Der Tod wird delegiert

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Künzelsau - An Trauernde wie Interessierte richtet sich die Veranstaltungsreihe "Du fehlst mir so..." des Evangelischen Bildungswerks Hohenlohe, der Katholischen Erwachsenenbildung Hohenlohe und des Hospizdienstes Kocher/Jagst.

Von Janina Hornung
Verlust: Das eigene Lebensende oder der Tod geliebter Menschen ist ein Thema, mit dem man sich freiwillig lieber nicht beschäftigt. Foto: Colourbox
Verlust: Das eigene Lebensende oder der Tod geliebter Menschen ist ein Thema, mit dem man sich freiwillig lieber nicht beschäftigt. Foto: Colourbox

Künzelsau - Menschliches Wesen, was ist"s gewesen? In einer Stunde geht es zugrunde, sobald das Lüftlein des Todes drein bläst. " Paul Gerhardts "Güldne Sonne", komponiert im Jahr 1666, ist eigentlich ein Morgenlied. Dennoch handelt es auch von Sterben und Vergänglichkeit und spiegelt damit eine Nähe zum Thema Tod wieder, die es längst nicht mehr gibt. Das Ende des Lebens ist ein Tabu geworden, mit dem man sich häufig erst beschäftigt, wenn man selbst oder ein Nahestehender betroffen ist. An Trauernde wie Interessierte richtet sich die Veranstaltungsreihe "Du fehlst mir so..." des Evangelischen Bildungswerks Hohenlohe, der Katholischen Erwachsenenbildung Hohenlohe und des Hospizdienstes Kocher/Jagst.

Distanz

"Der Tod wird an Institutionen delegiert", sagt Bettina Jörger, Mitarbeiterin des Hospizdienstes. "Hat man die Menschen früher im eigenen Zuhause aufgebahrt, findet Sterben heute häufiger im Krankenhaus oder Pflegeheim statt." Und auch den Hinterbliebenen setzt unsere schnelllebige Gesellschaft Grenzen. Nach einer Verlusterfahrung soll das Leben schnell weitergehen: "Die Trauerphase darf nicht zu lange dauern. Wer nach einem Jahr noch trauert, wird schnell für nicht normal erklärt", hat Jörger beobachtet. Ein, wenn auch stummes, Interesse ist aber durchaus vorhanden. So suchen viele Menschen in der Zeitung zu allererst nach den Todesanzeigen, wobei sie den Geburtsdaten der Verstorbenen besondere Beachtung schenken.

"Uns ist es wichtig zu vermitteln: Das Gefühl der Trauer ist normal. Wir wollen helfen, mit dieser Lebenssituation, die Umbruch und Krise ist, klarzukommen", erklärt Elisabeth Baur, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung Hohenlohekreis. Neben Vorträgen und Wochenendseminaren wird es auch das dauerhafte Angebot eines Trauercafés geben. Hier erhält die Trauer Zeit und Raum. Betroffene haben die Möglichkeit, andere Betroffene kennenzulernen, Kontakt herzustellen und vielleicht sogar Freundschaften zu schließen. "Die Menschen die kommen, sollen erfahren, dass sie angenommen werden und so sein können, wie sie sind", erklärt Religionspädagogin Renate Bertsch-Gut. Als Gesprächsgrundlage dient ein Impuls, der ein Gedicht, ein Ritual oder auch eine gemeinsame Kreativaufgabe sein kann. Aber auch Einzelgespräche sind möglich.

Unsicherheit

Vor Ort sind ausgebildete Trauerbegleiterinnen. "Die Konfession spielt keine Rolle. Es ist ein langfristig angedachtes ökumenisches Angebot, das auch kirchenferne Menschen ansprechen will, denn auch sie beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Tod und Trauer, stellen viele Fragen", so Gudrun Schaller, Trauerbegleiterin und Mitarbeiterin im Evangelischen Bildungswerk. Doch die Veranstaltungsreihe richtet sich ausdrücklich nicht nur an Betroffene. Im Umfeld Trauernder herrscht oft große Unsicherheit. Viele wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen, ob und wie sie sie ansprechen sollen.

Antworten bieten beispielsweise die Auftaktveranstaltung "Du fehlst mir so..." mit der bekannten Theologin Dr. Angelika Daiker, oder der Vortragsabend "Gibt es im Himmel auch Nutella?" mit Religionspädagogin Renate Bertsch-Gut, der besonders die Verlusterfahrungen von Kindern und ihren Familien thematisiert. Ziel beider Veranstaltungen ist auch, die Trauer als phasenweisen Prozess verstehbar zu machen.

Auch ein Konzertabend steht auf dem Programm. Bettina Jörger ist es wichtig, die dem Thema eigene "unendliche Hemmschwelle" zu überwinden. "Einfach anrufen, einfach mal kommen, auch wenn man noch nicht so genau weiß, welches Angebot man jetzt nutzen möchte."

Wollen Hemmschwellen überwinden: Renate Bertsch-Gut, Gudrun Schaller, Bettina Jörger, Elisabeth Baur und Birgit Schatz (von links).Foto: Janina Hornung
Wollen Hemmschwellen überwinden: Renate Bertsch-Gut, Gudrun Schaller, Bettina Jörger, Elisabeth Baur und Birgit Schatz (von links).Foto: Janina Hornung
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