Bettina Würth: Nicht nur Wissen, Persönlichkeit ist gefragt
Künzelsau - Kinder sollen sich wohlfühlen in der Freien Schule Anne-Sophie. Bei den Lehrern gelingt das nur bedingt. Knapp jeder dritte der zur Zeit 40 „Lernbegleiter“ hat nach einem Jahr genug. Matthias Stolla sprach mit Bettina Würth, Vorsitzende des Beirats der Würth Gruppe und Initiatorin der Schule.

Warum verlassen vergleichsweise viele Lehrer die Freie Schule schon nach kurzer Zeit wieder?
Bettina Würth: In unserem Schulkonzept steht im Vordergrund, was in der Wirtschaft schon seit langem von Führungskräften gefordert wird: Man ist nicht mehr der Bürovorsteher, der alles weiß. Stattdessen wird Führungskompetenz eingefordert, man ist eher der Coach und hat den Überblick. Das erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Diese Anforderungen stellt man erst im Tun fest.
Dann wird die hohe Fluktuation also bleiben?
Würth: Ich bin mir sicher, dass das nächstes Jahr schon besser wird. Wir sind ja noch im Aufbau. Unsere Schule kann immer besser definieren, was ein Lehrer an Persönlichkeit mitbringen muss.
Heißt das, die Schule weiß bislang nicht, was sie will?
Würth: Wir wissen es schon, wir können es aber vielleicht noch nicht so gut übersetzen.
Bekommen Lehrer der Freien Schule weniger oder mehr als ihre Kollegen im Staatsdienst?
Würth: Das Gehalt der Lernbegleiter setzt sich aus einem Basisgehalt und einem variablen Anteil zusammen. Insgesamt verdienen sie mehr als ihre Kollegen im staatlichen Schuldienst. Dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass die Voraussetzungen andere sind: So gibt es beispielsweise eine Präsenzzeit von 7:45 bis 16.30 Uhr.
Hat Sie die Fluktuation überrascht?
Würth: Dass nicht gleich am ersten Tag alles reibungslos läuft war klar. Wir sind aber mit der Schule ganz gut unterwegs. Es gibt ja auch Lehrer, die bleiben und mit dem System gut zurecht kommen. Andere stoßen an ihre Grenzen. Man muss ja zum Beispiel damit klar kommen, dass man hier keine Noten geben kann, sondern jedes Kind individuell aufgrund seines Lernstandes beurteilt. In dem Fall ist eine Trennung manchmal besser und natürlich auch leichter als an einer staatlichen Schule.
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