Beim Hohenloher Bauerntag: Rudolf Bühler fordert Frieden
Hauptredner beim Bauerntag in Wolpertshausen ist für biologische Landwirtschaft und gegen die Konzerne. Kein Wort von Bühler zu den aktuellen Bauernprotesten.

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) mit ihren derzeit rund 1500 Mitgliedsbetrieben feiert mit dem Hohenloher Bauerntag nicht nur Lichtmess, den Beginn des Bauernjahres. "Er ist auch eine Art politischer Aschermittwoch. Gutes Essen und zünftige Reden - das macht den Bauerntag aus", sagt BESH-Gründer Rudolf Bühler. Rund 1000 Besucher hören am gestrigen Freitag die Eröffnungsrede des 71-Jährigen in der Halle in Wolpertshausen. Das meist ältere Publikum hat sich zuvor beim Mittagessen gestärkt. Die BESH zeigt beim Bauerntag, was sie kulinarisch zu bieten hat.
Aufsteller mit Friedenstaube
Neben der Bühne steht ein großer Aufsteller. Darauf zu sehen: eine Friedenstaube und der Spruch "Bauern für den Frieden". Ganz in diesem Sinne beruft sich Rudolf Bühler auf Albert Schweitzer: "Ehrfurcht vor dem Leben, Friede unter den Menschen - Friede mit der Natur". Das sei das Ziel in einer Zeit voller Kriege und Krisen. Bühler blickt auf seine Jugendzeit, als gegen den Vietnamkrieg demonstriert wurde. "Was ist aus der Friedensbewegung geworden, die wir heute so dringend brauchen würden? Wir brauchen Deeskalation statt Kriegstreiberei. Wir brauchen einen sofortigen Waffenstillstand, keine Waffenlieferungen und keine Kriegsrhetorik. Wir brauchen Verhandlungen für den Frieden, denn Krieg ist mit nichts zu rechtfertigen", sagt Bühler, ohne den gemeinten Ukraine-Kriege explizit beim Namen zu nennen. Einige im Saal applaudieren.
Gegen Gentechnik
Friede mit der Natur bedeute: "Bewirtschaften, aber nicht verwirtschaften, bewahren statt ausbeuten." Bühler prangert die "Manipulation der Natur durch die unselige Gentechnik" an. "Wir brauchen kein Wahlrecht zwischen gentechnikfreien und gentechnisch belasteten Lebensmitteln. Wir brauchen ein Verbot von Gentechnik. Es ist ein unzulässiger Eingriff in die Schöpfung", ruft Bühler seinen Zuhörern zu.
Dann heißt es "Film ab". Auf derLeinwand der Mehrzweckhalle wird ein Video gezeigt, das auch auf Youtube abrufbar ist. Es zeigt eine Demonstration Hohenloher Bauern im Jahr 2016 gegen die Übernahme des umstrittenen Saatgutherstellers Monsanto durch den Bayer-Konzern in Leverkusen.
Erhalt der Sorten
An seiner Kritik an den Großkonzernen hält Bühler auch acht Jahre später fest: "Wir Bauern haben über Jahrhunderte die alten Rassen erhalten und entwickelt, die Getreide- und die Obstsorten. Das war nicht die Wissenschaft, das waren wir Bauern. Es muss im Bauernstand bleiben. Es geht nicht, dass die Chemiekonzerne kommen, einen kleinen Genswitch machen und dann ihr Patent drauflegen. Das ist eine Enteignung des Bauernstandes."
Man könne auch ohne Pestizide und Kunstdünger hohe Erträge erzielen, wenn man es fachlich richtig mache, bricht Bühler eine Lanze für die Bio-Landwirtschaft. Das Verursacherprinzip müsse eingeführt werden: Wer umweltschädliche, konventionelle Landwirtschaft betreibe, der müsse auch mit den Nebenkosten, etwa der Beseitigung von Wasser-Verunreinigungen belastet werden - dann lohne sie sich nämlich mehr. Für biologisch erzeugte Lebensmittel brauche es eine zusätzliche Vergütung, "steuerliche Maßnahmen". Der Marktpreis reiche aktuell nicht aus. "Unsere Bauern in Hohenlohe haben Zukunft - allen Krisen zum Trotz", schließt Bühler. Auf die aktuellen Bauernproteste geht er ebenso wenig ein wie auf die wirtschaftliche Situation der BESH.
Fernsehköchin Sarah Wiener
Drei weitere Redner hat Bühler zum Hohenloher Bauerntag eingeladen: Friedlinde-Gurr-Hirsch, Vorsitzende des Vereins Pro Region Heilbronn-Franken, BUND-Ehrenpräsident Hubert Weiger und die frühere Fernsehköchin und heutige Europaabgeordnete Sarah Wiener. Die 61-Jährige präsentiert sich in ihrer Rede als glühende Verfechterin für Artenvielfalt und Regionalität. Scharf prangert sie die vier großen Agrarkonzerne Bayer, Corteva, ChemChina und Limagrain an, die den Großteil des weltweiten Saatgut- und Pestizidhandels kontrollieren. Seit 1990 seien der Saatgutpreis sowie die Preise für Pestizide und Kunstdünger um ein Vielfaches gestiegen, was viele Landwirte in Existenznöte bringe.
Im Europäischen Parlament werde derzeit darum gerungen, ob gentechnisch veränderte Lebensmittel ohne explizite Kennzeichnung auf den Markt kommen dürfen.
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