Der streitbare Baron lebt nach eigener Façon
Wolfgang von Stettens Biographie ist in Künzelsau vor großem Publikum vorgestellt worden. Zähigkeit, Optimismus und Gottvertrauen gelten als Fundament für das Schaffen des Politikers und Schlossbesitzers.

Er ist 77 Jahre alt, seit 60 Jahren CDU-Mitglied und ein passionierter Politiker. Er war Gemeinde- und Kreisrat. Den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe hat er 12 Jahre im Bundestag vertreten. Er ist Landwirt und Schlossbesitzer, Jurist und Unternehmer, Stückeschreiber und Familienoberhaupt.
Er ist streitbar, wertkonservativ und hat stets die Menschen im Blick - Wolfgang Freiherr von Stetten. Nun gibt es auf 268 Seiten Einblicke in das facettenreiche Leben von Hohenlohes schwarzem Baron.
Präsentation in der Brunnenhalle

350 Gäste sind zur Vorstellung seiner Biografie, die der Journalist und ehemalige Chefredakteur der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung, Dr. Wolfgang Bok, unter dem Titel "Der schwarze Baron" verfasst hat, im Brunnensaal der Residenz Schloß Stetten zusammen gekommen - immerhin 100 mehr als sich am selben Tag zur Vorstellung des neuen Buchs von Thilo Sarrazin in Berlin angemeldet haben, wie Sohn Christian von Stetten mit einem Schmunzeln vermerkt.
Bevor Autor und Protagonist selbst das Wort ergreifen, würdigt Professor Dr. Rita Süssmuth, langjährige Bundestagspräsidentin, den ehemaligen politischen Weggefährten als "Christdemokraten, wie man heute kaum mehr einen findet".
Trotz aller Gegensätze schätzt sie Wolfgang von Stetten für sein lebenslanges Engagement, bei dem stets die Menschen im Mittelpunkt stünden und das in der Seniorenresidenz auf Schloß Stetten konkrete Formen angenommen habe.
Es geht nicht ohne Miteinander
Nicht Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit stehe dort im Vordergrund, sondern der lebenslang lernfähige und aktive Mensch, der sich auch im Ruhestand mit all seinen Talenten und unverbrüchlicher Würde in eine Gemeinschaft einbringen könne. Denn, so die einstige Jugend-, Familien- und Gesundheitsministerin, "es geht nicht ohne Miteinander. Jeder will autonom sein, aber wichtiger ist das Miteinander".

Auch Widerstände hätten Wolfgang von Stetten nie davon abgehalten, sich für andere einzusetzen, wo er es für notwendig erachtet habe. So habe er zu den baltischen Staaten im Allgemeinen und Litauen im Besonderen Kontakte geknüpft und gepflegt, als dies in der Regierungskoalition von Kohl und Genscher gar nicht gern gesehen worden wäre.
Menschen, die wie er zwar autonom ihren Weg gingen, aber solidarisch handeln würden, brauche es auch heute mehr denn je.
"Mach weiter so", ruft sie Wolfgang von Stetten deshalb zu. Und per Video dankt gar Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst für "Engagement, Treue, Tatkraft, Mitdenken und Optimismus" Wolfgang von Stettens.
Letzte Generation, die etwas zu erzählen hat
Für von Stettens Biograph Wolfgang Bok gehört der "schwarze Baron" zur "Aufbaugeneration" und damit zur letzten Generation, "die was zu erzählen hat". Sie habe Zeit von Krieg und Not kennen gelernt und gemeistert. Zwar habe Wolfgang von Stetten einen Titel, ein Schloss und einige Aktien vererbt bekommen, aber er habe sich mit Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen seinen Platz im Leben erkämpfen, Wohlstand und Erfolg nach dem Motto "Net schwätze, schaffe" so mühsam wie ideenreich erarbeiten müssen.
Dass es an seinem Manuskript nur wenige Streichungen gegeben habe, freut den Autor. Ob das Werk gelungen sei, bleibe letztlich dem Urteil der Leser überlassen.
Leben in der und für die Region
"Es ist ein breites, aufregendes und spannendes Leben", in das der Journalist intime Einblicke eröffne, fasst C. Sylvia Weber das Werk zusammen, das im Würth eigenen Swiridoff-Verlag erschienen ist. Und Wolfgang von Stetten selbst? Er bescheinigt Wolfgang Bok zwar eine "spitze Feder", erkennt sich in dem Band aber durchaus wieder.
Ja, er habe mitunter eine Rechtsauffassung, die manches anders interpretiere. Ja, Zähigkeit, Optimismus und Gottvertrauen seien sein Fundament. Ja, er lebe sein Leben nach seiner Façon. Aber ohne die Familie, für die er dankbar sei, und ohne die Gemeinschaft, die in der Residenz mit Senioren und Mitarbeitern gelebt werde, sei dies alles nicht möglich gewesen.
Infos zur Biografie: "Der schwarze Baron - Wolfgang von Stetten: Ein Leben für Politik und Schloss", 268 Seiten, ist im Buchhandel für 22 Euro erhältlich.
Stimme.de
Kommentare
difoni Niedernhall am 01.09.2018 17:11 Uhr
wie immer