Delfin-Therapie mit stürmischen Turbulenzen
Junge aus Öhringen leidet an einem seltenen Gendefekt - Timon und seine Mutter reisten mit Physiotherapeutin nach Florida

In wenigen Wochen wird Timon vier Jahre alt. Das freundliche Kind kann nicht sitzen, laufen und sprechen. Ein Jahr nach der Geburt diagnostizierten die Ärzte den äußerst seltenen Gendefekt, der eine körperliche und geistige Entwicklungsverzögerung zur Folge hat. Seine Mutter, eine frei berufliche Hebamme aus Öhringen, bat Rosi Bender um Frühförderung. Die Physiotherapeutin und Heilpädagogin leitet die Frühförderstelle an der Schule und im Kindergarten der evangelischen Stiftung Lichtenstern in Löwenstein. Dort wird Timon betreut.
Zunächst hörte Sabina Schmidt von den Erfahrungen der Delfin-Therapie in den USA, dann arbeitete sich Rosi Bender in die Materie ein, nach der die Meeressäuger Schallwellen aussenden und Kinder positive Impulse erhalten sollen.
Mit Spenden, einem Postkartenverkauf und der großen Hilfsbereitschaft von vielen Menschen waren die Kosten in Höhe von rund 14 000 Euro gedeckt. "Die positive Resonanz" hat die Mutter gestärkt.
Es war aber eine dreiwöchige Florida-Reise mit Turbulenzen. Bei der Ankunft in Miami fegte der erste Hurrikan über Florida. Zwei Tage durften Mutter, Sohn und Betreuerin in Key Lago das Appartement nicht verlassen. "Nach vier Tagen wurden wir evakuiert", berichtet Rosi Bender. Im Auto fuhren sie hunderte von Meilen zur Westküste, dann nach Osten. Die "ungewollte Florida-Rundreise" dauerte vier Tage. Timon habe die langen Strecken gut verkraftet, erzählt die Hebamme.
Die entfallenen Behandlungstage wurden nachgeholt. Delfintrainer, Therapeut und Praktikant bildeten ein Team. Mit dem Lied "Alle meine Entchen" begann stets die Wassertherapie. Dazu drehte sich der Delfin im Kreis. Nach zwei Tagen Skepsis und Zurückhaltung taute Timon im 33 bis 34 Grad warmen Wasser immer mehr auf. Die Tiere berührten seine Füße, seine Hände. Timon streichelte ihre glatten und muskulösen Körper, ließ sich an der Rückenflosse durchs Wasser ziehen. Wichtig fand Rosi Bender, dass der Junge vor jeder Übung mit den Meeressäugern das System mit Ja- (gelb) und Neinkarte (rot) gelernt hat: "Er zeigt mit den Augen, was er möchte." Meistens habe es sich für das lachende Gesicht (also Ja) entschieden. Spielerisch ging es auch nachmittags im Klassenzimmer beim Malen, Einsortieren oder beim Stapeln zu. Die starke Bewegungsfreude, die Lust, länger durchzuhalten - dies stellte die Heilpädagogin aus Ellhofen bei dem Buben besonders in der dritten US-Woche fest.
Jetzt könne Timon besser Spielzeuge greifen, sitze gerade im Buggy und habe eine bessere Kopfkontrolle, erklärt Sabina Schmidt. "Er hat sehr viel Schönes erfahren", ist sich Rosi Bender sicher. Sie fasst die Fortschritte mit drei Begriffen zusammen: Mitteilung, Persönlichkeitsentwicklung und Mitbestimmung. Auch in Lichtenstern zeige Timon nun mit den Ja-/Neinkarten, was er möchte, was nicht.
Um ihm eine weitere Therapie zu ermöglichen, malte eine befreundete Künstlerin aus München ein neues Kartenmotiv. Timon trägt Weihnachtsmütze und einen kleinen Tannenbaum, spielt mit einem Delfin. 2000 Stück ließ die Öhringerin davon drucken, die pro Stück für 1,50 Euro verkauft werden sollen. Weitere Infos geben Rosi Bender ( 07134 / 14631) oder Sabina Schmidt ( 07941 / 984674).
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