Ausnahmezustand in Sonnhofen
Drei Tage lang drehte ein Bavaria-Filmteam im Künzelsauer Weiler Szenen für den Spielfilm Pampa Blues.

Da war Zufall mit im Spiel: Der Weiler Sonnhofen bei Nitzenhausen mit gerade mal 34 Einwohnern wurde vom Film entdeckt. Drei Tage lang drehte eine Filmcrew dort Szenen für die SWR-Coproduktion "Pampa Blues". Mit 40 Mann war das Drehteam größer als die gesamte Einwohnerschaft. Sonnhofen war sozusagen mehrere Tage im Belagerungszustand.
Schon Tage zuvor begannen die Szenenbildner den kleinen Ort in den Filmort Endlingen zu verwandeln. Das Ortsschild wurde kurzerhand ausgewechselt. Die kleine Bushaltestelle in der Dorfmitte bekam einen Kiosk. Und die Scheune von Helmut Pfaff wurde zum Lebensmittelladen samt Poststelle und Friseur umgebaut. "Am ersten Drehtag", erzählt Helmut Pfaff, "hab ich mir einen Gartenstuhl genommen und vors Haus gestellt zum Zuschauen. Arbeiten war schließlich auch nur etappenweise möglich", berichtet er weiter. Überall standen Leute von der Filmcrew mit Funkgeräten und gaben den Anwohnern alle zehn bis 15 Minuten Zeichen, wann sie wieder ihrem Alltag nachgehen durften und wann wieder absolute Stille für den Dreh nötig war.
Statisten
Einige der Dorfbewohner wirkten sogar selbst als Statisten im Film mit. Der Nachbar von Helmut Paff durfte am ersten Drehtag mit seinem Traktor einige Male durchs Bild fahren. Das Haus von Hannelore Zendler und ihrem Sohn Mathias wurde zu einer Gaststätte umdekoriert. Dafür wurden neue Vorhänge aufgehängt und ein Gaststättenschild am Haus befestigt. Mehrere Szenen spielten vor der Haustür der Zendlers.
Die Dreharbeiten brachten ganz schön Leben in den Weiler, von einem Polizeieinsatz mit Rettungswagen bis zu einer thailändischen Hochzeit ist im Film einiges geboten. Der dritte und somit letzte Drehtag in Sonnhofen, war ein Nachtdreh. Weil alle Straßenlaternen miteinander nicht hell genug waren, wurden zusätzliche Lichter an den Laternenpfosten angebracht. Zwei riesige Krahnen mit Scheinwerfern sorgten für noch mehr Licht, so dass der hell erleuchtete Ort des Nachts bis Nitzenhausen zu sehen war.
"Gedreht wurde ungefähr bis zwei Uhr am morgen ", erzählt Mathias Zendler. "Danach wurde sofort alles abgebaut und aufgeräumt." Das Resümee der Sonnhofener zu den Dreharbeiten ist trotzdem durchweg positiv. Die ganze Filmcrew war außerordentlich nett. Auch die Schauspieler - manche nicht so bekannte haben die Sonnhofener einfach gegoogelt - waren für ein kurzes Pläuschchen und Foto mit den Anwohnern zu haben. Unter der Regie von Kai Wessel waren unter anderem Joachim Król, Paula Beer und Sven Gielnik in Sonnhofen zu Gast.
Bestseller
Pampa Blues ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, Liebe, Freundschaft und Pflichtgefühl und basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Rolf Lappert. Er erzählt von dem 16-jährigen Ben, der aus seinem kleinen Heimatdorf abhauen möchte. Doch er muss sich um seinen dementen Opa kümmern. Maslow, der selbsternannte Dorfkönig, möchte das Dorf derweil zum Leben erwecken. Mit der Nachricht, der Landung eines Ufos,will er die Presse ins Dorf locken und den Tourismus in Gang bringen. Der Erfolg des Vorhabens bleibt aber leider aus. Als es die junge Lena ins Dorf verschlägt, vermutet Maslow eine Journalistin. Ben verliebt sich in Lena und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Wann der Film ausgestrahlt wird, das können die Sonnhofener nicht sagen. Auch das Filmteam hat darauf noch keine Antwort: Der Sendetermin steht noch nicht fest.

Stimme.de
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