Den Winzern im Jagst- und Kochertal wird auch im Winter nicht langweilig
Die Nebenerwerbswinzer Marcel Schmieg und Katja Wunderlich geben einen Einblick in ihre Arbeit während der Wintermonate. Besonders der Rebschnitt nimmt viel Zeit in Anspruch.

Schnipp, schnapp - fast im Takt greifen Marcel Schmieg und Katja Wunderlich zur Schere, um die Rebstöcke in ihren Weinhängen oberhalb von Klepsau zu stutzen. "Im Januar und Februar verbringen wir fast 60 Stunden mit dem Rebschnitt, der in den Wintermonaten eine der wichtigsten Aufgaben ist", erklärt Schmieg.
Weinbau auf dem Heiligenberg
Der 29-Jährige arbeitet unter der Woche als Werkzeugmacher bei der Firma Bürkert in Criesbach. Die Weinbauflächen auf dem Heiligenberg oberhalb von Klepsau hat das Mitglied der Winzerkapelle Klepsau 2017 von seinen Eltern übernommen. Auf den Muschelkalkböden im Mittleren Jagsttal gedeiht bei den Schmiegs unter anderem Schwarzriesling. "Wir sind hauptsächlich mit den Arbeiten im Weinberg beschäftigt und kümmern uns auch um die Selbstvermarktung. Für die Verarbeitung der Weine haben wir uns mit einem erfahrenen Kellermeister im tauberfränkischen Königheim zusammengetan."
Ein eingespieltes Team
Bei den Rebschnittarbeiten an diesem trüben und kühlen Wintertag ist ihm seine Partnerin wie so oft eine große Hilfe. Mit Weinbau hatte Katja Wunderlich, die aus Öhringen stammt, vorher nicht viel am Hut. "Wir sind auch im Weinbau inzwischen ein eingespieltes Team", sagt sie. Die 29-Jährige empfindet die Aufgaben im Weinberg als willkommenen Ausgleich zu ihrer Arbeit als Ausbildungsleiterin im Landratsamt des Hohenlohekreises.
Zirka eine Stunde brauchen die Winzer für den Bogrebenschnitt in einer rund 50 Meter langen Drahtreihe. Sie achten darauf, dass die Reben gleichmäßig im Austrieb gefördert werden. Dabei bleibt die Rute am Draht stets fixiert. "Im Frühjahr werden wir regelmäßig kontrollieren, ob die Reben auch alle gut austreiben", betont Katja Wunderlich.
Pheromonfallen verwirren den Traubenwickler

Die Pheromonampullen aus dem Vorjahr sammeln die Winzer ebenfalls ein. Die neuen Fallen werden beim Austrieb im Frühjahr aufgehängt. "Die Duftstoffe in den Lockstofffallen sollen den Traubenwickler verwirren. Der zählt für Winzer nicht unbedingt zu den Lieblingsschmetterlingen", so Schmieg mit einem Augenzwinkern.
Die Schnittreste lassen die jungen Winzer auf dem Boden liegen. "Da fahre ich noch sanft mit dem Mulcher durch, das gibt dann einen guten Humus für die Muschelkalkböden", erklärt Schmieg.
Eine umweltschonende Bodenbearbeitung und ein Weinanbau weitestgehend im Einklang mit der Natur ist dem Hobbymusiker ein wichtiges Anliegen. "Im Frühsommer blüht es zwischen den Reihen kräftig. Damit Wildbienen und andere nützliche Insekten davon profitieren, müssen wir rechtzeitig im Frühjahr die Blühmischungen im Weinberg anlegen." Ähnlich wie im Mittleren Jagsttal dominieren Muschelkalkböden auch im benachbarten Kochertal.
32.000 Rebstöcke sind zu schneiden
Der Rebschnitt in den Weinhängen oberhalb von Niedernhall bedeutet auch für Ilona und Michael Keck viel Arbeit. "Wir schneiden auch in diesem Winter wieder rund 32.000 Rebstöcke", bestätigt Michael Keck. Auch die Kecks haben sich dem umweltschonenden Weinbau verschrieben. Wenn das Wetter es zulässt, verlässt der Winzer öfter für ein bis zwei Stunden das Weingut, um den Rebschnitt wieder ein Stückchen voranzubringen. Sein Handy hat Michael Keck immer griffbereit. "Ich freue mich, wenn ich unterbrochen werde und ein Kunde vor der Tür steht", sagt er mit einem Lachen.
Potenzielle Schäden im Blick haben
Der gelernte Techniker für Weinbau und Önologie setzt beim Schnitt bewusst auf eine zusätzliche Sicherheitsrute. "Wir müssen potenzielle Schäden durch Frost oder Schädlinge immer im Blick haben. Je nachdem, wie sich die Situation im Mai darstellt, kann ich dann die Sicherheitsrute entweder abschneiden oder sie nutzen, um die Ertragsgrundlage noch besser abzusichern", erläutert der Winzer aus Leidenschaft.
Doch zu weit vorausschauen, will Michael Keck nicht. Die Wettervorhersage beschäftigt ihn stark. "Falls das mit dem Frost bis zu minus 20 Grad zutrifft, was der Wetterbericht für die nächsten Wochen meldet, dann werden wir unseren Rebschnitt ändern und anpassen."
Veränderte Situation durch Corona
Seit jeher spielt das Wetter für Winzer eine große Rolle. Niederschlagsmenge und Sonneneinwirkung beeinflussen die Qualität der Reben beziehungsweise Weintrauben. Seit einem Jahr haben aber auch die Winzer im Hohenlohekreis die Entwicklung der Corona-Pandemie fest im Blick. "2020 sind aufgrund der Corona-Pandemie beliebte Veranstaltungen wie die Jagsttal Wiesen Wanderung oder das jährliche Weinfest in Klepsau ausgefallen. Bei solchen Veranstaltungen steht ja der Genuss von Landschaft und auch Wein im Vordergrund", sagt Marcel Schmieg mit nachdenklicher Miene. Auch Michael Keck bestätigt, dass durch die Corona-Pandemie viele Firmenevents, Jubiläumsveranstaltungen, Vereinsfeiern und Familienfeiern ausgefallen sind. "Die hier weggebrochenen Umsatzeinbußen können wir nicht ausgleichen, wenngleich der Privatabsatz auch dank Online-Versand zugenommen hat". Auch über die treue Stammkundschaft, die persönlich vorbeikommt, ist der Winzer froh. "Es zeigt sich in der Corona-Krise, dass die Bevölkerung ein Herz für die kleinen und regionalen Weinerzeuger hat."
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