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Hohenlohe

Bis zu 250 neue Plätze für Flüchtlinge in Hohenlohe

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Der Hohenlohekreis muss seine Sammelunterkünfte deutlich aufstocken. Der bestehende Standort in Neuenstein wird ausgebaut, im Raum Öhringen eine ganz neue Unterkunft gebaut. Die Öhringer Ochsenseehalle wird provisorisch umgebaut. Auch Wohncontainer werden angemietet.

Die Sammelunterkunft in der Neuensteiner Bahnhofstraße ist seit September 2017 in Betrieb. Zu den derzeit 88 Plätzen sollen 48 weitere hinzukommen. Foto: Reichert
Die Sammelunterkunft in der Neuensteiner Bahnhofstraße ist seit September 2017 in Betrieb. Zu den derzeit 88 Plätzen sollen 48 weitere hinzukommen. Foto: Reichert  Foto: Reichert

Der Hohenlohekreis muss seine Kapazitäten für die Erstaufnahme von Asylbewerbern deutlich erhöhen. Schon Ende des Jahres drohen Engpässe, weil die vier bestehenden Sammelunterkünfte voll belegt sein könnten.

193 Plätze stehen dort zur Verfügung, davon sind aktuell 170 belegt. "Das wird bei weitem nicht reichen", sagt Kreiskämmerer Michael Schellmann. Und blickt auf 2022 und die Folgejahre: "Wir müssen uns auf eine weitere Flüchtlingswelle einstellen." Mittelfristig sollen 200 bis 250 neue Plätze entstehen - durch Erweiterungen in Neuenstein und Künzelsau sowie bis zu sechs neue Standorte.

Planungen im Haushalt 2022 sind schon wieder überholt

Im Entwurf des Kreishaushalts für 2022 stehen eine Million Euro für die Erweiterung von Unterkünften. Die Dynamik der aktuellen Lage hat die letztgültigen Etatplanung aber schon überholt. Deshalb wird Schellmann dem Kreistag bei den Haushaltsberatungen am Montag in Waldenburg eine Änderungsliste vorlegen.

Bislang war vorgesehen, die Unterkunft in Neuenstein auszubauen und Bürocontainer für den zweiten Hauptstandort in Künzelsau zu beschaffen, in die das Verwaltungspersonal ziehen soll, um die frei werdenden Räume des Gebäudes an der Würzburger Straße für Flüchtlinge bereitzustellen. Nun sollen "weitere Anmietungen, unter anderem von Wohncontainern" und "langfristig der Bau einer weiteren Unterkunft" folgen.

Mike Weise, der das zuständige Dezernat für Umwelt, Ordnung und Gesundheit im Landratsamt leitet, präzisiert im Gespräch mit der Hohenloher Zeitung diese Pläne: "In der Neuensteiner Bahnhofstraße wollen wir bis zu 48 neue Plätze schaffen." In der dortigen Unterkunft, die neu gebaut und im September 2017 in Betrieb genommen wurde, gibt es derzeit 88 Plätze. Die Aufstockung soll über den Umbau eines angrenzenden Gebäudeteils erfolgen, der gerade als Lager genutzt wird. "Ich hoffe, dass wir damit spätestens Ende 2022 durch sind."

So lang kann der Kreis aber nicht warten. Deshalb wird er bis Ende dieses Jahres die Ochsenseehalle in Öhringen in eine provisorische Flüchtlingsunterkunft umwandeln. "Mindestens 40 neue Plätze können dadurch entstehen, ein Messebauer wird die einzelnen Bereiche mit Holzwänden abtrennen." Die Verlagerung von Büroräumen in Container am Gebäude Würzburger Straße in Künzelsau bringe noch einmal rund zehn neue Plätze.

Neue Unterkunft im Raum Öhringen nach dem Vorbild Neuensteins

Diese bisherigen Planungen sind schon recht konkret. Neu dazukommen soll jetzt der Bau einer weiteren Unterkunft im Raum Öhringen - "als festes Gebäude nach dem Vorbild Neuenstein", so Weise. Außerdem könnte eine Fläche in Kupferzell genutzt werden: "Ich denke, dass es klappt." Mehr will er dazu noch nicht sagen.

Die frühere Unterkunft in Belzhag wurde 2020 zur Corona-Abstrichstelle umfunktioniert und ist seit 12. Oktober mit 22 Plätzen wieder in Betrieb. "Im Moment planen wir insgesamt mit 200 bis 250 neuen Plätzen an sechs weiteren Standorten", so Weise.

Zuweisungszahlen seit Juli fast verdreifacht

Von Juli bis November 2021 hat sich die Zahl der dem Hohenlohekreis monatlich zugewiesenen Asylbewerber von elf auf 30 fast verdreifacht. "Wir gehen davon aus, dass es vorerst bei diesen 30 bleibt und sich die erhöhten Zuweisungszahlen auch in 2022 zunächst so fortsetzen werden", erklärt der Dezernent.

Im Dezember 2015 wurden dem Kreis die meisten Flüchtlinge zugewiesen: 288. Im August 2016 sowie im Juli und August 2020 waren es mit zwei am wenigsten. Im Jahr 2016 hatte der Kreis insgesamt 36 Unterkünfte, die drei größten waren in Öhringen (221 und 150 Plätze) sowie in Kupferzell (144 Plätze). Der Abbau begann Ende 2016. Im Jahr 2017 hatte der Kreis noch 13, im Jahr 2018 drei Unterkünfte. Dabei war es bis Oktober 2021 geblieben. Alle Kosten für die Unterbringung werden vom Land erstattet.

Wie viele der vom Bund aufgenommenen Flüchtlinge in den Unterkünften der Kreise unterkommen, regeln die Länder über spezielle Quoten. 13 Prozent aller Asylbewerber nimmt Baden-Württemberg auf. Von den dort ankommenden Personen werden dem Hohenlohekreis 1,21 Prozent zugewiesen.

 

Personal im Landratsamt

Zwei Sozialarbeiter, zwei Hausmeister und vier Mitarbeiter der unteren Aufnahmebehörde managen derzeit im Landratsamt die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen in den Sammelunterkünften. In der Hochphase der Flüchtlingskrise waren in diesem Bereich insgesamt 55 Mitarbeiter beschäftigt. Das Personal wurde danach wieder abgebaut. Nun steht ein weiterer Aufbau an: um zunächst vier neue Mitarbeiter. Laut Haushaltsplan könnten es im Verlauf des Jahres 2022 auch 8,5 neue Stellen sein. Den Großteil der Personal- und Sachkosten trägt das Land. 

 
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