Barockes Sorgenkind
Orgel in Laurentiuskirche muss saniert werden − 50 000 Euro benötigt − Spendenaktionen von Bürgern

Imposant thront die schmucke Orgel über dem Altar der Niedernhaller Laurentiuskirche. Dass sie seit gut einem Jahr das Sorgenkind der evangelischen Kirchengemeinde ist, sieht man ihr von außen nicht an. Umso größer dann der Schock, als der Orgelsachverständige Burkhardt Goethe seinen Bericht vorlegte. Das Fazit: Es bestehe dringender Handlungsbedarf.
"Die Windanlage hat Risse", sagt Pfarrer Georg Schirkonyer. "Zudem ist das Innere stark von Schimmel befallen." Ein solches Ergebnis habe man nicht erwartet. "Wir lassen die Orgel jährlich warten", sagt Schirkonyer. "Das machen nur wenige Gemeinden." Immerhin koste eine solche Wartung zwischen 1200 und 1300 Euro. Dass die Ehrlich-Orgel aus dem Jahr 1776 in keinem guten Zustand ist, ist auch zu hören: Ihr Klang ist matt und farblos, ohne Volumen.
Lösungssuche Nachdem der erste Schock überwunden war, gingen Pfarrer Schirkonyer und der Kirchengemeinderat auf Lösungssuche. In Absprache mit dem Experten seien zwei Möglichkeiten diskutiert worden: ein kompletter Rückbau in den Ursprungszustand und eine Grundsanierung.
Beim Rückbau müssten die Veränderungen aus den 1950er Jahren revidiert werden. Da vom Originalinstrument aber lediglich acht Pfeifen in der Orgel übrig sind, wäre das ein annähernder Neubau mit Kosten von rund 200 000 Euro. Außerdem würde sich der Klang entscheidend verändern. Und Schirkonyer ist überzeugt: "So wie man die Orgel kennt, ist sie den Niedernhallern ans Herz gewachsen."
Letztlich hat man sich für eine Grundsanierung entschieden. Konkret wird dabei die Windanlage ausgetauscht, die Orgel gereinigt und neu intoniert. Damit sie besser belüftet wird und weniger schimmelanfällig ist, soll sie von der hinteren Wand weg rund 50 Zentimeter nach vorne rücken. Dadurch soll sich auch der Klang besser entfalten können. Diese Variante ist zwar deutlich günstiger, doch auch die dafür kalkulierten 50 000 Euro müssen erst berappt werden. "Wir sparen bereits seit sieben Jahren, um unser Gemeindehaus energetisch zu sanieren", sagt Georg Schirkonyer. Jetzt komme die Orgelsanierung noch obendrauf.
Schatztruhe Seit dem Sommer ruft die Kirchengemeinde deshalb zu Spenden für die Orgelsanierung auf. Im sonntäglichen Gottesdienst steht eine Schatztruhe für Spenden bereit. 9000 Euro sind bislang zusammengekommen. Ende Oktober hat die Stadtkapelle ein Benefizkonzert gegeben. Singkreis, Flötenkreis und Posaunenchor musizieren am dritten Advent für die Orgel. Bezirkskantor Thorsten Hülsemann habe gemeinsam mit Musiker Uwe Saussele für Januar ein weiteres Benefizkonzert angekündigt.
Und auch Privatleute engagieren sich für die Orgel. Ein Gemeindemitglied habe seine Gäste gebeten, zu seinem runden Geburtstag zu spenden, anstatt Geschenke zu kaufen. Ein weiterer habe das gleiche Anfang des Jahres vor, erzählt Pfarrer Schirkonyer. "Es sind schöne Zeichen, die hier gesetzt werden", sagt er. Besonders bemerkenswert sei, dass die meisten von sich aus kämen, um zu helfen. "Aus der anfänglichen Schockstarre sind wir wieder erwacht" ist Schirkonyer sicher. Jetzt herrsche vor allem Zuversicht, dass mit Hilfe von Rücklagen und den Spenden die Sanierung finanziert werden könne. Mitte Januar sollen die Arbeiten an der Orgel beginnen. Pünktlich zu Ostern soll sie fertig sein.


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