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Wildbienen: Bunte und hochspezialisierte Brummer

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Auch in Hohenlohe gibt es Gartenbesitzer wie Familie Grathwohl aus Wohlmuthausen, die sich für Wildbienen stark machen.

Von Andreas Scholz
Hobbyimkerin Tanja Grathwohl erfreut sich in ihrem Garten in Wohlmuthausen an der Kastanienblüte. Die ist auch für Bienen und Hummeln , die ebenfalls zu den Wildbienen zählen, ein Festmahl.
Fotos: Andreas Scholz
Hobbyimkerin Tanja Grathwohl erfreut sich in ihrem Garten in Wohlmuthausen an der Kastanienblüte. Die ist auch für Bienen und Hummeln , die ebenfalls zu den Wildbienen zählen, ein Festmahl. Fotos: Andreas Scholz  Foto: andreas scholz

Das Aprilwetter hält im Wonnemonat Mai weiter an. Endlich macht der Regen am Nachmittag auch auf der Hohenloher Ebene mal Pause. Die Sonne durchbricht die Wolken. Tanja Grathwohl nutzt die Gunst der Stunde, um in ihrem Garten im Forchtenberger Teilort Wohlmuthausen ein bisschen zu werkeln und die milden Sonnenstrahlen im Freien zu genießen.

Aktive Naturschützer

Im Garten von Familie Grathwohl gibt es viele Nektarquellen und Plätze, die aber nicht nur Honigbienen zugute kommen. Tanja Grathwohl und ihr Mann Andreas sind im Bienenzuchtverein Hohenlohe-Öhringen aktiv und halten auch einige Bienenvölker in ihrem Garten. "Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für Wildbienen. Leider haben Wildbienen vielleicht auch deshalb keine so gute Lobby, weil sie im Gegensatz zur Honigbiene keinen leckeren Honig liefern".

Wichtige Aufgaben

Für Tanja Grathwohl erfüllen Wildbienen in der Natur ebenfalls wichtige Aufgaben. "Auch Wildbienen erbringen wertvolle Bestäubungsleistungen in unserer Kulturlandschaft". Der Hobbyimkerin ist aber auch der Erhalt der Artenvielfalt ein wichtiges Anliegen. "Es gibt rund 550 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland. Viele unter ihnen leben solitär und sind hochspezialisiert".

Die Mai-Langhornbiene, Wildbiene 2021, fühlt sich am Beinwell wohl.  Foto: andreas scholz

Mit der Garten-Wollbiene hat eine hochspezialisierte Wildbiene im Garten von Familie Grathwohl ein Zuhause gefunden. "Die Garten-Wollbiene braucht den Woll-Ziest als Nistmaterial und daher habe ich den Woll-Ziest auf unserem Gartengrundstück angepflanzt". Die Zaunrüben-Sandbiene und die Glockenblumen-Scherenbiene nennt Tanja Grathwohl als weitere Wildbienen, die auf spezielle Pflanzen angewiesen sind.

"Damit Wildbienen sich im Garten ansiedeln können, brauchen sie Nahrungsquellen, Nistmaterial und Nistmöglichkeiten. Die Blauschwarze Holzbiene mag beispielsweise den Muskateller-Salbei als Nektarquelle und Totholzbereiche, um dort eine Niststätte ins Totholz zu nagen", weiß die Wildbienenfreundin. Auch an eine kleine Wasserstelle hat sie gedacht. Zusätzlich hat sie eine Ecke mit Frauenmantel angelegt. "Da bleibt das Wasser auf den Blättern stehen und Insekten können sich leicht bedienen".

Tanja Grathwohl ist kein allzu großer Fan von Wildbienenhotels aus dem Baumarkt, was mehrere Gründe hat. "Viele Wildbienen legen ihre Niststätten auf dem Boden an sandigen Stellen an oder nutzen leere Schneckenhäuser. Einige Hummeln suchen gerne nach Spalten in Mauern und daher ist eine Trockenmauer im Garten immer eine gute Sache".

Nisthilfe für Wildbienen mit unterschiedlichen Löchern.  Foto: andreas scholz

In den Augen der Hobbyimkerin ist es kein großer Aufwand, eine Nisthilfe für Wildbienen zu zimmern. "Das hierfür verwendete Holz hat immer eine Stirnseite, in diese sollte man nicht bohren, weil Risse entstehen können". Die gebohrten Löcher sollten unterschiedlich groß und nicht ausgefranzt sein". Gut angenommen würden auch Strangfalzziegel aus gebranntem Ton mit Hohlkammern.

Im großen Garten von Familie Grathwohl finden Wildbienen einen reich gedeckten Tisch vor: Von Frühling bis Herbst profitieren sie vom üppigen Blütenangebot. "Im Moment stürzen sich Hummeln gerne auf den Beinwell und die Quittenblüten. Wir profitieren auch davon, dass quasi eine kleine Biotopvernetzung zu anderen Gärten in der Nachbarschaft besteht, in denen es ebenfalls viele Blüten gibt", freut sich die Hobbyimkerin.

Anderen Gartenbesitzern legt sie gerne bienenfreundliche Pflanzen und Sträucher ans Herz. "Ein Obstbaum ist immer gut. Lavendel, Klee, Mauerpfeffer, Rosmarin, Kräuterminze, Wilder Wein und Knoblauchgewächse wie Zierlauch und Schnittlauch sind ebenso empfehlenswert". Sie wünscht Gartenbesitzern mehr Mut zu einer wilden Ecke. "Da wäre den Insekten sehr geholfen".

 
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