Blick zurück in Dankbarkeit, auch wenn das Leben hart war

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Ulrike Siegel, Herausgeberin der „Bauerntöchter“-Bücher, lässt in ihrem neuesten Band die Mütter zu Wort kommen

Von Claudia Kostner
208 Seiten umfasst das neue Buch von Ulrike Siegel, 14 Lebensgeschichten von Bäuerinnen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands.Foto: Andreas Veigel
208 Seiten umfasst das neue Buch von Ulrike Siegel, 14 Lebensgeschichten von Bäuerinnen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands.Foto: Andreas Veigel

Hohenlohe - „Ich könnte mir nicht vorstellen, so viel zu arbeiten wie diese Generation“, sagt Ulrike Siegel. Die Herausgeberin der „Bauerntöchter“-Trilogie hat Respekt vor dem, was die 14 Frauen in ihrem neuesten Buch berichten: Kindheiten, die mit dem Zweiten Weltkrieg oder der Flucht jäh endeten, viele Entbehrungen, ein von Pflichterfüllung geprägtes Leben - und trotzdem diese Dankbarkeit und Zufriedenheit beim Blick zurück. Diesmal kommen die Mütter zu Wort.

„Wolltest Du Bäuerin werden?“ ist nicht nur der Titel des Buchs, sondern auch die zentrale Frage der Interviews, geführt von ihren Töchtern oder Schwiegertöchtern, fast allesamt Autorinnen der ersten drei Bände. Ganz bewusst hat Ulrike Siegel dieses Mal nicht die Hauptpersonen selbst schreiben lassen. „Im Rückblick ist vielleicht schon manches verklärt. Durch gezieltes Nachhaken erfährt man mehr“, glaubt die Botenheimerin. Ihre eigene Mutter konnte sie nicht mehr fragen. Sie starb, als sie gerade so alt war wie Ulrike Siegel jetzt: 47 Jahre.

Anstoß Die Veröffentlichung der Bauerntöchter-Geschichten, die von Kindheit und Jugend in den 60er und 70er Jahren auf dem Land erzählen, hat in vielen Landwirtsfamilien den Austausch zwischen den Generationen angestoßen. Auch die Mütter wollten ihr Leben beschreiben. In den Kriegsjahren aufgewachsen, berichten sie von Vätern, Brüdern, Ehemännern, die in den Krieg ziehen mussten, versehrt oder gar nicht zurückkehrten; von Bombennächten im Keller oder davon, dass sie von klein auf auf dem Feld und im Stall mithelfen mussten. Und doch bezeichnen alle ihre Kindheit als glücklich. DieMenschen auf dem Hof, die Spielkameraden, das Leben mit den Jahreszeiten. Hier sieht Ulrike Siegel Parallelen zu ihren Altersgenossinnen: „Diese Freiheit und Werte der Kindheit im Herzen ist auch das, was meine Generation der Bauerntöchter beschreibt.“

Richtig hart wurde es für viele der Mütter erst nach der Heirat. Die Dreifachbelastung Familie, Haushalt, Landwirtschaft. Oft mussten sie sich der Schwiegermutter unterordnen oder nach dem Tod des Mannes den Betrieb alleine weiterführen. An Weggehen war nicht zu denken: „Du konntest doch nirgendwo hin“, beschreibt es zum Beispiel Ida Haffert, Jahrgang 1926, aus Nordrhein-Westfalen. Viele wollten auch gar nicht Bäuerin werden. Aber „Mein Weg war vorgegeben. Ich wurde nicht gefragt“, erzählt Marie Langmaack, geboren 1926, in Schleswig-Holstein.

Kraft „Sie hätten allen Grund zum Jammern, aber keine einzige macht das“, ist Ulrike Siegel beeindruckt „von der unwahrscheinlichen Kraft, mit der sie ihr Leben gemanagt, sich ihre innere Unabhängigkeit bewahrt haben, trotz aller äußerlicher Abhängigkeiten“.

Die Bücher der Vorsitzenden des Evangelischen Bauernwerks sind längst Selbstläufer geworden. Ihr erstes Werk, „Immer regnet es zur falschen Zeit“, ist mittlerweile in der siebten Auflage erschienen.

„Wolltest Du Bäuerin werden?“ ist erschienen im Landwirtschaftsverlag Münster und kostet 14,95 Euro.

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