Das Duo „Piano Vocal“ spielte „Easy“ von den Commodores, und es klang so locker, lässig und leicht wie die Stimmung an jenem Sonntagmorgen, den Lionel Richie so unnachahmlich besungen hat und dessen Atmosphäre sich am Freitagabend auch auf den Campus der Hochschule Künzelsau übertrug. Das Lied wurde vor 30 Jahren veröffentlicht. Zu dieser Zeit dachte noch keiner im Traum daran, dass in der kleinen Kreisstadt zehn Jahre später eine Außenstelle der Hochschule Heilbronn eingeweiht würde. Auch der Weg dorthin war alles andere als locker, lässig und leicht. Von „easy“ konnte jedenfalls keine Rede sein, eher von hart, schwer und kompliziert.

Harter Knochen

Lothar Späth, der damalige Ministerpräsident, ist der eigentliche Vater dieser Hochschule im Grünen. Fernab der großen Uni-Städte, mitten in der Pampa. Sein politisches Beharrungsvermögen öffnete die Tür für fünf FH-Ableger im Land, darunter einer im Kochertal. Er und seine Mitstreiter aus Hohenlohe mussten sich heftigem Widerstand erwehren. Die härteste Nuss war die Hochschule Heilbronn, der härteste Knochen in ihren Reihen Rektor Walter Dörr.

Das Schöne an der 20-Jahr-Feier am Freitag: Die Antipoden von damals waren persönlich anwesend und hatten reichlich Anekdoten auf Lager. Aus dieser Spannung von Gestern und Heute entsprang der besondere Reiz dieser Veranstaltung. Beim Festakt mit den Promis im Foyer des D-Baus genauso wie später bei der rockigen Party in der Mensa, wo die Studenten den Ton angaben. Garniert mit einer fulminanten Feuer-Show und hintersinnigem Improvisationstheater, entwickelte sich das „Zukunftsforum“ so zu einem abwechslungsreichen Jubiläums-Event.

Flammendes Spektakel: Nach dem Festakt zogen Feuerkünstler im Freien eine fulminante Show ab. Die leuchtende Überleitung zur Party begeisterte.Fotos: Guido Sawatzki
Flammendes Spektakel: Nach dem Festakt zogen Feuerkünstler im Freien eine fulminante Show ab. Die leuchtende Überleitung zur Party begeisterte.Fotos: Guido Sawatzki

Doch zurück zum Vater der Hochschule. Wie hat sich sein Kind gemacht? Entspricht es dem Entwicklungsstand eines jungen Erwachsenen? „Das kann man so sagen“, lacht Lothar Späth. „Unser Ding ist aufgegangen.“ Mit „uns“ meint er sowohl Politiker wie den einstigen CDU-Landtagsabgeordneten Karl Östreicher, den damaligen Landrat Franz Susset oder Bürgermeister Volker Lenz als auch wichtige Geburtshelfer aus der Wirtschaft wie Reinhold Würth, Gerhard Sturm (EBM), Heinz Ziehl (Ziehl-Abegg) oder Gerhard Hettinger (Bürkert). Sie alle haben hart gekämpft um den Standort - und am Ende auch Walter Dörr überzeugt. Der Rektor und der Senat hatten eher zähneknirschend zugestimmt, am Freitag jedoch konnte der Heilbronner Professor sagen: „Ich bin der Meinung, wir haben uns richtig entschieden.“

Elementarfaktor

Das Bild vom „jugendlichen Helden, der bestimmt auch mal ein paar graue Haare bekommt“, gab Lothar Späth die Gelegenheit, in die Zukunft zu blicken. Wann wird die Hochschule ihre volle Lebensblüte erreicht haben? In 10, 20 oder 30 Jahren? „Die gesellschaftlichen Strukturen verändern sich“, der demografische Wandel sei unaufhaltbar. Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft müsse die Bildung als zentraler „Elementarfaktor“ für den Wohlstand definiert werden. „Wachstum geht nur noch über Innovationen und Ideen.“ Werde dieser Kurs beherzigt, sei die Hochschule gut gerüstet. Die Wirtschaft werde ihren Bedarf „ganz schnell“ anmelden, die Wissenschaft müsse ihrerseits noch mehr forschen. Und: Die Hochschule müsse sich größtmögliche Offenheit bewahren.

Dass die Hochschule optimistisch nach vorne blicken kann, ist auch und vor allem Reinhold Würth zu verdanken. Der Mäzen öffnete nicht nur vor 20 Jahren die Schatulle, um mit 500 000 Mark die Gründung zu ermöglichen („Lothar Späth sagte: Das Geld muss her, sonst mache ich es nicht“), was die Firmen EBM und Ziehl-Abegg mit jeweils 300 000 Mark nachziehen ließ. Er gründete 2005 auch eine Stiftung zur Förderung der Hochschule, worauf sie auf seinen Namen umgetauft wurde. „Es ist nicht so wichtig, welche Studienfächer gelehrt werden“, sagte er am Freitag. Wichtiger sei, dass eine „Spitzenleistung“ dahinterstecke. „Die Augen der Studenten müssen glänzen, unbändige Begeisterung muss sich hier breitmachen.“ Und was ist sein größter Wunsch? „Dass Künzelsau irgendwann eine Hochschule mit 3000 Studenten ist, die sich abkopppeln und selbstständig werden kann“. Fragt sich nur, ob das so „easy“ wird...


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