Catering für den städtischen Knast statt für die High Society
Starthilfe nach dem Hurrikan: Der Öhringer Heinz Pfeifer half seinem Bruder Horst bei der Wiedereröffnung seines Restaurants in New Orleans

Zuerst waren es nur Bilder im Fernsehen: Menschen auf der Flucht, Überschwemmungen, zerstörte Häuser, Panik, Plünderungen, Leichen. Das Ausmaß der Schäden von Hurrikan Katrina Ende August in New Orleans ist bekannt.
Horst Pfeifer war zum Warten verdammt. Der gebürtige Bächlinger betreibt in New Orleans zwei gehobene Restaurants. Er war in Deutschland zu Besuch. Unter anderem bei seinem Bruder Heinz, der in Öhringen wohnt. Im Fernsehen der BBC sah Horst Pfeifer das „Bella Luna“, sein Nobelrestaurant im Herzen der Stadt mit Blick auf den Mississippi. Der Sturm hatte Scheiben und Inventar zerstört. Die Fluten reichten nicht bis in die Innenstadt. Einen Kellner konnte er am Telefon erreichen. Dieser hatte Pfeifers Haustiere im Wohnhaus in Sicherheit gebracht. Immerhin.
400 000 Dollar Schaden am „Bella Luna“, 30 000 Dollar am Wohnhaus und eine kaputte Dachluke am „Fountry“, dem zweiten Restaurant - das war die Bilanz, die Horst Pfeifer schließlich vorfand. Nach zehn Tagen gelang es ihm, über Land in die Stadt zu gelangen.
Der Streit um die Versicherungssumme hält an. Von der Stadt ist nichts zu bekommen. „Die hat selbst kein Geld“, erzählt Heinz Pfeifer. Weitermachen oder aufhören, war die Frage. Heinz Pfeifer hat seinem Bruder zugeredet. Und um ihm unter die Arme zu greifen, ist er nach New Orleans geflogen. Vier Wochen war er dort, Mitte Dezember ist er zurück gekommen.
Das „Bella Luna“ bleibt vorerst geschlossen. Aber im „Fountry“ geht die Arbeit weiter. Ein Teil des Personals ist in die Stadt zurückgekehrt. Einige von ihnen übernachten im Restaurant - vielen hat der Hurrikan die Wohnungen zerstört.
Statt der High Society bringt der Catering-Service des „Fountry“ jetzt Essen für die 850 Häftlinge ins Gefängnis der Stadt. Dort verwüstete der Sturm die Küche. Fünf Häftlinge helfen beim Kochen mit. Um sie kümmerte sich Heinz Pfeifer bei seinem Besuch. Er schmierte mit ihnen Sandwichs, fuhr sie zurück ins Gefängnis, half, wo er konnte. „Die Gefangenen haben gespurt“, ist er überrascht.
Dreimal war Heinz Pfeifer zuvor in New Orleans. „Deprimierend“ sei es gewesen, jetzt dort zu sein. Die Gebäude in der Innenstadt seien noch intakt. In den Lokalen werde wieder Jazz gespielt. „Aber es gibt kaum Gäste.“ Die Vororte seien verwaist, „stundenlangen sieht man nur streunende Katzen“. Hauswände oder Autos seien noch überzogen mit einer Salzschicht vom Meerwasser. Markierungen in Leuchtfarbe zeigten, welche Häuser durchsucht und wie viele Tote darin gefunden wurden.
Trotz allem muss das Leben weiter gehen. Anfangs wollte sein Bruder das „Bella Luna“ gar nicht mehr aufmachen. „Jetzt will er es bis Mai wieder zum Laufen bringen“, erzählt Heinz Pfeifer. Und bei allen schrecklichen Bildern, die ihm in Erinnerung bleiben, gab es auch einen Höhepunkt für ihn: In einem Hotel konnte er den Blues-Musiker Fats Domino kurz sprechen. „Allein das war die Reise wert.“

Stimme.de
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