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Dörzbach

Bageno schließt Lagerhaus und Markt

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Die Genossenschaft beendet ab Jahresende den Agrarbereich, der Raiffeisen-Markt bleibt noch bis Sommer 2023 bestehen. Danach soll ein neuer Tankshop öffnen, doch die Aussicht darauf besänftigt die Landwirte nicht. Womit erklärt die Geschäftsführung die Schließungen?

von Philip-Simon Klein
Der Raiffeisen-Markt in Dörzbach schließt Mitte 2023, bereits zum Jahresende gibt es keine Möglichkeit mehr, hier Getreide oder Obst abzugeben. Foto: Götz Greiner
Der Raiffeisen-Markt in Dörzbach schließt Mitte 2023, bereits zum Jahresende gibt es keine Möglichkeit mehr, hier Getreide oder Obst abzugeben. Foto: Götz Greiner  Foto: Götz Greiner

Ein "herber Verlust" sei die Schließung der Bageno-Betriebsstelle nicht nur die Kommune, sondern auch "für das Jagsttal und angrenzende Gemeinden", sagt Bürgermeister Andy Kümmerle. Verloren gehe neben Kaufkraft vor allem "die ortsnahe Treue und Verbundenheit der Landwirte und der Bevölkerung zur Genossenschaft", so Kümmerle weiter. Vergangene Woche hatte die Genossenschaft mit Sitz in Bad Mergentheim angekündigt, den Standort in der Klepsauer Straße zu schließen. Zum Jahresende werde der Agrarbereich eingestellt, der Raiffeisenmarkt bleibe bis Mitte 2023 geöffnet. Enttäuschung und Unmut bei Landwirten sind groß.

Landwirte  sind enttäuscht und reagieren verärgert

Die Nachricht über die Standortschließung hatte bereits zu Protest und einer Kundgebung von örtlichen Landwirten geführt. Landwirt Martin Wunderlich aus Dörzbach sagt auf Nachfrage der Heilbronner Stimme: Es sei "schade, dass man so ein Lagerhaus sterben lässt". Er hebt die "Superlage" hervor, die der Markt habe.

Der Bageno-Vorstand begründet das Aus der Betriebsstelle in einem Schreiben an die Mitglieder mit mangelnder Wirtschaftlichkeit. Was die Einkaufsmöglichkeiten angeht, hebt die Mitteilung den Neubau des Tankshops am Ortsausgang von Dörzbach an der B19 hervor, der ab Mitte des kommenden Jahres öffnen soll. Zudem solle ein Lieferservice weiter bestehen.

Wohin laut der Bageno Bauern nun ihre Erzeugnisse bringen sollen

Neben den landwirtschaftlichen Bedarfswaren, gibt es am Lagerhaus Dörzbach bisher auch eine Annahmestelle für Getreide und Mostobst. Für Landwirt Fritz Öchslen ist diese die "Hauptabnahmestelle", um sein Getreide abzugeben. Der Wegfall bedeutet für ihn einen Umweg von zwölf Kilometern: nach Marlach. Wie Bageno-Geschäftsführer Florian Reinhard einräumt, ist es zwar eine längere Anfahrt dorthin, man habe aber in Marlach vier Millionen Euro investiert, damit Getreide "technisch auf neustem Stand" abgenommen werden könne, wie Reinhard sagt.

Der zweite Geschäftsführer Manuel Schülein ergänzt, dass in Dörzbach Investitionen angestanden hätten, die sich nicht mehr rentierten. "Marlach kann 15.000 Tonnen Getreide aufnehmen, Dörzbach gerade einmal 1700 Tonnen", so Schülein. Dass das Lagerhaus "gesund übergeben" worden ist und finanziell "solide dastand", ehe es die Fusion mit der Bageno in Bad Mergentheim einging, wenden einige Landwirte ein.

Reinhard bestätigt, dass das Lagerhaus einst ein gutes Finanzpolster hatte. Der Co-Geschäftsführer ergänzt, dass auch hier der Wandel in der Landwirtschaft zum Tragen komme. "Dass es weniger Landwirte gibt, heißt auch, dass die wenigen größer werden – da sind Anlagen wie in Dörzbach nicht mehr zeitgemäß", sagt Schülein. Offen ist die Frage der Mostobst-Annahme: Im Schreiben der Bageno heißt es, man versuche "in Dörzbach eine Lösung zu finden".

Realistisch betrachtet sei klar gewesen, dass angesichts der gestiegenen Kosten das Geschäft am Standort nicht länger profitabel war, das räumen verschiedene Landwirte ein. Und mit 18 Stimmen für die Schließung und fünf Gegenstimmen war auch das Ergebnis im Vorstand deutlich. Dennoch verbleiben bei einigen Landwirten Irritationen.

Die Geschäftsführung argumentiert, die guten Umsätze 2021 stünden der aktuell zugespitzten Lage entgegen

Dem Vorwurf, angesichts von Umsatzrekorden Kürzungen zu fahren, die Mitglieder im Alltag beeinträchtigen, halten die Geschäftsführer entgegen, dass sich anhand der Umsätze von 2021 kaum auf die heutigen Probleme mit Inflation, teurer Energie und Zinsanstieg schließen lasse. "Wir können die Enttäuschung nachvollziehen, aber als Vorstand sind wir für 1500 Landwirte verantwortlich", sagt Florian Reinhard. Angesichts der Herausforderungen "haben wir mit Marlach die optimale Lösung."


Umstrukturierungen

Die Schließung der Betriebsstelle in Dörzbach – bei der den Mitarbeitern Angebote zur Weiterbeschäftigung gemacht werden – reiht sich an Umstrukturierungen der vergangenen Jahrzehnte bei den Bezugs- und Absatzgenossenschaften der Region. Seit Sommer 2008 waren die Lagerhäuser in Kupferzell, Kupfer und Öhringen aufgegeben worden. Stattdessen wurde in den Standort Neuenstein investiert. Zum Jahresende 2018 machte der Raiffeisen-Markt in Mulfingen zu und Ende 2020 schloss der BAG-Markt in Bretzfeld. 

 

 

 

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