Ausstellung zum Klassiker "Der kleine Prinz" in Öhringen
Es ist ein Buch, das seine Leser berührt. Im Vorfeld der baden-württembergischen Literaturtage 2019 in Öhringen fand im Weygang-Museum die Vernissage zu einer Schau zum berühmten Werk des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry statt.

Fast 80 Jahre alt ist das Buch und dennoch sind die Zitate aktueller denn je, die noch heute Gänsehautmomente bringen. Passend zu den Literaturtagen, die in Kürze beginnen, hat das Weygang-Museum sich das berühmte Werk "Der kleine Prinz" des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry zum Thema gemacht.
"Man sieht nur mit dem Herzen gut"
"Ich habe mich besonders gefreut, die Ausstellung zu eröffnen", sagt die stellvertretende Oberbürgermeisterin Irmgard Kircher-Wieland bei der Vernissage am Sonntagvormittag, die sich in ihrer Rede gleich als Bewunderin outet. Und auch wer das Buch schon eine Zeit lang nicht mehr in den Händen hatte, dem öffnen sich vor dem geistigen Auge sofort die Bilder, wenn aus dem Werk von 1943 vorgelesen wird. Etwa wenn der Fuchs zum kleinen Prinzen meint: "Man sieht nur mit dem Herzen gut". Auch Kircher-Wieland hat einige Lieblingsstellen. Sie überlegt: "Die Menschen haben keine Zeit mehr etwas kennen zu lernen. Sie kaufen in Kaufläden, doch dort verkaufen sie keine Freunde."
Einblick in Leben und Werk
Amelie und Beate Vajuso, Mutter und Tochter, untermalen die Vernissage musikalisch mit französischen Flötenstücken aus dem Hochbarock oder Mittelalter. Ingrid Sodeik gibt einen Einblick in Werk und Leben des sensiblen Schriftstellers, der 1900 als Nachfahre einer uralten Adelsfamilie auf die Welt kam. Er wuchs in einem idyllischen Schloss mit vier Geschwistern und einer Mutter auf, die ihre Kinder besonders in den Künsten förderte. Schon früh ermunterte sie den Nachwuchs, auch kleine Theaterstücke zu schreiben.
Diese Zeit und ein besonderes Ereignis prägten den Franzosen. Mit zwölf Jahren saß er erstmals in einem Flugzeug. Das sollte alles verändern: Sein Wunsch selbst zu fliegen, wurde 1926 zum Beruf - und er zu den Pionieren des Nachtflugs. Fliegen und Texte schreiben wurden gleichermaßen zu seiner Bestimmung.
Die Kindheit verteidigen
Das Fliegen und seine Freundschaften, die er unabhängig jeglicher Herkunft schloss, verarbeitete er in seinen Texten. Die Kindheit gegenüber den Erwachsenen zu verteidigen, ist eines seiner Hauptthemen. Vor allem die Wüste als Gegenpol zur Stadt genoss er. Dort fand auch sein Leben ein frühes Ende, als er nach einem Flug nicht wiederkehrte. Sodeik schafft es, die Zuschauer mit Worten in ihren Bann zu ziehen - und die Zuhörer merken ihre Verbundenheit mit dem Buch.
Sein Grundthema Kindheit findet sich auch im kleinen Prinzen, wo er zusätzlich seinen Wüstenabsturz in den 1930er Jahren verarbeitet. Der Protagonist trifft auf einen kleinen Prinzen, der von einem kleinen Stern kommt und von ihm wissen will, wie das Leben auf der Erde ist.
Bildtafeln aus dem Nachlass
Im Weygang-Museum finden sich 20 Bildtafeln aus der Nachlassverwaltung. Der Autor war der Ansicht, seine Bilder und Texte seien als Gesamtkunstwerk zu verstehen. Der Laternenanzünder, die Schlange, alle berühmten Bilder sind zu sehen. Ein besonderes Stück ist ein Hut zum Aufklappen, der sich schließlich zu einer Schlange entpuppt. "Jeder kann in jeder Lebenssituation was anderes aus der Geschichte lesen", findet Gabi Stöhr, die die Ausstellung mit auf die Beine gestellt hat. Auch Thomas und Katharina Retz schlendern durch die Räume. Sie haben eine besondere Beziehung zu dem Werk: Vor 35 Jahren haben sie aus dem Buch ihre Trausprüche herausgezogen. Katharina Retz hat sogar noch zu Hause eine Ausgabe im Familienbesitz - aus dem Jahr 1956.
Zusatzangebot im Museum
"Der kleine Prinz - Lithografien und Texte" ist noch bis zum 29. Dezember zu sehen. Am Mittwoch, 13. November, um 18.30 Uhr gehen die Teilnehmer gemeinsam durch die Ausstellung und gestalten anschließend eine Karte.

Stimme.de
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