Biomüll: Zentrale Vergärungsanlage für gesamte Region ist vom Tisch

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Die fünf Kreise in Heilbronn-Franken und der Neckar-Odenwald-Kreis haben eine Studie in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kommt: Eine gemeinsam betriebene, zentrale Vergärungsanlage für Biomüll scheidet aus logistischen und ökologischen Gründen aus. Kooperationen sind dennoch unabdingbar, um in Zukunft aus Bioabfall Energie zu machen.

Von Ralf Reichert und Christian Gleichauf
9616 Tonnen Biomüll wurden 2016 im Hohenlohekreis gesammelt. In Heilbronn-Franken und im Neckar-Odenwald-Kreis waren es rund 60?000. Noch wird der Abfall kompostiert, alle haben die energetische Verwertung auf dem Schirm. 
Foto: Sinuswelle/Fotolia
9616 Tonnen Biomüll wurden 2016 im Hohenlohekreis gesammelt. In Heilbronn-Franken und im Neckar-Odenwald-Kreis waren es rund 60?000. Noch wird der Abfall kompostiert, alle haben die energetische Verwertung auf dem Schirm. Foto: Sinuswelle/Fotolia  Foto: Marek Brandt

Biomüll in Strom und Wärme umwandeln: Dieses Ziel hat der Hohenlohekreis fest im Blick. Die Grundsatzentscheidung im Kreistag ist längst gefallen, doch die praktische Umsetzung stockt. Auch die anderen Kreise in der Region Heilbronn-Franken sowie der Neckar-Odenwald-Kreis wollen ihren Bioabfall möglichst energetisch verwerten, die Landesregierung forciert diesen Weg.

Das Problem: Im Umfeld gibt es bisher keine gut erreichbare Vergärungsanlage. Und jeder Kreis für sich könnte gar keine eigene bauen, weil sich dies nicht rechnen würde. Eine zentrale Anlage für alle zu errichten, war zwar im Gespräch, ist aber vom Tisch.

Kooperationen unumgänglich

Kooperationen sind also unumgänglich: mit allen Schwierigkeiten, die damit zusammenhängen. Auch deshalb kommt die Sache seit Sommer kaum voran. Noch lassen alle Kreise ihren Biomüll kompostieren: völlig eigenständig, von privaten Betreibern. Würde er unter kommunaler Regie zu Energie gemacht, müssten sich zwei bis vier Kreise zusammentun. Wirtschaftlich sind Anlagen erst, wenn jährlich 35 000 bis 40 000 Tonnen bereitstehen.

Im Hohenlohekreis waren es 2016 insgesamt 9616 Tonnen. Selbst der große Landkreis Heilbronn bleibt mit 25 000 Euro unter dieser kritischen Marke. Außerdem ist so eine Anlage sehr teuer. Geschätzte Kosten: 18 bis 30 Millionen Euro.

Machbarkeitsstudie gibt Richtung vor

In einer Machbarkeitsstudie für den Hohenlohekreis, den Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie die Kreise Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald hat das renommierte Witzenhausen-Institut die Möglichkeiten untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen: Eine gemeinsam betriebene, zentrale Anlage für ganz Heilbronn-Franken und den Neckar-Odenwald-Kreis scheidet aus logistischen und ökologischen Gründen aus. Die Transportwege für die rund 60 000 Tonnen Biomüll wären viel zu lang.

Kleine Lösungen sind gefragt

Statt dessen schlägt das Institut kleinere Lösungen vor und präsentiert sechs kreisübergreifende Varianten. Der Hohenlohekreis taucht drei Mal auf: mit Schwäbisch Hall und Main-Tauber; mit dem Stadt- und Landkreis Heilbronn - oder dieser Dreierpack, ergänzt um Hall.

Entscheidende Frage

"Die entscheidende Frage ist: Geben wir die Leistungen an den privaten Markt oder wählen wir den kommunalen Weg mit einer eigenen Anlage?", sagt Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis. Das letzte Wort habe der Kreistag. "Das braucht Zeit, wir wollen nichts überstürzen." Schließlich sei die Entsorgung bis 2019 gesichert - mit der Option, den Vertrag zu verlängern.

Derzeit verarbeitet die Firma Hauke Erden in Öhringen den Biomüll zu Kompost. Hauke will erweitern. Von einer vorgeschalteten Vergärungsanlage, die Strom und Wärme erzeugen könnte, um so bei einer auf diese Technik beschränkten Ausschreibung womöglich zum Zug kommen zu können, ist bisher freilich keine Rede.

Planung zurückgestellt

Anders im Kreis Schwäbisch Hall. Der dortige Biomüll wird im Kompostwerk der Firma KGH in Obersontheim verwertet - und eine Vergärungsanlage, von kommunaler Seite angeschoben, stand lange Zeit im Raum, vor allem um die Geruchsbelästigung zu reduzieren, die für viel Ärger sorgt. Dann kamen Zweifel auf an der Wirtschaftlichkeit.

Die jüngste Regionalstudie brachte Gewissheit: Eine eigene Anlage zu bauen, funktioniert nur mit anderen Kreisen. Und selbst ein Dreier-Pakt Hall, Hohenlohe und Main-Tauber mit Obersontheim als Standort ist den Hallern mit prognostizierten 27 000 Tonnen zu heikel, weil 8000 Tonnen zusätzlich akquiriert werden müssten. Die Planung wurde zurückgestellt, bis Klarheit herrscht, wie es weitergeht.

Gärreste weiterer Knackpunkt

Damm nennt einen weiteren Knackpunkt: die flüssigen Gärreste. Die strengeren Grenzwerte für die Nitratbelastung im Boden sind das eine, die durch Fehlwürfe verursachte Verunreinigung das andere. Dadurch wird es immer schwieriger, diesen Dünger gewinnbringend auf einen Markt zu bringen, der mit Gülle aus der Intensivtierhaltung und Gärresten aus Biogasanlagen ohnehin sehr gesättigt ist.

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